Cinema Quadrat feiert vom 8. bis 10. Oktober sein 55-jähriges Bestehen. Das Kino für aktuelle und klassische Filmkunst hat eine lange und wechselreiche Geschichte. Fünf Spielstätten, acht Geschäftsführer und jede Menge Skandale gehören dazu. Das Filmprogramm von Cinema Quadrat war insbesondere Mitte der 1970er-Jahre im Studio im Werkhaus gegenüber dem Nationaltheater vielfach politisch geprägt. Dazu zählt auch Helma Sanders-Brahms‘ Film „Unter dem Pflaster ist der Strand“.
Der Cinema Quadrat Programmausschuss in den 1970ern | Foto: Michael Schwartzkopff
Auch Frauen und ihre Lebenswirklichkeit waren damals Thema bei Cinema Quadrat. Der Mannheimer Morgen schrieb am 3. Juni 1975 unter der Überschrift „Frauenfilme nicht nur für Frauen“ über ein Frauenfilm-Seminar des Kinos. Vier Themen sollten im Mittelpunkt stehen: Frauen in der Arbeitswelt, Frauen und der Paragraf 218, Frauen in den Medien sowie Frauen und Rollenverhalten. Bei der Auswahl der Filme wirkten laut Mannheimer Morgen Mitglieder des Frauenzentrums Mannheim und mehrere Frauengruppen mit.
Unter dem Pflaster ist der Strand
„Unter dem Pflaster ist der Strand“ entstand 1975 in einer von globalen Krisen und politischen Umbrüchen geprägten Zeit. Der Filmtitel geht auf den Pariser Wandslogan „Sous les pavés, la plage!“ zurück. „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ war einer der bekanntesten Sprüche der französischen Studentenrevolte vom Mai 1968. Er drückte die Sehnsucht der 68er-Bewegung aus. Es ging nicht nur um politische Reformen, sondern auch um eine radikale Veränderung des Lebensgefühls. Um die Frage: Wie wollen wir leben?
Die Hauptfiguren Grischa und Heinrich in „Unter dem Pflaster ist der Strand“ | Quelle: Cinema Quadrat
Die beiden Hauptfiguren Grischa und Heinrich sind Theaterschauspieler an der Berliner Schaubühne. Sie proben dort für die antike Tragödie „Die Troerinnen“ von Euripides. Die reale Inszenierung unter der Regie von Peter Stein aus dem Jahr 1974 bildet den Rahmen und Ausgangspunkt für Sanders-Brahms‘ Film. Sie schrieb das Drehbuch, übernahm die Produktion und führte Regie. Die Kamera bleibt nah an den beiden Hauptdarstellern, ihren Gesichtern und ihren Körpern. Sanders-Brahms montiert Aufnahmen von Demonstrationen und Interviews in die Spielfilmszenen. Die Langsamkeit im Film ist heute ein Anachronismus. Sein Transportmittel ist die Poesie, nicht die Agitation. Der Film gilt als Kultfilm der deutschen Frauenbewegung. Grischa Huber und Heinrich Giskes erhielten für ihr Spiel den Bundesfilmpreis in Gold. Die Premiere fand am 6. März 1975 im Kino Arsenal in Berlin statt.
Mannheimer Utopien der 1970er-Jahre
Und was tummelte sich damals in Mannheim und Heidelberg an idealistischen Utopien? Dem geht die in dieser Zeit entstandene Sound-Fotodokumentation „12 Träume von ’77“ nach. Von der ökologischen Landkommune über kämpferische Fraueninitiativen bis zum fernöstlich orientierten Makrobiotiker und enthusiastischen Kinokis. Zu sehen sind auch das Kommunale Kino, der Frauenbuchladen Heidelberg und die Arbeitslosenselbsthilfe Mannheim. Menschen aus dieser Szene kommen selbst zu Wort und formulieren ihre Wünsche und Utopien.
