Neues Kirchenzentrum soll Melanchthonkirche ersetzen

Dekan Hartmann informierte Kirchengemeinde und Öffentlichkeit über bedeutende gebäudliche Veränderungen in der Neckarstadt-Ost und -West.

Pressemitteilung der Evangelischen Kirche Mannheim:

Auf dem Gelände um die Paul-Gerhardt- und um die Melanchthonkirche in der Neckarstadt wird es gebäudliche Veränderungen geben. Die Weichen dafür sind nun gestellt, der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, eine Umsetzung ist für das Jahr 2027 angesetzt. Die Paul-Gerhardt-Kirche bleibt erhalten, an Melanchthon soll ein Kirchenzentrum neu gebaut werden. Zu der öffentlichen Info-Veranstaltung im Melanchthonhaus am 21. März kamen rund 100 Interessierte.

Stützende Holzkonstruktion im Untergeschoss des Melanchthonhauses, dessen Statik alle drei Monate überprüft wird. Hier soll ein Kirchenzentrum neu gebaut werden | Foto: Hans-Friedrich Roth
Stützende Holzkonstruktion im Untergeschoss des Melanchthonhauses, dessen Statik alle drei Monate überprüft wird. Hier soll ein Kirchenzentrum neu gebaut werden | Foto: Hans-Friedrich Roth

„Wir wollen transparent und frühzeitig informieren. Deshalb gehen wir bereits zu einem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit, an dem wir noch nicht alle Fragen beantworten können“, betonte Dekan Ralph Hartmann. Deutlich aufgezeigt werden konnte der problematische Zustand von Melanchthonhaus und Melanchthonkirche: Beide Gebäude bewegen sich auf dem sandigen Untergrund, was an zahlreichen Schäden sichtbar ist. So ist für den Erhalt der Statik eine stützende Holzkonstruktion in einem Raum im Gemeindehausuntergeschoss erforderlich. „Das Gemeindehaus kann zu jedem Zeitpunkt geschlossen werden müssen“, so Hartmann. Die Statik der Kirche wird alle sechs Monate geprüft, die des Gemeindehauses im Dreimonatsrhythmus. An beiden Gebäuden sind Rissmonitore angebracht. Beide Gebäude sind energetisch und was die Haustechnik betrifft, nicht mehr zeitgemäß. Für beide Gebäude stehen Veränderungen an.

14 Sitzungen seit September 2016, intensive Beratungen beider Ältestenkreise über Raumbedarf und Konzept in der Neckarstadt, die Entwicklung mehrerer Szenarien und letztendlich die Bitte um Entscheidung durch den Stadtkirchenrat waren dem Info-Abend vorausgegangen, wie Lars Friedrich berichtete, der den Prozess als Kirchenältester eng begleitet hatte. Der Stadtkirchenrat hatte in seiner März-Sitzung die Weichen gestellt für eine Machbarkeitsstudie. Die Bezirksgemeinde investiert dort 1 Millionen Euro, wobei die Erlöse von Verkäufen in das Gesamtprojekt einfließen. Als nächster Schritt erfolgen bis Herbst 2020 eine Machbarkeitsstudie, Abstimmungen mit der Stadtplanung, der Baurechts- und der Denkmalschutzbehörde sowie Workshops mit der Gemeinde bevor bis Mitte 2022 ein Wettbewerbsverfahren folgt.

Neckarstadt-Ost: Neu und zeitgemäß gestalten

Auf dem Melanchthongelände blieben die Kita und das im Reihenhauskomplex in der Kinzigstraße befindliche Pfarrhaus unangetastet, so Hartmann. „Wir müssen uns entscheiden zwischen dem Gemeindezentrum und der Kirche. Wir haben uns für ein neues Kirchenzentrum entschieden.“ Dieses werde mit zeitgemäßer Fundamentsicherung am Standort des jetzigen Gemeindehauses errichtet. „Dieses Gebäude soll erlebbar als Kirche sein“, betont der Dekan. Die architektonisch reizvolle Aufgabe bestünde darin, den Raum so zu gestalten, dass er als Gottesdienstraum funktioniert und zugleich die akustischen Belange für die an Melanchthon starke Kirchenmusik erfülle. Ziel sei, funktional auf der Höhe der Zeit zu handeln, ästhetisch ansprechend, finanzierbar und damit für die nachfolgenden Generationen verantwortungsvoll zu gestalten, erläutert Hartmann. „Das Neue, das wir hier gestalten können, ist eine echte Chance.“ In den Neubau sollen die Orgel und weitestmöglich auch die wertvollen Schreiter-Fenster integriert werden. Die Melanchthonkirche werde aufgegeben und mit einem Geländeanteil verantwortungsvoll veräußert. Es sei noch verfrüht, über die konkrete künftige Nutzung zu sprechen, da sie auch mit der Stadtteilentwicklung zusammenhänge, so Hartmann. Viel läge ihm daran, so Hartmann, den Kirchturm zu erhalten. Die Reaktionen der Gäste reichten von „eine Kirche aufgeben geht gar nicht“ bis zu, mit Blick auf die energetische Situation der Gebäude, deutliche Zustimmung: „Ich warte schon lange darauf, dass hier ein Schlussstrich gezogen wird und endlich etwas Neues entsteht.“

