Der Herzstillstand über den die MWSP nicht gern redet: Das Casino sollte ein zentrale Treffpunkt für ganz Turley werden | Foto: M. Schülke
GBG-Chef Frings kritisierte private Eigentümer auf Turley. Zu eigenen Projekten beantwortet seine Unternehmensgruppe viele Fragen nicht.
Als „Belastung für das Quartier“ bezeichnete GBG-Geschäftsführer Karl-Heinz Frings zwei brachliegende Immobilien auf Turley in der Neckarstadt-Ost. Er warf den privaten Eigentümern Spekulation vor und beklagte die ausbleibende Entwicklung. Die eigene Unternehmensgruppe hat allerdings ebenfalls Probleme mit mehreren Immobilien im Zentrum des ehemaligen Kasernengeländes. Auf wiederholte Presseanfragen des Neckarstadtblogs gibt die GBG dazu nur begrenzt Auskunft.
Anlass der Recherche war eine Folge des Podcasts „Mensch Mannheim“ vom 11. Juni 2026. Darin sprachen die Lokalchefs des Mannheimer Morgen, Florian Karlein und Timo Schmidhuber, mit Frings über den Wohnungsmarkt und ehemalige US-Militärflächen. Für deren Umwandlung in neue Stadtquartiere, die sogenannte Konversion, wurde 2012 die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP gegründet. Sie gehört zur Unternehmensgruppe der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft GBG.
Frings kritisierte Spekulation mit Turley-Immobilien
Auf die Frage nach dem Entwicklungsstand von Turley erklärte Frings, das Quartier sei „weitestgehend entwickelt“. Es gebe nur noch wenige Flächen, auf denen zusätzlicher Wohnraum entstehen könne. Das negative Image des Quartiers führte er unter anderem auf zwei brachliegende Gebäude zurück: den unfertigen Hotelkomplex und die denkmalgeschützte Reithalle. Beide hätten ursprünglich wichtige Funktionen im Quartier übernehmen sollen. „Und heute sind sie eine Belastung für das Quartier“, erklärte Frings. Die MWSP habe darauf leider keinen Einfluss mehr.
Der Zustand des Hotel-Rohbaus ist mit den Jahren nicht besser geworden | Foto: M. Schülke
Die städtische Entwicklungsgesellschaft hatte 2012 mehrere Grundstücke und Gebäude an die Tom Bock Group verkauft. Nach deren Insolvenz gelangten verschiedene Immobilien durch Zwangsversteigerungen an neue Eigentümer. Frings unterschied zwischen Eigentümern, die ihre Gebäude inzwischen entwickelten, und solchen, bei denen nichts vorangehe. Besonders kritisch äußerte er sich über Hotel und Reithalle. Die Gebäude seien bereits weitergehandelt worden. Frings verwies auf hohe Verkaufserwartungen und bezeichnete den Umgang mit den Immobilien als „reines Spekulationsgeschäft“ ohne inhaltliche Entwicklung.
Denkmalgeschützte Reithalle erneut zum Verkauf
Die Reithalle wird tatsächlich erneut zum Kauf angeboten. Ein Mannheimer Immobilienmakler wirbt für das denkmalgeschützte Gebäude mit einer vorhandenen Baugenehmigung und einem Kaufpreis von 2,95 Millionen Euro. Die Immobilie sei vollständig sanierungsbedürftig, biete aber verschiedene Nutzungsmöglichkeiten für Kultur, Gastronomie und Veranstaltungen. Bereits am 26. Februar 2025 hatte die Stadt nach Recherchen des Mannheimer Morgen eine Nutzungsänderung genehmigt. Im Oktober 2025 fehlten allerdings noch bautechnische Nachweise für die Baufreigabe. Welche weiteren Schritte seither unternommen wurden und weshalb die Eigentümer nicht selbst weiterbauen, geht aus dem Immobilienangebot nicht hervor.
Seit geraumer Zeit steht die äußerst sanierungsbedürftige Reithalle zum Verkauf | Foto: M. Schülke
Frings bedauerte, dass eine Nutzung der Gebäude ausbleibe. Für die Menschen im Quartier sei dies besonders ärgerlich. Die MWSP spreche zwar weiterhin mit den Eigentümern, könne sie aber nicht zur Entwicklung verpflichten. Frings erklärte außerdem, dass die GBG versucht habe, bei einer Zwangsversteigerung mitzubieten, allerdings nur bis zu einem bestimmten Preis. Der aktuell für die Reithalle verlangte Kaufpreis sei zu hoch, um eine wirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen.