Conny und Rufus – Aus der Sound-Fotodokumentation „12 Träume von ’77“ | Foto: Elvira Richter
Tristan – Aus der Sound-Fotodokumentation „12 Träume von ’77“ | Foto: Elvira Richter
Der andere Buchladen in M 2, 6 – Aus der Sound-Fotodokumentation „12 Träume von ’77“ | Foto: Elvira Richter
Ich war damals Kunststudentin. Wohnte im Bayrisch Zell. Jobbte als Platzanweiserin. Vom Kunststudium versprach ich mir grenzenlose Freiheit. Vom Bayrisch Zell billigen Wohnraum. Und vom Cash-Job im Plankenkino, Herr beziehungsweise Frau meiner monatlichen Fixkosten zu werden. Der billige Wohnraum entpuppte sich als Laboratorium für psychotrope Substanzen. Die durchgeführten ordnungsbehördlichen Razzien als freiheitsbedrohlich. Das Non-Stopp-Nachmittagsprogramm für Qualitätspornos „Lass es jucken, Kumpel“ in voller Länge als spannungsarm. War das nicht erst gestern? Die 70er! Als alles begann. Man, ohne dass man es wusste, Teil der Geschichte wurde. Ein Blick zurück ganz ohne Zorn, aber natürlich mit Nostalgie. Bis heute kann ich Slogans wie Bibelsprüche oder Popsongs herbeten.
Selbstbestimmung und Selbstverwaltung
Meine Anfänge lagen 1973 in den Quadraten. Im Jugendzentrum, kurz JUZ, in O4, Hausnummer 8. Eröffnung war am 1. Mai 1973 im damaligen Gewerkschaftshaus. Sein Konzept: basisdemokratische Selbstverwaltung und Unabhängigkeit von staatlicher Bevormundung. In der Fensterfront stand plakativ in fetten Lettern „Engelhorn & Wurm“. Auf der Straße skandierten Jugendliche „Zürich brennt, Mannheim pennt“. Dass die Stadt über lautstarke Demos mit Slogans à la „Haut den Hahn, den alten Gockel, runter vom Ministersockel“ nicht amüsiert war, zeigt sich 1990. Damals veräußerte sie das JUZ an das Kaufhaus vis-à-vis, eben jenes Engelhorn & Co. Wilhelm Hahn von der CDU war von 1964 bis 1978 dienstältester Kultusminister von Baden-Württemberg. Der Deal machte dem JUZ und seinem Anarchismus verströmenden Treiben ein Ende. Die City gehörte wieder dem Konsumenten.
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Selbstbestimmung und Selbstverwaltung waren auch die Passwörter der Aktivistinnen. Das erste beschreibt das grundsätzliche Recht und die Freiheit, das zweite das, was das JUZ praktizierte. Neben dem Kunststudium war ich Anfang der 70er-Jahre als Mitstreiterin des Mannheimer Frauenzentrums Neckarstadt-West unterwegs. Neben der Theoriegruppe Feminismus und Ökologie interessierte mich vor allem, logischerweise mit Anfang 20, die Selbsterfahrungsgruppe. Das „Wo geht’s lang?“. Meine Sympathien tendierten nach links.
Das Private ist politisch
Die Polizei nahm bei einer Demo auf dem Paradeplatz Elviras Personalien auf | Foto: privat
Inzwischen war ich AStA-Vorsitzende meiner Kunstakademie. Die zeitraubende Phase der Orientierung, mich in einer politischen Gruppierung zu formieren, war fehlgeschlagen. Marxisten-Leninisten, Trotzkisten, Maoisten, Spartakisten und daneben die undogmatischen Spontis lieferten sich ihre Debatten. Unter den Revolutionstheoretikern der K-Gruppen galt der Slogan „Auch das Private ist politisch“ als kontrarevolutionär. Viele Frauen distanzierten sich von den männlich dominierten Debattierclubs.
Ihr Vorwurf an die Genossen: Sie, die sich als revolutionär und gesellschaftskritisch verstanden, würden die Unterdrückung von Frauen in ihren eigenen Reihen ignorieren. Sie wären somit ein Spiegelbild gesamtgesellschaftlicher Verhältnisse. Helke Sander formulierte diese Kritik bei der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. WUMM. Das saß wie der dortige Tomatenwurf.
