Margaret Bourke-White bei der Arbeit auf dem Chrysler Building in New York. Das Foto wurde zu einem ihrer bekanntesten Selbstporträts | Copyright:
Oscar Graubner
Ein Filmabend im Cinema Quadrat erinnert an drei Kriegsberichterstatterinnen, die das Grauen des Zweiten Weltkriegs dokumentierten.
Der Film „Drei Frauen – Ein Krieg“ der Schweizer Dokumentarfilmerin Luzia Schmid lief am 21. Mai im Cinema Quadrat. Die Einführung übernahm Prof. Dr. Claude W. Sui. Er war seit 2002 verantwortlich für den Aufbau des Forums Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen (rem). Nach mehr als zwei Jahrzehnten an den rem verabschiedet er sich in den Ruhestand.
Das Filmplakat zu „Drei Frauen – Ein Krieg“ von Luzia Schmid | Copyright: EIKON Media
Der Film porträtiert die Kriegsberichterstatterinnen Margarete Bourke-White, Martha Gellhorn und Lee Miller. Er zeigt, wie der Zweite Weltkrieg als erster moderner Medienkrieg durch Fotografie, Film und Radio dokumentiert und propagandistisch begleitet wurde. Zugleich dokumentiert er die Arbeit von drei Frauen, die gegen Widerstände direkt aus den Kriegsgebieten berichteten.
„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“
Es war Claude W. Sui, der diesen Satz nach dem Film „Drei Frauen – Ein Krieg“ in die Runde warf. Ein Satz von Ingeborg Bachmann. Kurz und klar: Subjekt, Prädikat, Objekt. Das Adjektiv „zumutbar“ drückt aus, dass Wahrheit dem Menschen zugemutet werden kann oder muss.
Ingeborg Bachmann zielte auf die Gewalt in der Sprache ab, in den Strukturen einer Gesellschaft und ja – in den privaten Beziehungen. Bachmanns prägnanter Satz klang wie eine Kampfansage, an das, was man vergessen wollte: Den unseligen Zweiten Weltkrieg. Der sollte verdrängt oder besser gleich totgeschwiegen werden. Gerade von jenen Deutschtümmlern in den Nachkriegsjahren, die das „Wollt ihr den totalen Krieg“ mit einem Sturm der Begeisterung bejaht hatten. Pech, dass der Totgesagte nach wie vor wie ein Untoter herumgeistert.
Luzia Schmids Film über drei Kriegsberichterstatterinnen lebt von Archivmaterial, Briefen, Tagebucheinträgen und historischen Aufnahmen, die die Zerschlagung europäischer Demokratien mit Bildmaterial dokumentieren. Drei Protagonistinnen, die den Mut aufbrachten, direkt vom Frontgeschehen zu berichten, um den Krieg der Alliierten gegen die Nationalsozialisten mit der Kamera festzuhalten.
Margaret Bourke-White mit ihrer Ausrüstung. Für ihre Reportagen reiste sie in Krisengebiete auf mehreren Kontinenten | Copyright: Getty Images
Margarete Bourke-White
Margarete Bourke-White (1904-1971), New Yorkerin, begann ihre Karriere 1927 in Cleveland als Architektur- und Industriefotografin (berühmtes Foto, sie sitzt auf einem Wasserspeier hoch über den Dächern von NYC und fotografiert die Skyline). Als Tochter eines Ingenieurs polnisch-jüdischer Herkunft und einer irisch-protestantischen Mutter in Sachen Chancengleichheit erzogen, drang sie früh in die Männerdomäne Fotografie vor. Was nach abgebrochenem naturwissenschaftlichem Studium als Amateurismus in Fotografie begann, endete mit Auftragsarbeiten für die Zeitschrift Life, wo sie als einzige Frau im Mitarbeiterstab im Auslandseinsatz fungierte. Bourke-Whites dokumentarischer Blick für das Wesentliche belegt das Überleben in einer Zeit, der der moralische Kompass abhandenkam.
Bilder aus Buchenwald
Ihr Foto „Die lebenden Toten von Buchenwald“ ging um die Welt. Die Aufnahmen zeigen bis aufs Skelett abgemagerte Menschen in KZ-Kleidung und wohl ausstaffierte Bürger*innen Weimars. Die Anordnung des US-Generals S. Patton, das Konzentrationslager besuchen zu müssen, empfanden Weimars Bürger*innen als inakzeptabel und nicht zumutbar. Bourke-Whites Bilder veranschaulichen Ohnmachtsanfälle und demonstratives Wegschauen ebenso wie Unfassbarkeit angesichts des präsentierten skandalösen Horrorkabinetts. 1946 erschien „Dear Fatherland, Rest Quietly“. Es diente dem Nürnberger Chefankläger als Beweismaterial.