Auch bei der MWSP stehen zentrale Projekte still
Die Probleme mit den eigenen Immobilien thematisierte Frings in diesem Teil des Podcasts nicht. Die Parkplatzfläche erwähnte er lediglich als eine der letzten noch bebaubaren Flächen auf Turley. Dabei befinden sich mit dem ehemaligen Casino, dem Gebäude Turleyplatz 7 und der Parkplatzfläche weitere Grundstücke im Verantwortungsbereich der MWSP. Auch dort geht es seit Jahren nicht oder nur schleppend voran. Die Gründe unterscheiden sich allerdings.
Das denkmalgeschützte Casino ist ein eigenes Bauprojekt der MWSP. Nach den ursprünglichen Plänen sollte es zu einem Begegnungsort des Quartiers werden. Vorgesehen waren unter anderem gastronomische Angebote. Auf einem großen Transparent am Bauzaun kündigte die MWSP an: „Hier entsteht das Herz TURLEYs“. Darunter versprach die Entwicklungsgesellschaft einen Treffpunkt des öffentlichen Lebens und einen Ort für Gäste und Nachbarschaft. Doch die Bauarbeiten ruhen inzwischen. Bereits im Oktober 2025 berichtete der Mannheimer Morgen über den Stillstand. Nach dem Baubeginn 2019 hatte die MWSP zunächst eine Fertigstellung für 2021 angekündigt. Später stellte die GBG Ende 2024 oder Frühjahr 2025 in Aussicht. Auch diese Termine verstrichen. Das von der MWSP selbst so bezeichnete Herz des Quartiers ist weiterhin eine Baustelle.
Planungsfehler verhindern den Weiterbau des Casinos
Auf Anfrage des Neckarstadtblogs erklärte die GBG im Sommer 2026, dass Planungs- und Ausführungsfehler den Weiterbau verhindern. Insbesondere gebe es Probleme beim Brandschutz der Geschossdecken. Die MWSP habe deshalb dem Planungsbüro und einigen ausführenden Firmen gekündigt. Zunächst müsse sie die Schäden vollständig erfassen und daraus eine Rückbauplanung sowie einen neuen Zeitplan entwickeln. Erst nach den notwendigen Rückbauarbeiten könne der Weiterbau beginnen. Einen neuen Fertigstellungstermin nennt die GBG nicht.
Turleyplatz 7 gehört der MWSP und steht leer
Anders liegen die Verhältnisse bei Turleyplatz 7 sowie den Grundstücken Turleyplatz 3 und 4. Für diese Immobilien hatte die MWSP bereits 2012 Verträge mit der Tom Bock Group geschlossen. Nach Angaben der GBG ging das Eigentum jedoch nie auf den privaten Investor über. Die MWSP blieb Eigentümerin, war aufgrund der Verträge aber an Verpflichtungen gebunden. Im Jahr 2019 trat sie nach eigenen Angaben von den Verträgen zurück. Welche Rechte der Tom Bock Group zuvor konkret bestanden hatten, erläuterte die GBG nicht. Auch nach dem Vertragsrücktritt seien rechtliche Fragen offengeblieben.
Das denkmalgeschützte Gebäude Turleyplatz 7 steht weiterhin leer. An seinem Bauzaun hängt seit Jahren ein Transparent der MWSP mit der Aufschrift „Selbst unser Baucontainer steht unter Denkmalschutz!“. Darunter steht: „Jetzt hier am Turleyplatz 7: Die Bauleitung für das Casino.“ Die Werbung erweckt den Eindruck, dass die MWSP das Gebäude als Baubüro nutzte. Ob dies bereits während der vertraglichen Bindung an die Tom Bock Group der Fall war, beantwortete die GBG nicht. Seit wann das Transparent dort hängt, konnte sie ebenfalls nicht sagen. Dies sei für den Sachverhalt irrelevant, es seien sicherlich schon viele Jahre. Aktuell werde das Gebäude wegen des Baustopps am Casino nicht genutzt.
