Die Stadt will die Kreuzung an der Friedrich-Ebert-Straße 2027 umbauen. Für eine schnelle Umsetzung braucht sie hohe Fördermittel.
Der Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) hat dem Grundsatzbeschluss am Donnerstag einstimmig zugestimmt. Betroffen ist die große Kreuzung in der Neckarstadt-Ost von Friedrich-Ebert-Straße, Langer Rötterstraße und Bibienastraße. Die Stadt will die 36 Jahre alte Ampelanlage erneuern und zugleich die Verkehrsführung umbauen. Geplant sind bessere und barrierefreie Querungen für Menschen zu Fuß und auf dem Rad. Die Kosten liegen nach einer ersten Schätzung bei rund 980.000 Euro. Der Beschluss knüpft den Umbau allerdings an eine 90-prozentige Förderung.
46 Störungen im vergangenen Jahr
Die Ampelanlage hat nach 36 Jahren das Ende ihrer technischen Lebensdauer laut Verwaltung deutlich überschritten. Der Hersteller liefert seit mehr als zehn Jahren keine Ersatzteile mehr. Der Stadtraumservice hält die Anlage deshalb mit Teilen aus baugleichen Ampeln am Laufen. Diese wurden andernorts bereits abgebaut. Trotzdem nimmt die Zahl der Störungen deutlich zu. 2025 musste die Stadt 46-mal zur Entstörung ausrücken. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits 38 Einsätze. Durchschnittlich verzeichnen Ampelanlagen in Mannheim zwölf Störungen pro Jahr.
Die Erneuerung betrifft jedoch nicht nur die Ampeltechnik. Bei einer solchen Erneuerung muss die Stadt die heute geltenden Vorgaben einhalten. Die bisherige Führung von Fuß- und Radverkehr kann deshalb nicht unverändert bestehen bleiben. Auch die Übergänge, Verkehrswege und Ampelschaltungen müssen angepasst werden. Die Querungen sollen dabei barrierefrei ausgebaut werden.
Mehr als 30.000 Fahrzeuge am Tag
Mehr als 30.000 Kraftfahrzeuge fahren täglich über die Friedrich-Ebert-Straße an der Kreuzung. In der Straßenmitte verläuft die Stadtbahn. Die Verwaltung führt die Kreuzung als Unfallhäufungsstelle. Besonders an der nördlichen Querung der Gleise kam es in der Vergangenheit zu schweren Unfällen. Verkehrsbürgermeister Ralf Eisenhauer sprach im AUT auch von tödlichen Unfällen. Er bezeichnete die Kreuzung als „ganz neuralgischen Punkt“.
Direkt an der Kreuzung liegt das Ludwig-Frank-Gymnasium (LFG) mit rund 1.100 Schüler*innen. Vor und nach dem Unterricht sind dort besonders viele Menschen zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Die Verwaltung spricht in ihrer Vorlage von zeitweisen „Pulksituationen“. Der Umbau soll deshalb auch mehr Platz schaffen. Fuß-, Rad- und Autoverkehr sollen außerdem stärker voneinander getrennt werden.
Querung über die Stadtbahngleise wird verändert
Besonders verändern will die Stadt den Übergang über die Stadtbahngleise auf der nördlichen Seite der Kreuzung. Dort fahren Menschen mit dem Rad teilweise entgegen der erlaubten Richtung direkt über die Gleise. Künftig sollen versetzte Absperrgitter diese direkte Fahrt verhindern und zum Abbremsen zwingen. Zwischen den Gleisen und der Fahrbahn soll zugleich mehr Platz zum Warten entstehen. Davon sollen vor allem Menschen zu Fuß und Personen mit eingeschränkter Mobilität profitieren.
Auch die Fußgängerübergänge auf dieser Seite sollen näher an die eigentliche Kreuzung rücken. Autofahrende sollen die Übergänge dadurch früher erkennen können. Alle Übergänge werden nach der Planung barrierefrei gestaltet. Stadtrat Reinhold Götz (SPD) sprach im Ausschuss ein weiteres Problem an. Er hoffe, dass Menschen nach dem Umbau von einer Seite zur anderen kommen könnten. Sie sollten nicht „im mittleren Bereich halten müssen“, weil eine Stadtbahn freie Fahrt erhalte. Viele Menschen stellten sich darauf ein, dass sie bei Grün ganz über die Kreuzung kämen. Dann könne jedoch eine Stadtbahn dazwischenkommen. Seit Jahren wird dort eine längere Ampelphase gefordert. Auch ohne durchfahrende Stadtbahn ist die vierspurige Friedrich-Ebert-Straße zu Fuß kaum in einem Zug zu überqueren.