Margaret Bourke-White beschriftet während des Zweiten Weltkriegs eine Bombe | Copyright: Getty Images
Mit der Kamera durch die Krisen der Welt
Später dokumentierte sie die Teilung Indiens. Eines ihrer prominentesten Bilder ist „Gandhi“, auf dem er mit Spinnrad abgebildet ist. Sei es das Apartheid-Regime in Südafrika, der Koreakrieg oder Stalins UdSSR, White reiste stets mit Formatkamera und großem Foto-Equipment zu den krisengeschüttelten Regionen dieser Welt. Auf Bourke-White traf das englische Idiom zu: „In the right place at the right time.“
Sie ging zweimal eine Ehe ein. Von 1924-1926 mit dem Ingenieur E. Chapman und von 1939 bis 1942 mit dem Schriftsteller E. Caldwell. Selbstständig und selbstbewusst sah sie sich allein der Wahrheit verpflichtet und fand berufliche Erfüllung in ihrem Job. Dass sie sich als politische Fotografin verstand, entsprach den Werten ihrer Mutter, einer vehementen Feministin. Ein Hausfrauendasein stand nicht auf Margarete Bourke-Whites Lebens-Agenda. Sie war ein Workaholic.
Luftabwehr über dem Kreml in Moskau am 26. Juli 1941. Bourke-White dokumentierte den Krieg auch in der Sowjetunion | Copyright: Margaret Bourke White, Shutterstock, Life-Collection
Margaret Bourke-White während eines Auftrags auf der Carswell Air Force Base | Copyright: Shutterstock, Life-Collection
Krankheit und Rückzug
1953 zeigten sich die ersten Symptome von Parkinson. Mitte der 1950er Jahre konnte sie keine Aufträge von Life mehr annehmen. Die Zeit bis zu ihrem Tod verbrachte sie mit autobiographischem Schreiben, für das sie 1963 den Achievement Award der Zeitschrift US Camera erhielt.
Martha Gellhorn im Porträt | Copyright: John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Hemingway Collection
Martha Gellhorn
Martha Gellhorn war eine US-amerikanische Journalistin und wurde vor allem durch ihre vielfach publizierten Kriegsreportagen bekannt. Geboren wurde sie 1908 in St. Louis im Bundesstaat Missouri, gestorben ist sie 1998 in London. Ihre Mutter war Suffragistin, ihr Vater ein in Deutschland geborener Gynäkologe. Vater und Großvater mütterlicherseits waren Juden, ihre Großmutter mütterlicherseits stammte aus einer protestantischen Familie. Soweit gleicht die biologische Linie ihrer Vorfahren der Margarete Bourke-Whites. Auch Gellhorn brach das College ab, um eine Karriere als Journalistin zu verfolgen.
Reportagen aus der Großen Depression
Nach verschiedenen beruflichen Stationen in Europa kehrte sie in die Vereinigten Staaten zurück, tat sich mit der Fotografin Dorothea Lange zusammen und berichtete, nach dem New Yorker Börsencrash 1929, über die Great Depression. Sie reisten durch das Land. Lange fotografierte, Gellhorn schrieb. Einziges Equipment: eine portable Reiseschreibmaschine.
Martha Gellhorn beim Lesen und Arbeiten | Copyright: Erich Smallwood, Idaho (USA)
Gellhorns Reportagen und die Portraits Dorothea Langes berichten ungeschminkt über prekäre, schlecht bezahlte Lohnarbeiter und in den Ruin getriebene Farmer, die zu Wanderarbeitern wurden. Für Hunderttausende, die während der 1930er-Jahre über die Route 66 nach Kalifornien zogen, erwies sich der Traum von einem besseren Leben als fatale Illusion. Der California Dream entpuppte sich als nicht enden wollender Alptraum: Armut, Ausbeutung und soziale Ausgrenzung warteten auf die Migranten.
Spanien verändert alles
Fängt man an zu recherchieren, stößt man fast sogleich auf den Namen Hemingway, den sie 1936 in Florida in einer Bar kennenlernte. Beauftragt von Collier’s Weekly, über den spanischen Bürgerkrieg zu berichten, gingen sie zusammen nach Spanien. Madrid beantwortete Gellhorns Frage: Wie viel Grauen muss man miterleben, bevor man das Recht hat, darüber zu schreiben? Madrid bot die Anleitung, die notwendig war.
Ausschnitt aus Martha Gellhorns Reportage „Cracking the Gothic Line“ | Copyright: Martha Gellhorn, EIKON Media
Luzia Schmids Film zeigt das, was Gellhorn, über die psychische Verfassung im und nach dem Kriegsgeschehen befragt, mit „Bombardierung und Alltag in der selben Stunde“ meint. Schmids bisweilen montiertes Farbmaterial erschreckt, erscheint wie ein Fremdkörper zwischen ansonsten vorherrschenden schwarz-weiß aufeinanderfolgenden Bildern, die dem Grauen etwas Nosferatu-artiges, Unwirkliches verleihen. Das Sounddesign von Holger Buff, die Mischung aus Tönen, Geräuschen und Musik tut ein Übriges: Glas klirrt, Metall kreischt, Gewehrfeuer rattert und immer wieder glaubt man das Brummen der Jagdflugzeuge zu hören. Bombenträger mit tödlicher Fracht unter dem Rumpf und Filmanfangsszene: Widersinnig schön ziehen sie wie ein Schwarm Vögel pfeilförmig ausgerichtet über den wolkenverhangenen Himmel.