Wie viel Zeit die Bauleitung des Casinos in diesem denkmalgeschützten „Baucontainer“ verbracht hat, weiß offenbar niemand | Foto: M. Schülke
Für beide Grundstücke fehlt weiterhin ein Zeitplan
Die MWSP habe eine Konzeptausschreibung für den Verkauf von Turleyplatz 7 vorbereitet, könne diese aber erst veröffentlichen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür vorlägen. Bereits im Oktober 2025 hatte die GBG gegenüber dem Mannheimer Morgen eine baldige Ausschreibung angekündigt. Im März 2026 berichtete die Rhein-Neckar-Zeitung dann, die juristischen Auseinandersetzungen nach der Insolvenz der Tom Bock Group seien abgeschlossen. Zugleich zitierte sie die GBG mit der Aussage: „Wir bereiten eine Konzeptausschreibung vor.“ Gegenüber dem Neckarstadtblog verwies die GBG im Sommer dagegen weiterhin auf fehlende Rechtssicherheit. Welche rechtlichen Hindernisse nach den laut RNZ abgeschlossenen Verfahren noch bestanden, erläuterte sie nicht.
Auf dem Grundstück Turleyplatz 3 und 4 befindet sich derzeit ein Parkplatz. Frings hatte diese Fläche im Podcast als eine der letzten Entwicklungsmöglichkeiten auf Turley bezeichnet. Nach Angaben der GBG war dort schon immer eine Bebauung vorgesehen. Die Nutzung als Parkplatz werde lediglich vorübergehend geduldet. Auch für diese Fläche komme eine Konzeptausschreibung zum Verkauf infrage. Einen Zeitplan nennt die GBG nicht, rund 14 Jahre nach Beginn der Konversion auf Turley und sieben Jahre nach dem Vertragsrücktritt.
Die MWSP führt für den Stillstand ihrer Immobilien verschiedene Gründe an. Beim Casino seien es zunächst Schwierigkeiten mit der historischen Bausubstanz gewesen, später Planungs- und Ausführungsfehler. Bei den anderen Grundstücken verweist sie auf die rechtlichen Folgen der Verträge mit der Tom Bock Group. Auch die privaten Eigentümer von Hotel und Reithalle könnten Gründe für die ausbleibende Entwicklung haben, die über Verkaufsabsichten hinausgehen. Welche das gegebenenfalls sind, ist nicht geklärt. Frings ging im Podcast auf mögliche Hindernisse bei den privaten Projekten nicht näher ein, sondern bewertete deren Entwicklung als Spekulationsgeschäft. Für die Verzögerungen bei den eigenen Immobilien nennt die GBG dagegen verschiedene Ursachen. Wie die MWSP mit diesen Schwierigkeiten umgeht, lässt sich allerdings ebenfalls nur begrenzt nachvollziehen.
Was die GBG auf unsere Fragen antwortete
Das Neckarstadtblog wollte wissen, was die MWSP in den vergangenen Jahren unternommen hatte, um ihre Immobilien zu entwickeln. Die ersten Antworten beschrieben vor allem den aktuellen Stand: Bauprobleme am Casino, geplante Konzeptausschreibungen und fehlende Rechtssicherheit bei den anderen Grundstücken. Erst auf weitere Nachfragen erläuterte die GBG den Vertragsrücktritt von 2019 und die Eigentumsverhältnisse. Zunächst hatte sie noch geschrieben, Turleyplatz 7 sei nach dem Verkauf an den Investor wieder an die MWSP zurückgegangen. Später stellte sie klar, dass das Eigentum nie übertragen worden war.
Welche konkreten Schritte die MWSP seit 2019 unternommen hat, blieb dagegen unbeantwortet. Am 20. August 2026 erklärte der Leiter der GBG-Unternehmenskommunikation, Heiko Brohm: „Wie bereits mehrfach mitgeteilt, äußern wir uns nicht zu konkreten Schritten und Maßnahmen in unseren rechtlichen Auseinandersetzungen.“ Welche rechtlichen Hindernisse noch bestehen und was zu ihrer Beseitigung bislang unternommen wurde, erläuterte die GBG nicht. Einen möglichen Zeitpunkt für neue Ausschreibungen nannte sie ebenfalls nicht.