Frauen fordern eigene Räume
Ab Anfang der 1970er-Jahre machten Frauen mit lauten Demonstrationen durch die Mannheimer Innenstadt und über die Planken auf sich aufmerksam. „Frauen hört ihr Frauen schrein, lasst die Andere nicht allein“, lautete eine ihrer Parolen. Sie forderten autonome Frauenräume und thematisierten Gewalt gegen Frauen in den eigenen vier Wänden. Diffamierungen und verbale Anfeindungen von Gemeinderäten waren die Folge.
Dennoch brachte die junge Stadträtin Inge Nikitopoulos 1977 einen offiziellen Antrag zur Einrichtung eines Frauenhauses ein. Schließlich bewilligte der Gemeinderat die Gelder und stellte ein Gebäude zur Verfügung. Erst 1981 konnte das autonome und selbstverwaltete Frauenhaus eröffnet werden.
Zwölf Träume von 1977
Petra vor dem Frauenzentrum in der Neckarstadt-West | Foto: Elvira Richter
Die Fotodokumentation „12 Träume von ’77“ bringt einige dieser Menschen, Orte und Ideen zurück. Dazu gehört das Frauenzentrum in der Neckarstadt-West. Anfang der 70er war die Riedfeldstraße 23 der Szenetreff für die aktive Frauenbewegung. Selbstverwaltet und autonom. Die Frauen organisierten sich in Arbeitsgruppen, die gesellschaftliche Themen mit Theorie und Praxis verknüpften. Wichtiges Kommunikationsorgan war die gemeinsam gestaltete „Frauenzeitung“. Thema: „Wie wollen wir mit unsrem Emanzipationsanspruch leben?“
Andere Bilder erzählen von persönlichen Lebensentwürfen. 1977 wohnte ich in der Holzbauerstraße. Tristan hatte sein Weiß in Weiß drapiertes Einbettzimmer in der Schimperstraße. In „12 Träume von ’77“ wird er als Kunststudent in Mannheim vorgestellt. Nach seinen Utopien gefragt, sagt er: „Ich will mehr Freiheit für mich, indem ich sie mir nehme …“ Später wurde er Kunstprofessor in Weißensee in Berlin. Rufus und Conny wohnten damals in einer Dachmansarde in der Lortzingstraße. Die Fotodokumentation stellt sie als Informatik- und Sozialpädagogikstudenten vor. Ihr Statement beginnt: „Weg mit dem Macht- und Konkurrenzstreben und dem Daumen von oben …“ Conny leitete später den städtischen Kindergarten Erlenhof. Dieser entwickelte gemeinsam mit der Universität Heidelberg ein pädagogisches Sprachmodell für Kindergartenkinder.
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Cinema Quadrat wird 55 Jahre alt. Der Blick zurück führt zu Frauenfilmen, politischen Utopien und Mannheims Frauenbewegung der 1970er-Jahre.
Cinema Quadrat feiert vom 8. bis 10. Oktober sein 55-jähriges Bestehen. Das Kino für aktuelle und klassische Filmkunst hat eine lange und wechselreiche Geschichte. Fünf Spielstätten, acht Geschäftsführer und jede Menge Skandale gehören dazu. Das Filmprogramm von Cinema Quadrat war insbesondere Mitte der 1970er-Jahre im Studio im Werkhaus gegenüber dem Nationaltheater vielfach politisch geprägt. Dazu zählt auch Helma Sanders-Brahms‘ Film „Unter dem Pflaster ist der Strand“.
Auch Frauen und ihre Lebenswirklichkeit waren damals Thema bei Cinema Quadrat. Der Mannheimer Morgen schrieb am 3. Juni 1975 unter der Überschrift „Frauenfilme nicht nur für Frauen“ über ein Frauenfilm-Seminar des Kinos. Vier Themen sollten im Mittelpunkt stehen: Frauen in der Arbeitswelt, Frauen und der Paragraf 218, Frauen in den Medien sowie Frauen und Rollenverhalten. Bei der Auswahl der Filme wirkten laut Mannheimer Morgen Mitglieder des Frauenzentrums Mannheim und mehrere Frauengruppen mit.
Unter dem Pflaster ist der Strand
„Unter dem Pflaster ist der Strand“ entstand 1975 in einer von globalen Krisen und politischen Umbrüchen geprägten Zeit. Der Filmtitel geht auf den Pariser Wandslogan „Sous les pavés, la plage!“ zurück. „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ war einer der bekanntesten Sprüche der französischen Studentenrevolte vom Mai 1968. Er drückte die Sehnsucht der 68er-Bewegung aus. Es ging nicht nur um politische Reformen, sondern auch um eine radikale Veränderung des Lebensgefühls. Um die Frage: Wie wollen wir leben?