Nach Madrid war Gellhorns Glaube an den Journalismus vergiftet. Sie sei „müde im Kopf“. Doch Kuba und Hemingway, wo er eine Finca hatte, brachten nicht das ersehnte Genesen. Der Krieg im Privaten zermürbte. Tradwife zu spielen lag auch ihr fern. Geschweige denn „eine Fußnote im Leben eines anderen zu sein“. Sie verließ ihn, kehrte nach Europa zurück und nahm den Auftrag von Collier’s Weekly an, über die Landung der Alliierten in der Normandie zu berichten. Beim Landemanöver verloren 4000 US-amerikanische Soldaten ihr Leben. Dann kam die Befreiung von Paris, dann die am 8. Mai 1945 von Hitlerdeutschland mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. An diesem Tag hielt sich Martha in London auf. Wir sehen Farbaufnahmen von Zehntausenden auf dem Trafalgar Square feiernden Menschen. Und Gellhorns Frage steht im Raum: „Was nun?“
D-Day und Dachau
Martha Gellhorn mit Soldaten während des Zweiten Weltkriegs | Copyright: John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Hemingway Collection
US-Soldaten bei Monte Cassino im Jahr 1944 | Copyright: National Archives and Records Administration (NARA)
Gellhorn umging, wann immer sie auf Verbote stieß, Anordnungen. War die einzige Korrespondentin, die am 6. Juni 1944 am D-Day mit den alliierten Landetruppen landete. Wie sie auch zu den ersten Journalist*innen gehörte, die aus Dachau berichteten. Eines der ältesten Konzentrationslager, das politische Gegner der Nazi-Partei während zwölf Jahren seines Bestehens inhaftierte. Weit über 200.000 Menschen. Gellhorn wurde Zeugin dessen, was Menschen einander antun. Sie schrieb harte, unversöhnliche Sätze über die Deutschen, die mantraartig „Davon haben wir nicht gewusst“ herunterleierten. Nichts über Dachau. Nichts über die anderen 100 KZs. Dachau diente für all die späteren Konzentrationslager als Modell. Ein Ort des Grauens. Grauen, das zur Normalität geworden war.
Nächtliches Artilleriefeuer in den Apenninen im April 1945 | Copyright: Margaret Bourke White, Shutterstock, Life-Collection
Ein Leben im Schatten der Kriege
Geopolitik bestimmt auch fortan ihren Lebensweg. Das Lebensprinzip der Rastlosigkeit ihr Dasein. Vietnam, arabisch-israelische Konflikte, Bürgerkriege in Mittelamerika. Sie schrieb mit disziplinierter Entschlossenheit gegen jegliche Art von Terror an. Der Krieg war ihr Arbeitgeber und Heimat geworden.
Als ihr Sehvermögen versagte, zog sie sich aus dem Journalismus zurück. Tod durch Suizid lautete die Nachricht. Seit 1999 vergibt der Martha Gellhorn Trust einen Preis für engagierten Journalismus.
Lee Miller
Lee Miller, eigentlich Elizabeth Miller, kam 1907 in Poughkeepsie im US-Bundesstaat New York zur Welt. Sie starb 1977 in Chiddingly, in der Grafschaft East Sussex, im Vereinigten Königreich. Geboren in einer Kleinstadt indianischen Ursprungs, begraben in einem Dorf im Südosten Englands. Tochter eines Maschinenbauingenieurs und einer kanadischen Krankenschwester.
Kein gutes Startkapital für Berühmtheit. Doch das änderte sich, als sie 1926 nach New York City ging, um Bühnenbild zu studieren. Damit begann eine Verkettung von Ereignissen, die sie innerhalb kürzester Zeit zum Glamourgirl auf die Titelseite der Vogue katapultierte. Das kam so: Die Geistesgegenwart eines Passanten rettete sie in Manhattan davor, vor ein Auto zu laufen. Wunderbarerweise war der Retter zufällig der Verleger von Vanity Fair und Vogue: Lee Miller, das Supermodell war geboren.
Lee Miller in London 1941 mit sogenannten „Fire Masks“ | Copyright: Lee Miller Archives, England 2022
Gute zwanzig Jahre später saß sie in Hitlers Badewanne, als sich dieser in seinem Führerbunker in Berlin erschoss und Vorsicht halber noch eine Zyankalikapsel eingeworfen hatte. Die Aufnahme von ihrem Kollegen David Scherman avancierte zum ikonischen Foto. Sie grub sich in das kollektive Gedächtnis und schrieb Geschichte. Und doch wurde Miller schon bald nach Ende des Krieges vergessen.
