Begegnungen beim Theaterfestival: Gemeinsam in die Zukunft

Das Stück "Dominium Terrae" der Regisseurin und Produzentin Inka Neubert begeisterte nicht nur mit seinerlicht-malerischen Kulisse | Foto: Ruth Fanderl
Das Stück „Dominium Terrae“ der Regisseurin und Produzentin Inka Neubert begeisterte nicht nur mit seinerlicht-malerischen Kulisse | Foto: Ruth Fanderl

Wer diesen Frühling durch die Neckarstadt lief, kam nicht umhin, eines der Plakate mit dem goldenen Kreis zu bewundern: die Ankündigung für das bereits fünfte Theaterfestival Schwindelfrei, welches vom 2. bis zum 5. Juni im und um das Einraumhaus im Herzen der Neckarstadt stattfand. Wir blicken zurück.

Ein goldener Kreis auf weißem Grund war das Erkennungszeichen des diesjährigen Theaterfestivals Schwindelfrei | Foto: Ruth Fanderl
Ein goldener Kreis auf weißem Grund war das Erkennungszeichen des diesjährigen Theaterfestivals Schwindelfrei | Foto: Ruth Fanderl

„Das Theaterfestival Schwindelfrei ist ein Festival der performativen Künste, das von der Stadt Mannheim ausgerichtet wird.“ – so wird es auf der festivaleigenen Homepage beschrieben. Es sei kein gewöhnliches Festival, bei dem die Künstler ausschließlich für ihre Performance kämen, erklärte die Kulturamtsleiterin Sabine Schirra während der Pressekonferenz am 25. Mai. Beim Schwindelfrei-Festival der anderen Art stehe die Begegnung der Künstler im Mittelpunkt; der Austausch und das gemeinsame Entwickeln einer interdisziplinären Performance. Das „Inter“ manifestierte sich auch dadurch, dass von den acht Künstlergruppen drei aus nicht-europäischen Städten stammen – Bangalore, Melbourne und Beirut –, welche sich hier in Mannheim begegneten.

Der Aspekt der Begegnung spiegelt sich im ersten Teil des Festivalmottos wieder: „FACING 2066“. Die darauffolgende Jahreszahl sollte darauf hinweisen, dass diese Begegnung nicht erst in 50 Jahren stattfinden wird, sondern dass hier und jetzt damit begonnen werden muss, über die Zukunft nachzudenken und sie aktiv zu gestalten – sowohl im regionalen als auch im internationalen Austausch.

Mannheim ist der optimale Austragungsort für diese besondere Art von Festival. Nicht nur deshalb, weil sie eine außergewöhnlich internationale Stadt ist, sondern auch eine Stadt, die sich entwickelt. In der im Zuge der Neubelebung der Konversionsquartiere neue, zukunftsträchtige Räume entstehen. Eine Stadt, die im Jahr 2066 mit Sicherheit ganz anders aussehen wird als heute.

Ausstellung der Teilnehmer-Ergebnisse des Workshops "A Future that never was" im Einraumhaus | Foto: Ruth Fanderl
Ausstellung der Teilnehmer-Ergebnisse des Workshops „A Future that never was“ im Einraumhaus | Foto: Ruth Fanderl

Auch das Einraumhaus, das Zentrum des Festivals, ist ein zukunftstaugliches Gebäude: mobil, temporär und enorm wandelbar. Hier fanden bereits vor dem eigentlichen Festivaltagen vom 2. bis 5. Juni im Zuge des Warm-Ups verschiedene Ausstellungen, Vernissagen etc. statt. So beispielsweise die grafische Zukunftsvisionen-Ausstellung der Teilnehmer-Ergebnisse des Workshops „A Future that never was“, der ebenfalls im Mai im Jugendkulturzentrum FORUM stattgefunden hatte.

