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Rechter Angriff auf Eröffnungsfeier (Update)

Rechtsextreme besprühten Gäste einer Eröffnungsfeier mit Pfefferspray. Mit dabei ein Vorstandsmitglied der AfD-Jugendorganisation. (Update)

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, rund 30 junge Menschen rückten noch einmal die Tische zurecht und warteten auf die ersten Gäste. Am Samstag, 19. Januar 2019 sollte die Eröffnungsfeier des „Ewwe longt’s – Linkes Zentrum Mannheim“ um 14 Uhr in der Kobellstraße beginnen. Die ersten Gäste waren bereits vor Ort, darunter auch einige Kinder. Doch plötzlich liefen dreizehn junge Menschen in den Laden, viele mit schwarzen Regenjacken und Kapuzen, die offenbar nicht zum feiern kamen.

Unter den Personen, darunter eine Frau, waren einige bekannte Gesichter. Bei der Störung einer Kundgebung für Seenotrettung in Heidelberg hatte eine ähnlich zusammengesetzte Gruppe für Tumulte gesorgt. Mit dabei: Leon Stockmann, Mitglied im Landesvorstand der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“.

Pfefferspray und bengalische Feuer

Rechtsextreme Angreifer auf der Flucht | Videostandbild: privat
Rechtsextreme Angreifer auf der Flucht | Videostandbild: privat

Die Verantwortlichen des „Ewwe longt’s“ erteilten sofort Hausverbote, doch die Gruppe wollte nicht gehen. Vor dem Laden kam es auf der Straße zu Wortgefechten und Schubsereien. Dann begannen Personen aus den Reihen der „Jungen Alternative“ mit Pfefferspray auf Besucher*innen des „Ewwe longt’s“ zu sprühen und zündeten ein bengalisches Feuer. Auch auf den Mitarbeiter des Neckarstadtblogs, der das Geschehen beobachtete, wurde Pfefferspray gesprüht.

Polizei stand bereit, handelte aber erst, nachdem es Verletzte gab

Mittlerweile kam eine Gruppe der Bereitschaftspolizei die Kobellstraße aus Richtung Käfertaler Straße entlang gerannt. Dort waren zwei Mannschaftswagen postiert – die Polizei hatte bereits im Vorfeld einen Verdacht. Die rechten Aggressoren rannten davon, nur Leon Stockmann und ein weiterer blieben stehen. Offenbar wartete er auf seine Freundin, die alleine zurück geblieben war.

In der Neckarstadt-Ost kam es nun zu einer Verfolgungsjagd. Bereitschaftspolizisten rannten hinter den Aggressoren aus Reihen der „Jungen Alternative“ her und konnten einige ergreifen. Vor Ort berichtete Revierleiter Ralph Hartmannsgruber gegenüber dem Reporter des Neckarstadtblogs, dass die Polizei fünf Personen erwischen konnte und nun Personenkontrollen und Durchsuchungen durchgeführt würden. Leon Stockmann wurde wenige Meter neben dem „Ewwe longt’s“ von der Polizei kontrolliert. Sein Rucksack wurde durchsucht.

Leon Stockmann, Vorstandsmitglied der Jungen Alternative, wird nach dem Angriff von der Polizei durchsucht | Foto: privat
Leon Stockmann, Vorstandsmitglied der Jungen Alternative, wird nach dem Angriff von der Polizei durchsucht | Foto: privat

Mehrere Verletzte

Im „Ewwe longt’s“ kehrte so langsam wieder Ruhe ein. Der gesamte Vorfall dauerte nur wenige Minuten. Einige Gäste wurden durch Pfefferspray verletzt. Die Kinder waren glücklicherweise alle im Gebäude und bekamen den Vorfall kaum mit. Nach und nach kamen mehr Gäste und das Programm zur Eröffnungsfeier konnte wie geplant um 15 Uhr beginnen (Anm. d. Red.: Hier ist unser Bericht von der Eröffnung).