Vom Model zur Fotografin
Aber erst einmal war sie berühmtes Fotomodell, arbeitete mit so renommierten Fotografen wie Edward Steichen, Arnold Genthe und George Hoyningen-Huene, wie Claude W. Sui in seinem Impulsvortrag ausführt. Steichens Empfehlung öffnete Miller die Türen zur Pariser Kunstszene: Man Ray, Picasso (schuf sechs Portraits von ihr), Paul Eluard und Nusch Eluard, Cocteau und Colette. Schloss sich den Surrealisten an und lernte bei Man Ray das fotografische Handwerk. War Assistentin und Lover. Wiederum kam ihr eines Tages in der Dunkelkammer der Zufall zu Hilfe. Ein Lichteinfall erzeugte eine Pseudosolarisation. Es folgten viele künstlerische Experimente. Bald schon etabliertes Mitglied im Surrealistenzirkel, trennte sie sich von Man Ray, ging 1932 nach New York zurück, heiratete einen Unternehmer, ließ sich wieder scheiden, begegnete ihrem zweiten Ehemann Penrose, zog, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, mit ihm nach England, wurde Mutter und arbeitete fortan für die amerikanische Ausgabe der Vogue als Modejournalistin.
Die alliierte Invasion Westeuropas | Copyright: National Archives and Records Administration (NARA)
Kriegsfotografin an der Front
Ihre erste Reportage als Kriegsberichterstatterin dokumentierte den Lazarettalltag von Krankenschwestern in der US-Armee. Ihr Motto: „Learning by doing“. Weitere Reportagen über OPs in improvisierten Feldlazaretten realisierte sie mit dem Fotografen David E. Scherman, der für Time-Life arbeitete. 1942 wurde sie offizielle Kriegskorrespondentin. Fotografierte bei der D-Day-Invasion und die Befreiung von Paris. Hielt mit ihrer Rolleiflex fest, wie Frauen, die mit dem Feind kollaboriert hatten, die Köpfe geschoren und durch die Straßen getrieben wurden.
Richtete in Buchenwald ihr Kameraauge auf die Leichenberge und Krematoriumsöfen. Nur die Kamera als Schutzschild zwischen sich und dem Elend. Sowohl die britische als auch die amerikanische Vogue publizierten Millers fotografierte und geschriebene Reportage über die Befreiung des Lagers Dachau.
Eine befreite junge Frau wartet 1945 im Gestapo-Gefängnis in Köln | Copyright: Lee Miller Archives, England 2022
Die Bilder auf dem Dachboden
Wie lebt man weiter nach diesen Bildern, die sich im Kopf festsetzen? Man spaltet die Erinnerungen ab, verpackt sie in Kisten und verfrachtet sie auf dem Dachboden. Dort findet sie der Sohn. Er findet eine Mutter, die er nur als Alkoholikerin erlebt hat. Verschlossen und unnahbar. Vor ihm breitet sich ein immenses Konvolut aus: 60 000 Negative, 20.000 Originalfotografien und 30.000 Manuskriptseiten. Lee Millers Leben.
Erinnerung gegen das Vergessen
Auch das gehört zur Wahrheit. Es gibt für alle drei Biografien kein Happy-End. Aber erschreckend aktuell erscheint, angesichts europaweiten politischen Erstarkens rechtsradikaler Parteien, dieser Nachlass aus der jüngeren Vergangenheit. Nein, Wegducken gilt nicht. Das hieße das Vermächtnis von Margarete Bourkes-White, Martha Gellhorn und Lee Miller erneut dem Vergessen preiszugeben.
Cinema Quadrat: Film und Kunst
Seit 2008 kooperieren Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen wählen gemeinsam Filme aus, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen.
Drei Frauen – Ein Krieg DEU/ITA 2020, Regie: Luzia Schmid, Dt.-engl. OmdtU.