Die beiden Hauptfiguren Grischa und Heinrich sind Theaterschauspieler an der Berliner Schaubühne. Sie proben dort für die antike Tragödie „Die Troerinnen“ von Euripides. Die reale Inszenierung unter der Regie von Peter Stein aus dem Jahr 1974 bildet den Rahmen und Ausgangspunkt für Sanders-Brahms‘ Film. Sie schrieb das Drehbuch, übernahm die Produktion und führte Regie. Die Kamera bleibt nah an den beiden Hauptdarstellern, ihren Gesichtern und ihren Körpern. Sanders-Brahms montiert Aufnahmen von Demonstrationen und Interviews in die Spielfilmszenen. Die Langsamkeit im Film ist heute ein Anachronismus. Sein Transportmittel ist die Poesie, nicht die Agitation. Der Film gilt als Kultfilm der deutschen Frauenbewegung. Grischa Huber und Heinrich Giskes erhielten für ihr Spiel den Bundesfilmpreis in Gold. Die Premiere fand am 6. März 1975 im Kino Arsenal in Berlin statt.
Mannheimer Utopien der 1970er-Jahre
Und was tummelte sich damals in Mannheim und Heidelberg an idealistischen Utopien? Dem geht die in dieser Zeit entstandene Sound-Fotodokumentation „12 Träume von ’77“ nach. Von der ökologischen Landkommune über kämpferische Fraueninitiativen bis zum fernöstlich orientierten Makrobiotiker und enthusiastischen Kinokis. Zu sehen sind auch das Kommunale Kino, der Frauenbuchladen Heidelberg und die Arbeitslosenselbsthilfe Mannheim. Menschen aus dieser Szene kommen selbst zu Wort und formulieren ihre Wünsche und Utopien.
Ich war damals Kunststudentin. Wohnte im Bayrisch Zell. Jobbte als Platzanweiserin. Vom Kunststudium versprach ich mir grenzenlose Freiheit. Vom Bayrisch Zell billigen Wohnraum. Und vom Cash-Job im Plankenkino, Herr beziehungsweise Frau meiner monatlichen Fixkosten zu werden. Der billige Wohnraum entpuppte sich als Laboratorium für psychotrope Substanzen. Die durchgeführten ordnungsbehördlichen Razzien als freiheitsbedrohlich. Das Non-Stopp-Nachmittagsprogramm für Qualitätspornos „Lass es jucken, Kumpel“ in voller Länge als spannungsarm. War das nicht erst gestern? Die 70er! Als alles begann. Man, ohne dass man es wusste, Teil der Geschichte wurde. Ein Blick zurück ganz ohne Zorn, aber natürlich mit Nostalgie. Bis heute kann ich Slogans wie Bibelsprüche oder Popsongs herbeten.
Selbstbestimmung und Selbstverwaltung
Meine Anfänge lagen 1973 in den Quadraten. Im Jugendzentrum, kurz JUZ, in O4, Hausnummer 8. Eröffnung war am 1. Mai 1973 im damaligen Gewerkschaftshaus. Sein Konzept: basisdemokratische Selbstverwaltung und Unabhängigkeit von staatlicher Bevormundung. In der Fensterfront stand plakativ in fetten Lettern „Engelhorn & Wurm“. Auf der Straße skandierten Jugendliche „Zürich brennt, Mannheim pennt“. Dass die Stadt über lautstarke Demos mit Slogans à la „Haut den Hahn, den alten Gockel, runter vom Ministersockel“ nicht amüsiert war, zeigt sich 1990. Damals veräußerte sie das JUZ an das Kaufhaus vis-à-vis, eben jenes Engelhorn & Co. Wilhelm Hahn von der CDU war von 1964 bis 1978 dienstältester Kultusminister von Baden-Württemberg. Der Deal machte dem JUZ und seinem Anarchismus verströmenden Treiben ein Ende. Die City gehörte wieder dem Konsumenten.