Radverkehr soll teilweise auf die Fahrbahn
Auch die Wege für Radfahrende sollen sich deutlich ändern. Wer zwischen Langer Rötterstraße und Bibienastraße über die Kreuzung fährt, soll künftig teilweise die Fahrbahn nutzen. Radfahrende bekommen dafür eine eigene Ampelschaltung, getrennt von den Fußgängerampeln. Die heutige gemeinsame Führung führte laut Verwaltung zu Rotlichtverstößen. Für das Linksabbiegen plant die Stadt eine Führung in zwei Schritten.
Durch die Verlagerung des Radverkehrs soll auf den Gehwegen mehr Platz entstehen. Davon sollen besonders größere Schüler*innengruppen am LFG profitieren. Die Stadt will auch die zweite Linksabbiegerspur aus der Langen Rötterstraße anders nutzen. Bei einer früheren Erhebung lag der Anteil des Durchgangsverkehrs dort bei knapp 20 Prozent. Die Umnutzung könnte dazu beitragen, einen Teil dieses Verkehrs auf das Hauptstraßennetz zu verlagern. Zusätzlich will die Stadt alte Markierungen entfernen und beschädigte Fahrbahnbereiche sanieren.
Umbau kostet rund 980.000 Euro
Für den Umbau der Kreuzung rechnet die Verwaltung zunächst mit rund 550.000 Euro. Die Erneuerung der Ampelanlage soll weitere 430.000 Euro kosten. Insgesamt liegt die erste Schätzung damit bei rund 980.000 Euro. Eine genaue Kostenberechnung folgt erst mit der weiteren Planung. Die Mittel sollen im Wirtschaftsplan 2027 berücksichtigt werden. Mit dem einstimmigen Grundsatzbeschluss kann der Stadtraumservice die Planung nun weiterführen und Fördermittel beantragen.
Die Stadt will dafür vor allem Mittel aus dem Bundesprogramm „Lückenschluss im Sprint“ bekommen. Es kann bis zu 90 Prozent der förderfähigen Investitionskosten übernehmen. Gefördert werden unter anderem schnell umsetzbare Maßnahmen rund um Bildungseinrichtungen wie das Ludwig-Frank-Gymnasium. Für Mannheim ist der Zeitplan eng. Die Arbeiten müssen 2027 abgeschlossen sein, damit die Stadt diese Förderung nutzen kann.
90 Prozent Förderung als Voraussetzung
Parallel prüft die Stadt eine Förderung nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Je nach Fördertatbestand wären damit bis zu 75 Prozent der förderfähigen Kosten möglich. Genau dieser Unterschied führte im AUT zu Nachfragen. Stadträtin Dr. Regina Jutz (Grüne) fragte, warum der Beschluss trotzdem ausdrücklich 90 Prozent Förderung voraussetzt. Stadträtin Dr. Jessica Martin (Fraktion LTK) schloss sich der Frage an. Stadtrat Reinhold Götz (SPD) erklärte, die Stadt müsse wegen des Zustands der Ampel auch bei 75 Prozent handeln.
Erste Bürgermeisterin Prof. Dr. Diana Pretzell erklärte für den Stadtraumservice, die 90-prozentige Förderung sei in der aktuellen Finanzlage notwendig, um die Maßnahme gut umsetzen zu können. Auch ein Eigenanteil von 25 Prozent stelle den Wirtschaftsplan vor Herausforderungen, so Pretzell. Falls die Bundesförderung ausbleibt, müsse die Stadt andere Lösungen prüfen. Pretzell nannte dabei auch eine zeitliche Streckung des Projekts. Zunächst habe die schnelle Umsetzung mit 90 Prozent Förderung Priorität.
Stadtrat Götz bat darum, den Gemeinderat frühzeitig zu informieren, falls die Bundesförderung nicht zustande kommt. Dann könne das Gremium noch über andere Möglichkeiten beraten. Erste Bürgermeisterin Pretzell sagte diese frühzeitige Information im Ausschuss zu.
Quellen: Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik (AUT), Bürgerinformationssystem