Margaret Bourke-White bei der Arbeit auf dem Chrysler Building in New York. Das Foto wurde zu einem ihrer bekanntesten Selbstporträts | Copyright: Oscar Graubner
Margaret Bourke-White mit ihrer Ausrüstung. Für ihre Reportagen reiste sie in Krisengebiete auf mehreren Kontinenten | Copyright: Getty Images
Margaret Bourke-White beschriftet während des Zweiten Weltkriegs eine Bombe | Copyright: Getty Images
Luftabwehr über dem Kreml in Moskau am 26. Juli 1941. Bourke-White dokumentierte den Krieg auch in der Sowjetunion | Copyright: Margaret Bourke White, Shutterstock, Life-Collection
Margaret Bourke-White während eines Auftrags auf der Carswell Air Force Base | Copyright: Shutterstock, Life-Collection
Martha Gellhorn im Porträt | Copyright: John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Hemingway Collection
Martha Gellhorn beim Lesen und Arbeiten | Copyright: Erich Smallwood, Idaho (USA)
Ausschnitt aus Martha Gellhorns Reportage „Cracking the Gothic Line“ | Copyright: Martha Gellhorn, EIKON Media
Martha Gellhorn mit Soldaten während des Zweiten Weltkriegs | Copyright: John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Hemingway Collection
US-Soldaten bei Monte Cassino im Jahr 1944 | Copyright: National Archives and Records Administration (NARA)
Nächtliches Artilleriefeuer in den Apenninen im April 1945 | Copyright: Margaret Bourke White, Shutterstock, Life-Collection
Lee Miller in London 1941 mit sogenannten „Fire Masks“ | Copyright: Lee Miller Archives, England 2022
Eine befreite junge Frau wartet 1945 im Gestapo-Gefängnis in Köln | Copyright: Lee Miller Archives, England 2022
Die alliierte Invasion Westeuropas | Copyright: National Archives and Records Administration (NARA)
Diese Webseite verwendet Cookies, um die Funktionalität zu ermöglichen, Inhalte darzustellen sowie für Statistiken und Werbung.
Funktionale Cookies
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
Das Neckarstadtblog finanziert sich überwiegend durch freiwillige Daueraufträge. Schon 1 Euro im Monat hilft, 3 oder 5 Euro helfen mehr.
Empfänger
Manuel Schülke
IBAN
DE84 1001 1001 2620 4945 27
BIC
NTSBDEB1XXX
Zweck
Neckarstadtblog finanzieren
Empfänger: Manuel Schülke
IBAN: DE84 1001 1001 2620 4945 27
BIC: NTSBDEB1XXX
Verwendungszweck
Neckarstadtblog finanzieren
Andere Zahlungswege, etwa PayPal, stehen auf unserer Finanzierungsseite.
Der Girocode kann direkt mit vielen Banking-Apps gescannt werden.
Danke fürs Mitfinanzieren ♥
Die finanzielle Lage ist angespannt.
Ohne zusätzliche Mittel drohen Einschränkungen.
Was wir leisten können, hängt von euch ab.
Ab 1 Euro pro Monat finanziert ihr unabhängigen Lokaljournalismus in der Neckarstadt. Mit 3 oder 5 Euro können wir unsere Arbeit ausbauen und zusätzliche Mitarbeit ermöglichen.
Ein Filmabend im Cinema Quadrat erinnert an drei Kriegsberichterstatterinnen, die das Grauen des Zweiten Weltkriegs dokumentierten.
Der Film „Drei Frauen – Ein Krieg“ der Schweizer Dokumentarfilmerin Luzia Schmid lief am 21. Mai im Cinema Quadrat. Die Einführung übernahm Prof. Dr. Claude W. Sui. Er war seit 2002 verantwortlich für den Aufbau des Forums Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen (rem). Nach mehr als zwei Jahrzehnten an den rem verabschiedet er sich in den Ruhestand.
Der Film porträtiert die Kriegsberichterstatterinnen Margarete Bourke-White, Martha Gellhorn und Lee Miller. Er zeigt, wie der Zweite Weltkrieg als erster moderner Medienkrieg durch Fotografie, Film und Radio dokumentiert und propagandistisch begleitet wurde. Zugleich dokumentiert er die Arbeit von drei Frauen, die gegen Widerstände direkt aus den Kriegsgebieten berichteten.
„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“
Es war Claude W. Sui, der diesen Satz nach dem Film „Drei Frauen – Ein Krieg“ in die Runde warf. Ein Satz von Ingeborg Bachmann. Kurz und klar: Subjekt, Prädikat, Objekt. Das Adjektiv „zumutbar“ drückt aus, dass Wahrheit dem Menschen zugemutet werden kann oder muss.
Ingeborg Bachmann zielte auf die Gewalt in der Sprache ab, in den Strukturen einer Gesellschaft und ja – in den privaten Beziehungen. Bachmanns prägnanter Satz klang wie eine Kampfansage, an das, was man vergessen wollte: Den unseligen Zweiten Weltkrieg. Der sollte verdrängt oder besser gleich totgeschwiegen werden. Gerade von jenen Deutschtümmlern in den Nachkriegsjahren, die das „Wollt ihr den totalen Krieg“ mit einem Sturm der Begeisterung bejaht hatten. Pech, dass der Totgesagte nach wie vor wie ein Untoter herumgeistert.
Luzia Schmids Film über drei Kriegsberichterstatterinnen lebt von Archivmaterial, Briefen, Tagebucheinträgen und historischen Aufnahmen, die die Zerschlagung europäischer Demokratien mit Bildmaterial dokumentieren. Drei Protagonistinnen, die den Mut aufbrachten, direkt vom Frontgeschehen zu berichten, um den Krieg der Alliierten gegen die Nationalsozialisten mit der Kamera festzuhalten.