Keine Auskunft über mögliche Schäden und Kosten
Auch nach finanziellen Folgen des Leerstands von Turleyplatz 7 fragten wir die GBG. Wir wollten wissen, ob Schäden oder Kosten entstanden waren und gegebenenfalls in welcher Höhe. Nachdem die erste Anfrage unbeantwortet geblieben war, wiederholten wir die Frage. Dabei wiesen wir darauf hin, dass auch eine Antwort hilfreich wäre, wonach keine Kosten entstanden oder diese derzeit nicht bezifferbar seien.
Die GBG erklärte schließlich: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu Schadenshöhen und Kosten nicht äußern.“ Als größten Schaden bezeichnete sie stattdessen den Stillstand bei der Entwicklung der Gebäude seit der Insolvenz des ursprünglichen Investors. Dies bedauere die MWSP sehr. Ob durch den Leerstand tatsächlich zusätzliche Kosten entstanden sind, beantwortete die GBG nicht.
GBG verweigert eine Chronologie der Turley-Projekte
Besonders deutlich wurde die begrenzte Auskunftsbereitschaft bei unserer Bitte um eine Chronologie. Ursprünglich wollten wir eine grobe Übersicht über die wichtigsten Entwicklungsschritte bei Casino und Turleyplatz 7 seit 2012. Die GBG lehnte ab: „Die Erstellung einer solchen Chronologie über 14 Jahre ist für uns weder leistbar noch verhältnismäßig.“
Dabei veröffentlicht die MWSP auf ihrer eigenen Webseite bereits einen Zeitstrahl zur Entwicklung Turleys. Für das Casino nennt sie darin allerdings nur den Baubeginn 2019. In einer weiteren Nachfrage verdeutlichten wir den gewünschten Umfang anhand des vom MARCHIVUM herausgegebenen Jubiläumsbandes zur Geschichte der GBG. Uns würden im Grunde „14 Jahre MWSP in 14 Geschichten“ genügen. Die GBG blieb bei ihrer Ablehnung und beschränkte sich auf wenige bekannte Eckpunkte.
Selbst eine kurze Übersicht zum Casino sei zu aufwendig
Daraufhin reduzierten wir unsere Bitte auf das Casino, nach Darstellung der GBG das einzige noch nicht fertiggestellte eigene Bauprojekt auf Turley. Wir fragten nach den wesentlichen Entwicklungsschritten und Rückschlägen seit Projektbeginn, beispielsweise Bauabschnitten, Planänderungen, Verzögerungen und dem Baustopp. Eine stichwortartige Darstellung hätte genügt.
Am 20. August lehnte die GBG erneut ab: „Ihrer Bitte eines chronologischen Projektverlaufs für das Casino können wir leider nicht nachkommen.“ Als Gründe nannte sie den hohen Zeitaufwand und die inzwischen bestehenden juristischen Auseinandersetzungen. Zu diesen könne sich die Unternehmensgruppe ohnehin nicht äußern. Auch in der Vergangenheit hatte die GBG auf Nachfrage keine Termine zu Gerichtsverhandlungen mitgeteilt.
Die erbetene Casino-Chronologie hätte allerdings auch Vorgänge umfasst, die nicht unmittelbar Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen sein müssen. Dazu zählen frühere Planungen, Bauabschnitte und öffentlich angekündigte Fertigstellungstermine. Weshalb die GBG auch diese Informationen nicht zusammenstellt, erläuterte sie nicht. In ihrer letzten Antwort bot die GBG dem Neckarstadtblog erneut einen direkten Austausch über verschiedene Themen an. Die konkreten schriftlichen Fragen zur Entwicklungsgeschichte des Casinos beantwortete sie jedoch nicht.
Auch im Jubiläumsband „100 Jahre GBG in 100 Geschichten“, der während unserer Recherche erschien, bleibt Turley trotz der ausdrücklich erwähnten Rückschläge eine Erfolgsgeschichte. Und ist das Ende nicht gut, ist es eben noch nicht das Ende.
Diese Webseite verwendet Cookies, um die Funktionalität zu ermöglichen, Inhalte darzustellen sowie für Statistiken und Werbung.
Funktionale Cookies
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
Das Neckarstadtblog finanziert sich überwiegend durch freiwillige Daueraufträge. Schon 1 Euro im Monat hilft, 3 oder 5 Euro helfen mehr.
