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Rund 2.000 Menschen bei „Gen Z regelt“ in Mannheim

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Mehr als beim Demonstrationszug ging es bei der Abschlusskundgebung auf dem Alten Messplatz um die Forderungen der „Gen Z“ | Foto: M. Schülke

Bis zu 2.000 Menschen demonstrierten gegen Wehrpflicht, Sozialkürzungen und Rassismus. Der Protest war friedlich, die Themen vielfältig.

Unter dem Motto „Gen Z regelt“ haben am Samstag, 31. Oktober 2026, in Mannheim bis zu 2.000 Menschen demonstriert. Der Protestzug führte vom Plankenkopf durch die Innenstadt bis zum Alten Messplatz in der Neckarstadt. Die Teilnehmenden protestierten gegen die Wehrpflicht, Sozialkürzungen und steigende Lebenshaltungskosten. Auch Rassismus und die deutsche Aufrüstungspolitik standen im Mittelpunkt. Die Demonstration verlief nach Angaben der Polizei friedlich.

Die Polizei zählte in der Spitze rund 2.000 Teilnehmende, die Stadt Mannheim schätzte deren Zahl auf etwa 1.700. Die Veranstalter*innen sprachen von 3.000 Menschen. Obwohl sich die Bewegung ausdrücklich als Protest der Generation Z versteht, waren Menschen unterschiedlicher Altersgruppen vertreten. Neben Jugendlichen und jungen Erwachsenen beteiligten sich auch zahlreiche ältere Demonstrierende.

Viele Themen, wenig erkennbares Profil

Die bundesweiten Proteste unter dem Motto „Gen Z regelt“ richten sich gegen politische Entscheidungen, von denen sich junge Menschen besonders betroffen sehen. Zu den Forderungen gehören bessere Schulen, mehr Geld für psychische Gesundheit, ein bezahlbares Leben und ein Ende der Wehrpflicht. Die Bewegung fordert außerdem mehr Mitbestimmung für junge Menschen, einen gerechteren Umgang mit Sozialausgaben und konsequenten Klimaschutz.

Bei der Mannheimer Demonstration waren allerdings zahlreiche weitere politische Anliegen präsent. Antifaschistische Parolen gegen die AfD gehörten ebenso dazu wie Solidaritätsbekundungen mit Palästina und Kritik an der israelischen Kriegsführung. Fahnen verschiedener linker und antifaschistischer Organisationen prägten das Bild des Demonstrationszugs. Darunter waren die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend, die DIDF-Jugend, die Grüne Jugend, die ver.di-Jugend und das Offene Antifaschistische Treffen Ludwigshafen.

Jugendprotest mit bekannten Parolen

Viele dieser Organisationen beteiligen sich regelmäßig an Demonstrationen gegen rechts oder an Protesten zur Situation in Palästina. Entsprechend unterschied sich der Mannheimer Protest in seiner Zusammensetzung und seinen Parolen nur begrenzt von anderen politischen Demonstrationen der vergangenen Monate.

Die verschiedenen Forderungen sind dabei keineswegs zwangsläufig unvereinbar. Für junge Menschen können Sozialpolitik, Krieg, Rassismus und Zukunftsperspektiven durchaus zusammengehören. Allerdings gerieten einige der ausdrücklich angekündigten Anliegen der Generation Z im Demonstrationszug in den Hintergrund. Über die konkreten Probleme an Schulen, steigende Lebenshaltungskosten oder die psychische Belastung junger Menschen war vergleichsweise wenig zu hören. Der Protest bot vielen bereits aktiven politischen Gruppen eine gemeinsame Plattform, ließ aber ein eigenständiges Profil der neuen Jugendbewegung nur eingeschränkt erkennen.

Kritik an Sozialkürzungen und Aufrüstung

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Lizge von der DIDF-Jugend bei der Abschlusskundgebung auf dem Alten Messplatz | Foto: M. Schülke

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Alten Messplatz rückten die ursprünglichen Forderungen stärker in den Vordergrund. Lizge von der DIDF-Jugend, die die Demonstration mitorganisiert hatte, kritisierte die Sozialpolitik der Bundesregierung und die steigenden Militärausgaben.

„Die Kürzungen werden auf unserem Rücken ausgetragen, während Großunternehmen weiter profitieren und Milliarden in Aufrüstung fließen“, erklärte sie. Die Rednerin sprach sich gegen die Wehrpflicht und die Aufrüstung der Bundeswehr aus. Sie forderte die Teilnehmenden auf, sich auch über einzelne Demonstrationen hinaus politisch zu organisieren.

Schülerin kritisiert mangelnde Mitbestimmung

Eine weitere Rede hielt Vera, eine Mannheimer Schülerin aus der Schulstreikbewegung gegen die Wehrpflicht. Sie kritisierte, dass ältere Generationen über die Zukunft junger Menschen entschieden, ohne diese ausreichend einzubeziehen. Auch die Werbung der Bundeswehr an Schulen und auf anderen Kanälen beschäftige junge Menschen. Angesichts schlechter Zukunftsaussichten erscheine der Militärdienst manchen als berufliche Perspektive.

Die Schülerin stellte auch die demokratische Mitbestimmung infrage. „Wenn 60-Jährige über das Leben von jungen Leuten bestimmen — leben wir dann wirklich in einer Demokratie?“, fragte sie.

Warnungen vor Ausschreitungen bestätigten sich nicht

Im Vorfeld der bundesweiten Demonstrationen hatte es Warnungen vor möglichen Ausschreitungen gegeben. Hintergrund waren teilweise gewaltsame Jugendproteste in anderen europäischen Ländern. Auch in Mannheim bereitete sich die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften auf den Aktionstag vor. Die Geschäfte JD Sports und Elbenwald in der Innenstadt sicherten ihre Schaufenster vorsorglich mit Holzplatten beziehungsweise Pappe. Elbenwald schloss außerdem vorzeitig.

Die Befürchtungen bestätigten sich in Mannheim nicht. Die Demonstration verlief störungsfrei. Auch größere Beeinträchtigungen des Einzelhandels blieben aus.

Rechte Gegenkundgebung mit wenigen Teilnehmenden

Vor der Kunsthalle hatte die rechte Gruppierung „Gemeinsam Deutschland Gestalten“ (GDG) eine Gegenkundgebung angemeldet. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Gewalt und Vandalismus“ wollte die Gruppe nach eigenen Angaben gegen mögliche Ausschreitungen protestieren. Daran beteiligten sich lediglich acht bis zehn Personen.

Eine weitere Gruppe von knapp zehn Personen, mutmaßlich ebenfalls aus dem rechten Spektrum, bewegte sich durch die Nebenstraßen. Sie wurde dabei von etwa ebenso vielen Polizeikräften begleitet. Nach Auskunft des polizeilichen Einsatzleiters gegenüber einem Reporter gingen die Personen später nach Hause.

Weiterer Jugendstreik am 20. November geplant

Die Mannheimer Demonstration war Teil eines bundesweiten Aktionstags mit Veranstaltungen in zahlreichen Städten. Die Bewegung orientiert sich an Jugendprotesten in anderen europäischen Ländern.

Bei der Abschlusskundgebung kündigten die Rednerinnen einen weiteren internationalen Protesttag für Freitag, 20. November, an. Dann sollen Schüler*innen, Studierende und Auszubildende gemeinsam gegen die Wehrpflicht und für bessere Zukunftsperspektiven demonstrieren.