Getty Images
Margarete Bourke-White
Margarete Bourke-White (1904-1971), New Yorkerin, begann ihre Karriere 1927 in Cleveland als Architektur- und Industriefotografin (berühmtes Foto, sie sitzt auf einem Wasserspeier hoch über den Dächern von NYC und fotografiert die Skyline). Als Tochter eines Ingenieurs polnisch-jüdischer Herkunft und einer irisch-protestantischen Mutter in Sachen Chancengleichheit erzogen, drang sie früh in die Männerdomäne Fotografie vor. Was nach abgebrochenem naturwissenschaftlichem Studium als Amateurismus in Fotografie begann, endete mit Auftragsarbeiten für die Zeitschrift Life, wo sie als einzige Frau im Mitarbeiterstab im Auslandseinsatz fungierte. Bourke-Whites dokumentarischer Blick für das Wesentliche belegt das Überleben in einer Zeit, der der moralische Kompass abhandenkam.
Bilder aus Buchenwald
Ihr Foto „Die lebenden Toten von Buchenwald“ ging um die Welt. Die Aufnahmen zeigen bis aufs Skelett abgemagerte Menschen in KZ-Kleidung und wohl ausstaffierte Bürger*innen Weimars. Die Anordnung des US-Generals S. Patton, das Konzentrationslager besuchen zu müssen, empfanden Weimars Bürger*innen als inakzeptabel und nicht zumutbar. Bourke-Whites Bilder veranschaulichen Ohnmachtsanfälle und demonstratives Wegschauen ebenso wie Unfassbarkeit angesichts des präsentierten skandalösen Horrorkabinetts. 1946 erschien „Dear Fatherland, Rest Quietly“. Es diente dem Nürnberger Chefankläger als Beweismaterial.
Getty Images
Mit der Kamera durch die Krisen der Welt
Später dokumentierte sie die Teilung Indiens. Eines ihrer prominentesten Bilder ist „Gandhi“, auf dem er mit Spinnrad abgebildet ist. Sei es das Apartheid-Regime in Südafrika, der Koreakrieg oder Stalins UdSSR, White reiste stets mit Formatkamera und großem Foto-Equipment zu den krisengeschüttelten Regionen dieser Welt. Auf Bourke-White traf das englische Idiom zu: „In the right place at the right time.“
Sie ging zweimal eine Ehe ein. Von 1924-1926 mit dem Ingenieur E. Chapman und von 1939 bis 1942 mit dem Schriftsteller E. Caldwell. Selbstständig und selbstbewusst sah sie sich allein der Wahrheit verpflichtet und fand berufliche Erfüllung in ihrem Job. Dass sie sich als politische Fotografin verstand, entsprach den Werten ihrer Mutter, einer vehementen Feministin. Ein Hausfrauendasein stand nicht auf Margarete Bourke-Whites Lebens-Agenda. Sie war ein Workaholic.
Krankheit und Rückzug
1953 zeigten sich die ersten Symptome von Parkinson. Mitte der 1950er Jahre konnte sie keine Aufträge von Life mehr annehmen. Die Zeit bis zu ihrem Tod verbrachte sie mit autobiographischem Schreiben, für das sie 1963 den Achievement Award der Zeitschrift US Camera erhielt.
John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Hemingway Collection
Martha Gellhorn
Martha Gellhorn war eine US-amerikanische Journalistin und wurde vor allem durch ihre vielfach publizierten Kriegsreportagen bekannt. Geboren wurde sie 1908 in St. Louis im Bundesstaat Missouri, gestorben ist sie 1998 in London. Ihre Mutter war Suffragistin, ihr Vater ein in Deutschland geborener Gynäkologe. Vater und Großvater mütterlicherseits waren Juden, ihre Großmutter mütterlicherseits stammte aus einer protestantischen Familie. Soweit gleicht die biologische Linie ihrer Vorfahren der Margarete Bourke-Whites. Auch Gellhorn brach das College ab, um eine Karriere als Journalistin zu verfolgen.
Reportagen aus der Großen Depression
Nach verschiedenen beruflichen Stationen in Europa kehrte sie in die Vereinigten Staaten zurück, tat sich mit der Fotografin Dorothea Lange zusammen und berichtete, nach dem New Yorker Börsencrash 1929, über die Great Depression. Sie reisten durch das Land. Lange fotografierte, Gellhorn schrieb. Einziges Equipment: eine portable Reiseschreibmaschine.