Stellungnahme des „Ewwe longt’s – Linkes Zentrum Mannheim“

Das Logo auf dem Einladungsflyer des linken Zentrums in der Neckarstadt-Ost | Foto: NeckarstadtblogWas war denn da los, Samstags in der Kobellstraße?

Heute Mittag war einiges los in der Kobellstraße. Zum Eröffungsfest des neuen Linken Zentrums „ewwe longt’s“ kamen nicht nur Zahlreiche Interessierte aus Nah und Fern sondern auch unerwünschte Störer. Ein Gruppe von etwa 10 Mitgliedern der „Identitären Bewegung“ (Anm. d. Red.: wir haben 15 gezählt) – einer in mehreren europäischen Ländern agierenden faschistischen Organisation – sowie der „Jungen Alternative“ – die Jugendorganisation der AfD versuchten sich direkt nach Eröffnung unseres Festes Zutritt zu unseren Räumlichkeiten zu schaffen. Nachdem sie daran von Besucher*innen des Festes gehindert wurden, provozierten sie noch weiter auf der Straße, sprühten mit Pfefferspray um sich und zündeten eine Signalfackel. Als dann schlussendlich auch noch die Polizei hinzukam, nahm der Großteil der Störer die Beine in die Hand und lieferte sich ein kleines Räuber-und-Gendarm-Spiel in den Straßen der Neckarstadt.

Wir lassen uns nicht einschüchtern! Der versuchte Angriff auf unsere Eröffnungsfeier zeigt uns eines ganz klar: Unser Projekt und der Kampf gegen rechte Hetzer und Faschisten ist richtig und wichtig insbesondere in Zeiten wie diesen!

Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz

Am Abend erklärte die Polizei auf Nachfrage, dass wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz gegen die Angreifer ermittelt werde. Im Zuge der weiteren Fahndung seien insgesamt neun Personen kontrolliert worden. Sie bekamen anschließend Platzverweise. Einer sei zur Personalienfeststellung mit auf die Wache genommen worden. Bei den Durchsuchungen wurden zwei Pfeffersprays gefunden. Die Ermittlungen dauerten am Abend noch an.

Update (23.01.2019): 

Stockmann bestätigt Beteiligung der AfD-Jugendorganisation

JA-Landesvorstandsmitglied Leon Stockmann bestätigte auf seinem privaten Facebook-Profil seine Anwesenheit und die einer JA-Gruppe vor Ort, bestreitet jedoch eine Beteiligung der im Verfassungsschutzbericht ein ganzes Kapitel füllenden „Identitären Bewegung“ (IB): „Überdies sind entgegen anderslautender Vorwürfe keine Aktivisten der Identitären Bewegung beteiligt gewesen.“

Am Samstag deuteten viele Hinweise darauf, dass die Störaktion der Identitären Bewegung (IB) zuzurechnen sei: Auftreten, Kleidung, Verhalten, Gewaltaffinität und Einsatz von Pyrotechnik sind typische Merkmale. Zudem wurden zwei Personen wieder erkannt, die bereits bei Aktionen der Identitären Bewegung in Erscheinung traten. Doch es gab kein eindeutiges Erkennungszeichen und keine Erklärung einer verantwortlichen Gruppe zur Aktion. Auf der Internetseite der Identitären Bewegung (IB) gab es eine Stellungnahme, dass „Identitäre Aktivisten“ nicht in Mannheim beteiligt gewesen sein. Überprüfbar ist das aufgrund des konspirativen Auftretens der IB im Rhein-Neckar-Raum kaum.

Seinen Angaben nach wollte sich die Gruppe vor Ort nur informieren. Weshalb zu diesem Zweck Pfefferspray, ein Bengalo und von der Polizei nicht weiter bezeichnete Passivbewaffnung mitgeführt werden, erklärt er nicht. Jedoch will die Gruppe der Störer nur zur Selbstverteidigung gehandelt haben.