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Selbstbestimmung und Selbstverwaltung waren auch die Passwörter der Aktivistinnen. Das erste beschreibt das grundsätzliche Recht und die Freiheit, das zweite das, was das JUZ praktizierte. Neben dem Kunststudium war ich Anfang der 70er-Jahre als Mitstreiterin des Mannheimer Frauenzentrums Neckarstadt-West unterwegs. Neben der Theoriegruppe Feminismus und Ökologie interessierte mich vor allem, logischerweise mit Anfang 20, die Selbsterfahrungsgruppe. Das „Wo geht’s lang?“. Meine Sympathien tendierten nach links.
Das Private ist politisch
Inzwischen war ich AStA-Vorsitzende meiner Kunstakademie. Die zeitraubende Phase der Orientierung, mich in einer politischen Gruppierung zu formieren, war fehlgeschlagen. Marxisten-Leninisten, Trotzkisten, Maoisten, Spartakisten und daneben die undogmatischen Spontis lieferten sich ihre Debatten. Unter den Revolutionstheoretikern der K-Gruppen galt der Slogan „Auch das Private ist politisch“ als kontrarevolutionär. Viele Frauen distanzierten sich von den männlich dominierten Debattierclubs.
Ihr Vorwurf an die Genossen: Sie, die sich als revolutionär und gesellschaftskritisch verstanden, würden die Unterdrückung von Frauen in ihren eigenen Reihen ignorieren. Sie wären somit ein Spiegelbild gesamtgesellschaftlicher Verhältnisse. Helke Sander formulierte diese Kritik bei der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. WUMM. Das saß wie der dortige Tomatenwurf.
Frauen fordern eigene Räume
Ab Anfang der 1970er-Jahre machten Frauen mit lauten Demonstrationen durch die Mannheimer Innenstadt und über die Planken auf sich aufmerksam. „Frauen hört ihr Frauen schrein, lasst die Andere nicht allein“, lautete eine ihrer Parolen. Sie forderten autonome Frauenräume und thematisierten Gewalt gegen Frauen in den eigenen vier Wänden. Diffamierungen und verbale Anfeindungen von Gemeinderäten waren die Folge.
Dennoch brachte die junge Stadträtin Inge Nikitopoulos 1977 einen offiziellen Antrag zur Einrichtung eines Frauenhauses ein. Schließlich bewilligte der Gemeinderat die Gelder und stellte ein Gebäude zur Verfügung. Erst 1981 konnte das autonome und selbstverwaltete Frauenhaus eröffnet werden.
Zwölf Träume von 1977
Die Fotodokumentation „12 Träume von ’77“ bringt einige dieser Menschen, Orte und Ideen zurück. Dazu gehört das Frauenzentrum in der Neckarstadt-West. Anfang der 70er war die Riedfeldstraße 23 der Szenetreff für die aktive Frauenbewegung. Selbstverwaltet und autonom. Die Frauen organisierten sich in Arbeitsgruppen, die gesellschaftliche Themen mit Theorie und Praxis verknüpften. Wichtiges Kommunikationsorgan war die gemeinsam gestaltete „Frauenzeitung“. Thema: „Wie wollen wir mit unsrem Emanzipationsanspruch leben?“
Andere Bilder erzählen von persönlichen Lebensentwürfen. 1977 wohnte ich in der Holzbauerstraße. Tristan hatte sein Weiß in Weiß drapiertes Einbettzimmer in der Schimperstraße. In „12 Träume von ’77“ wird er als Kunststudent in Mannheim vorgestellt. Nach seinen Utopien gefragt, sagt er: „Ich will mehr Freiheit für mich, indem ich sie mir nehme …“ Später wurde er Kunstprofessor in Weißensee in Berlin. Rufus und Conny wohnten damals in einer Dachmansarde in der Lortzingstraße. Die Fotodokumentation stellt sie als Informatik- und Sozialpädagogikstudenten vor. Ihr Statement beginnt: „Weg mit dem Macht- und Konkurrenzstreben und dem Daumen von oben …“ Conny leitete später den städtischen Kindergarten Erlenhof. Dieser entwickelte gemeinsam mit der Universität Heidelberg ein pädagogisches Sprachmodell für Kindergartenkinder.
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