Neckarstadtgemeinde: Einladung zum konstruktiven Weiterdenken

Es schmerze, eine Kirche abzugeben, führte Pfarrer Peter Geißert für den an Melanchthon wirkenden Ältestenkreis aus. Kirchen seien identitätsstiftend. Mit ihnen sei Gemeindegeschichte sowie biografische Erinnerungen und Emotionen verbunden. Dies gelte besonders für die Melanchthonkirche, der sich viele Menschen auch durch ideelles und finanzielles Engagement verbunden wissen. Der Logik des Stadtkirchenrats, „dass die Kirche veräußert werden muss, um die finanzielle Grundlage für einen Neubau zu legen“, wolle der Ältestenkreis nicht folgen. Für ihn zählten andere Kriterien für das Konzept eines Kirchenzentrums: Die „starke, wichtige und qualitativ hochwertige Kirchenmusik“ müsse „ohne Wenn und Aber“ erhalten bleiben: Dazu brauche sie für Proben und Aufführungen ausreichend große Räume mit guter Akustik. Zudem ermögliche die Variante eines Kirchenzentrums ein ebenerdig zugängliches und empfangsfreundliches Gemeindebüro. Im Neubau könne der Raum außerdem so gestaltet sein, dass Eltern mit kleinen Kindern sich beim Gottesdienstbesuch nicht als störend empfänden. Zudem wäre ein Neubau unter energetischen Gesichtspunkten und im Sinne der „Verantwortung für die Schöpfung“ sinnvoller als das derzeitige im Heizen zweier großer Räume an wechselnden Tagen. „Wir laden ein, sich auf dieses Konzept gedanklich einzulassen und es im Rahmen der geplanten Beteiligungsmöglichkeiten konstruktiv weiterzudenken“, betonte Geißert. Der Ältestenkreis begrüße eine Machbarkeitsstudie, die die Zusammenlegung der Gemeinderaumflächen und des Sakralraums prüfe. Wichtig sei, ob das Konzept unter funktionalen und vor allem unter theologisch-sakralen Gesichtspunkten realisierbar sei.

Aufwertung der Neckarstadt-West

An Paul-Gerhardt, prominent am Neuen Meßplatz gelegen, optimal an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen und weithin sichtbar, werden Pfarrhaus und eine umgebende Geländefläche verkauft. Für Andreas Botsch vom Ältestenkreis ist dieses Opfer „nur recht und billig“. Die Paul-Gerhardt-Kirche und das Gemeindehaus werden saniert, wobei das Gemeindehaus einer Fremdnutzung zugeführt werde, die sich mit dem Gesamtkonzept vertrage, wie Dekan Hartmann darlegte. Denkbar wäre eine diakonische Nutzung oder die Integration einer Kita. Vor der Paul-Gerhardt-Kirche könne ein öffentlich genutzter Platz eventuell mit Cafe entstehen. Hier, so Hartmann, sei er in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung und deren Planungen zur Aufwertung der Neckarstadt-West.

Gesamtkonzeption Neckarstadt

In Mannheims größtem Stadtteil leben insgesamt rund 8.300 evangelische Gemeindemitglieder. Für sie sind ist die ab dem 1.7.2019 zu einer Gemeinde fusionierten bisherigen zwei Gemeinden an insgesamt vier profilierten Standorten da: An der Paul-Gerhardt-Kirche mit einem missionarischen Profil, an der Diakoniekirche Luther mit einem stark diakonischen Angebot, in Wohlgelegen mit einem Gemeinderaum und an Melanchthon mit einem familienorientierten Angebot und der hochkarätigen Kirchenmusik. „Wir wollen öffentliche Kirche und sichtbar sein“. Die denkmalgeschützte Lutherkirche an der Jungbuschbrücke und Paul-Gerhardt-Kirche am Neuen Meßplatz sind weithin sichtbar. Gleiches wird das neue Kirchenzentrum in der Langen-Rötterstraße sein.

Hintergrund: Kirchliche Gebäude in der Bezirksgemeinde Mannheim: Zu viele, zu groß, zu teuer

Auch der Stadtkirchenbezirk Mannheim muss seinen Gebäudebestand in den Gemeinden nach Vorgabe des landeskirchlichen Liegenschaftsprojekts der demographischen und finanziellen Entwicklung anpassen. Die Entwicklung der Mitgliederzahl in Mannheim von rund 160.000 in den 1960er Jahren auf rund 70.000 in den 2010er Jahren hat Folgen. Die Gebäude, betonte Patrik Eichhorn, Leiter der Bau und Liegenschaften, seinen zu viele, zu groß, zu alt, im Unterhalt zu teuer und sie entsprächen nicht mehr den heutigen Erfordernissen. Im Rahmen des landeskirchlichen Liegenschaftsprozesses muss Mannheim seine Gemeindehausflächen von ehemals 23.000 Quadratmeter auf 9.000 reduzieren. So viele stehen dem Stadtkirchenbezirk entsprechend der Mitgliederzahl zu. Aktuell ist die Gesamtfläche auf 14.000 Quadratmeter reduziert. Den Beginn machte die multifunktional umgestaltete Philippuskirche in Käfertal im Jahr 2008 als landeskirchliches Pilotprojekt. Weitere Umbaumaßnahmen beispielsweise in der Martinskirche in Rheinau sind bereits erfolgt. Auch in anderen Mannheimer Gemeinden werden die Flächen durch Baumaßnahmen reduziert. In der ab 1.7.2019 fusionierten Evangelischen Gemeinde in der Neckarstadt müssen rund 880 Quadratmeter reduziert werden. Der Gemeinde kommt zugute, dass die Berechnung aus dem Jahr 2014 stammt, als es in der Neckarstadt West und Ost sowie Wohlgelegen noch rund 800 Mitglieder mehr gab als heute (rund 8.300).

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