Tanz und Saxophon | Foto: Ruth Fanderl
Tanz und Saxophon | Foto: Ruth Fanderl

Feierlich eröffnet wurde das Festival, das im Übrigen die Baden-Württemberg-Stiftung als finanziellen Unterstützer vorweisen kann, schon am 2. Mai. Nach Ansprachen durch Kulturbürgermeister Michael Grötsch, die Kulturamtsleiterin Sabine Schirra und die Kuratorin Sophia Stepf folgte eine Darbietung von dem Tanz- und Klangpaar Duet: ein Saxophonist und eine Tänzerin im harmonischen Zusammenspiel. Währenddessen konnten sich die Besucher am kulinarischen, interkulturellen Angebot erfreuen: Persisches Curry traf auf Pfälzer Dampfnudel: „Future Foods of Mannheim“.

"Future Foods of Mannheim" | Foto: Ruth Fanderl
„Future Foods of Mannheim“ | Foto: Ruth Fanderl

Gestärkt und mit allen Sinnen auf zukunftsfantastische Szenarien eingestellt, folgte man anschließend einem der beiden Parcours. Während die Teilnehmer/innen von Parcours 1 mehrere verschiedene Etablissements der Neckarstadt-West, wie das Theater Oliv oder das Community Art Center besuchen durften und einen Einblick in verschiedene Zukunftsutopien und -dystopien von Regisseuren und Künstlern aus Mannheim, Bangalore und Melbourne gewannen, wanderten die Parcours-2-Zugehörigen in geschlossener Gruppe zum Felina-Areal, wo sie in verschiedenen Räumen die diversesten Zukunftsszenarien erfuhren.

Parcours 1 führte in die Neckarstadt-West | Foto: Ruth Fanderl
Parcours 1 führte in die Neckarstadt-West | Foto: Ruth Fanderl

Nach der Tanzdarbietung „Boiling Cold“ unter der Leitung von Edan Gorlicki, einem aus Israel stammenden Choreographen, die thematisch das Zusammenspiel menschlicher Begegnungen auffasste, leitete der Parcours die gespannten Zuschauer in eine utopische, literaturnahe Darstellung der Zukunft: Was, wenn die Natur über den Menschen siegt, den Menschen dominiert? Die Regisseurin und Produzentin Inka Neubert begeisterte in ihrem Stück „Dominium Terrae“ unter anderem mit einer außergewöhnlichen, licht-malerischen Kulisse.

Ein Blick in die Zukunft zeigt: Im Jahr 2066 ist unsere Zeit museumsreif | Foto: Ruth Fanderl
Ein Blick in die Zukunft zeigt: Im Jahr 2066 ist unsere Zeit museumsreif | Foto: Ruth Fanderl

Im folgenden „Recall 1.6“ vom Kollektiv „wirhabendasnichtanders-gewolltproduktion Mannheim“ wurden die Teilnehmer zu Besuchern eines Museums aus dem Jahre 2066, dessen Exponate technische und gesellschaftliche Relikte von 2016 darstellten. Den Abschluss des Parcours bildete die Theaterperformance „Irregular“ von dem Beiruter Team der Zoukak Theatre Company, Maya Zbib und Omar Abi Azar. Eine verstörende Vision vom zukünftigen Dasein des Menschen: das Wesen der Zukunft – halb Maschine halb Mensch, hat jegliche psychischen Muster des heutigen Menschen abgelegt.

Nachdenklich verließen die Besucher das Felina-Areal, um sich angeregt durch die Performances bei einem Glas Sekt am Einraumhaus weitere Gedanken über die Ungewissheit der Zukunft zu machen: Wie wird unsere Welt, unser Menschenbild, unsere Philosophie in 50 Jahren aussehen? Werden wir existieren, wie wir es heute tun? Wie werden wir dann auf unsere jetzige Gegenwart zurückblicken?

Durch die verschiedenen formalen Variationen der Zukunftsvisionen – in bildender Kunst, Klang und natürlich in darstellerischer Form – war für jeden Besucher während des gesamten Festivals etwas dabei, was ihn bewegte und zum Austausch ermutigte. Wir hoffen, dass das Schwindelfrei auch in Zukunft so bestehen bleibt und wir 2066 auf viele Jahre Schwindelfrei-Geschichte zurückblicken können.

Festival-Webseite: theaterfestival-schwindelfrei.de

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