Erich Smallwood, Idaho (USA)
Gellhorns Reportagen und die Portraits Dorothea Langes berichten ungeschminkt über prekäre, schlecht bezahlte Lohnarbeiter und in den Ruin getriebene Farmer, die zu Wanderarbeitern wurden. Für Hunderttausende, die während der 1930er-Jahre über die Route 66 nach Kalifornien zogen, erwies sich der Traum von einem besseren Leben als fatale Illusion. Der California Dream entpuppte sich als nicht enden wollender Alptraum: Armut, Ausbeutung und soziale Ausgrenzung warteten auf die Migranten.
Spanien verändert alles
Fängt man an zu recherchieren, stößt man fast sogleich auf den Namen Hemingway, den sie 1936 in Florida in einer Bar kennenlernte. Beauftragt von Collier’s Weekly, über den spanischen Bürgerkrieg zu berichten, gingen sie zusammen nach Spanien. Madrid beantwortete Gellhorns Frage: Wie viel Grauen muss man miterleben, bevor man das Recht hat, darüber zu schreiben? Madrid bot die Anleitung, die notwendig war.
Martha Gellhorn, EIKON Media
Luzia Schmids Film zeigt das, was Gellhorn, über die psychische Verfassung im und nach dem Kriegsgeschehen befragt, mit „Bombardierung und Alltag in der selben Stunde“ meint. Schmids bisweilen montiertes Farbmaterial erschreckt, erscheint wie ein Fremdkörper zwischen ansonsten vorherrschenden schwarz-weiß aufeinanderfolgenden Bildern, die dem Grauen etwas Nosferatu-artiges, Unwirkliches verleihen. Das Sounddesign von Holger Buff, die Mischung aus Tönen, Geräuschen und Musik tut ein Übriges: Glas klirrt, Metall kreischt, Gewehrfeuer rattert und immer wieder glaubt man das Brummen der Jagdflugzeuge zu hören. Bombenträger mit tödlicher Fracht unter dem Rumpf und Filmanfangsszene: Widersinnig schön ziehen sie wie ein Schwarm Vögel pfeilförmig ausgerichtet über den wolkenverhangenen Himmel.
Nach Madrid war Gellhorns Glaube an den Journalismus vergiftet. Sie sei „müde im Kopf“. Doch Kuba und Hemingway, wo er eine Finca hatte, brachten nicht das ersehnte Genesen. Der Krieg im Privaten zermürbte. Tradwife zu spielen lag auch ihr fern. Geschweige denn „eine Fußnote im Leben eines anderen zu sein“. Sie verließ ihn, kehrte nach Europa zurück und nahm den Auftrag von Collier’s Weekly an, über die Landung der Alliierten in der Normandie zu berichten. Beim Landemanöver verloren 4000 US-amerikanische Soldaten ihr Leben. Dann kam die Befreiung von Paris, dann die am 8. Mai 1945 von Hitlerdeutschland mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. An diesem Tag hielt sich Martha in London auf. Wir sehen Farbaufnahmen von Zehntausenden auf dem Trafalgar Square feiernden Menschen. Und Gellhorns Frage steht im Raum: „Was nun?“
D-Day und Dachau
Gellhorn umging, wann immer sie auf Verbote stieß, Anordnungen. War die einzige Korrespondentin, die am 6. Juni 1944 am D-Day mit den alliierten Landetruppen landete. Wie sie auch zu den ersten Journalist*innen gehörte, die aus Dachau berichteten. Eines der ältesten Konzentrationslager, das politische Gegner der Nazi-Partei während zwölf Jahren seines Bestehens inhaftierte. Weit über 200.000 Menschen. Gellhorn wurde Zeugin dessen, was Menschen einander antun. Sie schrieb harte, unversöhnliche Sätze über die Deutschen, die mantraartig „Davon haben wir nicht gewusst“ herunterleierten. Nichts über Dachau. Nichts über die anderen 100 KZs. Dachau diente für all die späteren Konzentrationslager als Modell. Ein Ort des Grauens. Grauen, das zur Normalität geworden war.
Margaret Bourke White, Shutterstock, Life-Collection
Ein Leben im Schatten der Kriege
Geopolitik bestimmt auch fortan ihren Lebensweg. Das Lebensprinzip der Rastlosigkeit ihr Dasein. Vietnam, arabisch-israelische Konflikte, Bürgerkriege in Mittelamerika. Sie schrieb mit disziplinierter Entschlossenheit gegen jegliche Art von Terror an. Der Krieg war ihr Arbeitgeber und Heimat geworden.
Als ihr Sehvermögen versagte, zog sie sich aus dem Journalismus zurück. Tod durch Suizid lautete die Nachricht. Seit 1999 vergibt der Martha Gellhorn Trust einen Preis für engagierten Journalismus.
Lee Miller
Lee Miller, eigentlich Elizabeth Miller, kam 1907 in Poughkeepsie im US-Bundesstaat New York zur Welt. Sie starb 1977 in Chiddingly, in der Grafschaft East Sussex, im Vereinigten Königreich. Geboren in einer Kleinstadt indianischen Ursprungs, begraben in einem Dorf im Südosten Englands. Tochter eines Maschinenbauingenieurs und einer kanadischen Krankenschwester.
