
Der Gemeinderat gibt 5,8 Millionen Euro für zwei Berufsschulen frei. Die langfristige Zukunft der Gebäude bleibt offen.
Der Mannheimer Gemeinderat hat am Donnerstag letzter Woche Sofortmaßnahmen für zwei Berufsschulen in der Neckarstadt-Ost beschlossen. Die Carl-Benz-Schule und die Werner-von-Siemens-Schule sollen damit weiter betrieben werden können. Dafür stellt die Stadt bis 2028 insgesamt 5,8 Millionen Euro bereit. Der Gemeinderat stimmte der Vorlage einstimmig zu.
Die Gebäude an der Neckarpromenade weisen erhebliche Mängel auf. Betroffen sind Tragwerk, Brandschutz, Haustechnik und schadstoffhaltige Baustoffe. Ohne die Arbeiten sieht die Verwaltung den Weiterbetrieb beider Schulen gefährdet. Die 5,8 Millionen Euro finanzieren jedoch keine umfassende Sanierung. Laut Beschlussvorlage dienen sie ausdrücklich der Sicherung des Weiterbetriebs. Eine qualitative Verbesserung der Gebäude ist damit nicht verbunden. In ihrer Pressemitteilung spricht die Stadt dennoch von einer „Sanierung“.
Schäden an Tragwerk, Tiefgarage und Brandschutz
An beiden Schulen gibt es fortgeschrittene Korrosionsschäden an Stahlbetonbauteilen. Die Verwaltung nennt Betonabplatzungen, korrodierte Bewehrung und Schäden durch Chloride. Diese beeinträchtigen laut Vorlage bereits heute die Sicherheit. An den Fassaden schützen deshalb Fangnetze und Gewebeplanen vor herabfallenden Betonteilen. Zusätzlich finden zwei- bis dreimal jährlich Kontrollen statt. Dabei werden lose Teile entfernt. Geschädigte Betonbrüstungen und auskragende Bauteile sollen zurückgebaut werden. Auch einzelne Stützen müssen ertüchtigt werden.
Probleme gibt es auch in der Tiefgarage unter den Schulen. Durch schadhafte Abdichtungen dringt Feuchtigkeit in die Konstruktion ein. Einzelne Bauteile befinden sich laut Verwaltung bereits in einem kritischen Zustand. Die Garage ist konstruktiv mit den Schulgebäuden verbunden. Schäden können sich deshalb auch auf deren Stand- und Verkehrssicherheit auswirken.
In beiden Gebäuden befinden sich außerdem asbesthaltige Baustoffe. Das Gutachten bewertet ihre Beseitigung mit der höchsten Dringlichkeitsstufe. Regelmäßige Luftmessungen und Beprobungen sollen den Schutz der Nutzer*innen gewährleisten. Die Asbestbelastung betrifft auch den Brandschutz. Brandschutzklappen der Lüftungsanlage sind derzeit nicht funktionsfähig. Im Brandfall kann deshalb laut Vorlage keine ausreichende Abschottung gewährleistet werden. Auch Teile der Haus- und Elektrotechnik stammen noch aus der Bauzeit. Ersatzteile werden knapper, zugleich gibt es weniger Fachfirmen für die alten Anlagen.
Kosten könnten weiter steigen
Die 5,8 Millionen Euro beruhen auf der derzeitigen Kostenprognose der BBS Bau- und Betriebsservice GmbH. Die Verwaltung weist auf mögliche weitere Ausgaben hin. Zusätzliche behördliche Auflagen könnten weitere Maßnahmen erforderlich machen. Im Gemeinderat wurde vor steigenden Kosten gewarnt. Aus den 5,8 Millionen Euro dürften nicht 15 oder 25 Millionen Euro werden, hieß es in der Debatte. Gerade bei späteren Bauteilöffnungen könnten weitere Fragen entstehen.
Bereits im Bildungsausschuss gab es Zweifel an der Untersuchungstiefe. Bauteilöffnungen und materialtechnische Untersuchungen waren nicht Teil des Gutachtens. In diesen Bereichen beruht die Bewertung auf Annahmen, die für Gebäude dieses Alters typisch sind. Das Gutachten untersucht inhaltlich nur die Werner-von-Siemens-Schule. Das Büro Kubus360 überträgt die Ergebnisse wegen der ähnlichen Bauweise grundsätzlich auf die Carl-Benz-Schule.
Schüler berichtet von Hitze und Kälte
Ein Schüler der Werner-von-Siemens-Schule schilderte im Bildungsausschuss Probleme im Schulalltag. Die Klimaanlage habe im Sommer mehrere Wochen nicht funktioniert. In den Klassenräumen seien zeitweise fast 30 Grad erreicht worden. Auch die Heizung bereite nach seinen Erfahrungen Probleme. Für den kommenden Winter rechne er erneut mit sehr kalten Räumen. Außerdem kritisierte er die Luftqualität und alte Teppichböden.
„Diese Schule bietet schon lange keine optimalen Voraussetzungen mehr“, sagte der Schüler. Bildungsbürgermeister Dirk Grunert verwies darauf, dass Klimaanlagen an Mannheimer Schulen normalerweise nicht zum Standard gehören. Wenn eine Anlage vorhanden sei, müsse sie aber funktionieren. Den Hinweis auf die Heizung nahm die Verwaltung ebenfalls auf.
Zukunft der Schulen bleibt offen
Mit dem aktuellen Beschluss ist noch nicht entschieden, wie es langfristig weitergeht. Die Stadt prüft eine Sanierung am bisherigen Standort, eine Verlagerung in bestehende Gebäude und einen Neubau. Die Szenarien sollen 2026 und 2027 bewertet werden. Im Gemeinderat erklärte die Verwaltung, es gehe zunächst darum, eine Schließung zu verhindern. Zugleich sei noch offen, „wie die Zukunft wirklich aussieht am Berufsschulstandort“.
Der Schulleiter der Carl-Benz-Schule sprach sich im Bildungsausschuss dafür aus, die vier beruflichen Schulen am Neckarufer zusammenzuhalten. Sie nutzen Werkstätten und Labore gemeinsam. Auch bei Industrie 4.0, Elektromobilität und Gebäudeautomation arbeiten die Schulen zusammen. Bei einer Verlagerung könnte deshalb ein zusätzliches Werkstattgebäude nötig werden. Am bisherigen Standort kann die vorhandene Infrastruktur weiter genutzt werden.
Für 2026 sind 1,3 Millionen Euro vorgesehen. Weitere 2,2 Millionen Euro sollen 2027 und 2,3 Millionen Euro 2028 folgen. Welche zusätzlichen Mittel danach nötig werden, hängt von der langfristigen Entscheidung über beide Schulen ab.
Quellen: Sitzungen des Ausschusses für Bildung, des Gemeinderats, Beschlussvorlagen der Stadt Mannheim