Wie viele Angreifer waren es denn nun?

Die Anzahl der Störer variierte in den Zeugenaussagen zwischen zehn und fünfzehn. Unser Reporter hatte fünfzehn Angreifer gezählt, das angegriffene „Ewwe Longt’s“ sprach nur von zehn. Nach gründlicher Auswertung des Videos von Kommunalinfo Mannheim wurde die Zahl der Störer*innen im Artikel auf 13 Personen geändert. Damit konnten sich wahrscheinlich vier Störer*innen der polizeilichen Fahndung entziehen. Es gab nach Auskunft der Polizei neun Personalienfeststellungen. Wir haben dies im Text nun entsprechend angepasst.

Videoaufnahmen des Vorfalls

Zum von Kommunalinfo Mannheim veröffentlichten Video des Vorfalls erklärt die Redaktion:

Es kam die Frage auf, warum das Video, das vom Vorfall veröffentlicht wurde, geschnitten sei. Dies hat zwei Gründe. Erstens haben einige Gäste der Eröffnungsfeier darum gebeten, dass sie nicht erkannt werden möchten. Zweitens wurde während des Vorfalls die Videoaufzeichnung gestoppt, um Fotos zu machen. Genau in diesem Zeitraum begann der Angriff mit Pfefferspray. Zwar wurde die Videoaufzeichnung dann wieder gestartet, aber der Vorfall ist nur zum Teil dokumentiert.

Die mittlerweile ermittelnde Kriminalpolizeiinspektion 6 ist für den Staatsschutz zuständig, also politisch motivierte Kriminalität.


Meldung des Polizeipräsidiums Mannheim vom 20.01.2019:

Am Samstag führte die Polizei Mannheim mit Unterstützungskräften des Polizeipräsidiums Einsatz einen Sondereinsatz anlässlich der Eröffnung des „Ewwe Longt’s – Linkes Zentrum Mannheim“ durch.

Das „Ewwe Longt’s“ sollte gegen 14 Uhr eröffnet werden. Just zu dieser Zeit fand sich eine in etwa zehnköpfige Gruppe von Andersdenkenden vor dem Zentrum in der Kobellstraße ein. Vor dem Veranstaltungsraum und an der Ecke Kobellstraße/ Uhlandstraße entwickelten sich Streitigkeiten zwischen den beiden Lagern, die in einer Auseinandersetzung mündeten. Aus der 10-köpfigen Gruppe heraus wurde auf Besucher des Linken Zentrums Pfefferspray gesprüht, ein 21-Jähriger Besucher des „Ewwe Longt’s“ wurde hierbei verletzt. Außerdem wurde an der Ecke Kobellstraße/ Uhlandstraße ein bengalisches Feuer gezündet.

Einsatzkräfte, die von dem Geschehen Kenntnis nahmen, versuchten sofort nach Erkennen der Auseinandersetzung zu intervenieren, worauf die 10-köpfige Gruppe teilweise zu Fuß flüchtete.

Während der eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen konnten die Einsatzkräfte neun Personen kontrollieren, die nach ersten Erkenntnissen aus der geflüchteten Personengruppe stammten. Bei den Kontrollen wurden zwei Pfeffersprays beschlagnahmt, außerdem wurde teilweise Passivbewaffnung mitgeführt. Den Personen wurde ein Platzverweis erteilt, eine Person wurde zur Personalienfeststellung zum Polizeirevier Mannheim-Neckarstadt verbracht. Die neun kontrollierten Personen waren nach derzeitigem Kenntnisstand im jugendlichen, bzw. heranwachsendem Alter.

Die Kriminalpolizeiinspektion 6 übernahm die Sachbearbeitung und ermittelt nun u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz.

Im Nachgang kam es nach bisherigem Kenntnisstand zu keinen weiteren Vorfällen, bzw. Störungen der Veranstaltung.


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Mannheim sagt Ja! (Kommende Veranstaltungen in 2019)

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