Kein gutes Startkapital für Berühmtheit. Doch das änderte sich, als sie 1926 nach New York City ging, um Bühnenbild zu studieren. Damit begann eine Verkettung von Ereignissen, die sie innerhalb kürzester Zeit zum Glamourgirl auf die Titelseite der Vogue katapultierte. Das kam so: Die Geistesgegenwart eines Passanten rettete sie in Manhattan davor, vor ein Auto zu laufen. Wunderbarerweise war der Retter zufällig der Verleger von Vanity Fair und Vogue: Lee Miller, das Supermodell war geboren.
Lee Miller Archives, England 2022
Gute zwanzig Jahre später saß sie in Hitlers Badewanne, als sich dieser in seinem Führerbunker in Berlin erschoss und Vorsicht halber noch eine Zyankalikapsel eingeworfen hatte. Die Aufnahme von ihrem Kollegen David Scherman avancierte zum ikonischen Foto. Sie grub sich in das kollektive Gedächtnis und schrieb Geschichte. Und doch wurde Miller schon bald nach Ende des Krieges vergessen.
Vom Model zur Fotografin
Aber erst einmal war sie berühmtes Fotomodell, arbeitete mit so renommierten Fotografen wie Edward Steichen, Arnold Genthe und George Hoyningen-Huene, wie Claude W. Sui in seinem Impulsvortrag ausführt. Steichens Empfehlung öffnete Miller die Türen zur Pariser Kunstszene: Man Ray, Picasso (schuf sechs Portraits von ihr), Paul Eluard und Nusch Eluard, Cocteau und Colette. Schloss sich den Surrealisten an und lernte bei Man Ray das fotografische Handwerk. War Assistentin und Lover. Wiederum kam ihr eines Tages in der Dunkelkammer der Zufall zu Hilfe. Ein Lichteinfall erzeugte eine Pseudosolarisation. Es folgten viele künstlerische Experimente. Bald schon etabliertes Mitglied im Surrealistenzirkel, trennte sie sich von Man Ray, ging 1932 nach New York zurück, heiratete einen Unternehmer, ließ sich wieder scheiden, begegnete ihrem zweiten Ehemann Penrose, zog, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, mit ihm nach England, wurde Mutter und arbeitete fortan für die amerikanische Ausgabe der Vogue als Modejournalistin.
National Archives and Records Administration (NARA)
Kriegsfotografin an der Front
Ihre erste Reportage als Kriegsberichterstatterin dokumentierte den Lazarettalltag von Krankenschwestern in der US-Armee. Ihr Motto: „Learning by doing“. Weitere Reportagen über OPs in improvisierten Feldlazaretten realisierte sie mit dem Fotografen David E. Scherman, der für Time-Life arbeitete. 1942 wurde sie offizielle Kriegskorrespondentin. Fotografierte bei der D-Day-Invasion und die Befreiung von Paris. Hielt mit ihrer Rolleiflex fest, wie Frauen, die mit dem Feind kollaboriert hatten, die Köpfe geschoren und durch die Straßen getrieben wurden.
Richtete in Buchenwald ihr Kameraauge auf die Leichenberge und Krematoriumsöfen. Nur die Kamera als Schutzschild zwischen sich und dem Elend. Sowohl die britische als auch die amerikanische Vogue publizierten Millers fotografierte und geschriebene Reportage über die Befreiung des Lagers Dachau.
Lee Miller Archives, England 2022
Die Bilder auf dem Dachboden
Wie lebt man weiter nach diesen Bildern, die sich im Kopf festsetzen? Man spaltet die Erinnerungen ab, verpackt sie in Kisten und verfrachtet sie auf dem Dachboden. Dort findet sie der Sohn. Er findet eine Mutter, die er nur als Alkoholikerin erlebt hat. Verschlossen und unnahbar. Vor ihm breitet sich ein immenses Konvolut aus: 60 000 Negative, 20.000 Originalfotografien und 30.000 Manuskriptseiten. Lee Millers Leben.
Erinnerung gegen das Vergessen
Auch das gehört zur Wahrheit. Es gibt für alle drei Biografien kein Happy-End. Aber erschreckend aktuell erscheint, angesichts europaweiten politischen Erstarkens rechtsradikaler Parteien, dieser Nachlass aus der jüngeren Vergangenheit. Nein, Wegducken gilt nicht. Das hieße das Vermächtnis von Margarete Bourkes-White, Martha Gellhorn und Lee Miller erneut dem Vergessen preiszugeben.
Cinema Quadrat: Film und Kunst
Seit 2008 kooperieren Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen wählen gemeinsam Filme aus, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen.
Drei Frauen – Ein Krieg
DEU/ITA 2020, Regie: Luzia Schmid, Dt.-engl. OmdtU.
Auch interessant…