Empfänger
Manuel Schülke
IBAN
DE84 1001 1001 2620 4945 27
BIC
NTSBDEB1XXX
Zweck
Neckarstadtblog finanzieren
Empfänger: Manuel Schülke
IBAN: DE84 1001 1001 2620 4945 27
BIC: NTSBDEB1XXX
Verwendungszweck
Neckarstadtblog finanzieren
Andere Zahlungswege, etwa PayPal, stehen auf unserer Finanzierungsseite.
Der Girocode kann direkt mit vielen Banking-Apps gescannt werden.
Danke fürs Mitfinanzieren ♥
Die finanzielle Lage ist angespannt.
Ohne zusätzliche Mittel drohen Einschränkungen.
Was wir leisten können, hängt von euch ab.
Ab 1 Euro pro Monat finanziert ihr unabhängigen Lokaljournalismus in der Neckarstadt. Mit 3 oder 5 Euro können wir unsere Arbeit ausbauen und zusätzliche Mitarbeit ermöglichen.
GBG-Chef Frings kritisierte private Eigentümer auf Turley. Zu eigenen Projekten beantwortet seine Unternehmensgruppe viele Fragen nicht.
Als „Belastung für das Quartier“ bezeichnete GBG-Geschäftsführer Karl-Heinz Frings zwei brachliegende Immobilien auf Turley in der Neckarstadt-Ost. Er warf den privaten Eigentümern Spekulation vor und beklagte die ausbleibende Entwicklung. Die eigene Unternehmensgruppe hat allerdings ebenfalls Probleme mit mehreren Immobilien im Zentrum des ehemaligen Kasernengeländes. Auf wiederholte Presseanfragen des Neckarstadtblogs gibt die GBG dazu nur begrenzt Auskunft.
Anlass der Recherche war eine Folge des Podcasts „Mensch Mannheim“ vom 11. Juni 2026. Darin sprachen die Lokalchefs des Mannheimer Morgen, Florian Karlein und Timo Schmidhuber, mit Frings über den Wohnungsmarkt und ehemalige US-Militärflächen. Für deren Umwandlung in neue Stadtquartiere, die sogenannte Konversion, wurde 2012 die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP gegründet. Sie gehört zur Unternehmensgruppe der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft GBG.
Frings kritisierte Spekulation mit Turley-Immobilien
Auf die Frage nach dem Entwicklungsstand von Turley erklärte Frings, das Quartier sei „weitestgehend entwickelt“. Es gebe nur noch wenige Flächen, auf denen zusätzlicher Wohnraum entstehen könne. Das negative Image des Quartiers führte er unter anderem auf zwei brachliegende Gebäude zurück: den unfertigen Hotelkomplex und die denkmalgeschützte Reithalle. Beide hätten ursprünglich wichtige Funktionen im Quartier übernehmen sollen. „Und heute sind sie eine Belastung für das Quartier“, erklärte Frings. Die MWSP habe darauf leider keinen Einfluss mehr.
Die städtische Entwicklungsgesellschaft hatte 2012 mehrere Grundstücke und Gebäude an die Tom Bock Group verkauft. Nach deren Insolvenz gelangten verschiedene Immobilien durch Zwangsversteigerungen an neue Eigentümer. Frings unterschied zwischen Eigentümern, die ihre Gebäude inzwischen entwickelten, und solchen, bei denen nichts vorangehe. Besonders kritisch äußerte er sich über Hotel und Reithalle. Die Gebäude seien bereits weitergehandelt worden. Frings verwies auf hohe Verkaufserwartungen und bezeichnete den Umgang mit den Immobilien als „reines Spekulationsgeschäft“ ohne inhaltliche Entwicklung.
Denkmalgeschützte Reithalle erneut zum Verkauf
Die Reithalle wird tatsächlich erneut zum Kauf angeboten. Ein Mannheimer Immobilienmakler wirbt für das denkmalgeschützte Gebäude mit einer vorhandenen Baugenehmigung und einem Kaufpreis von 2,95 Millionen Euro. Die Immobilie sei vollständig sanierungsbedürftig, biete aber verschiedene Nutzungsmöglichkeiten für Kultur, Gastronomie und Veranstaltungen. Bereits am 26. Februar 2025 hatte die Stadt nach Recherchen des Mannheimer Morgen eine Nutzungsänderung genehmigt. Im Oktober 2025 fehlten allerdings noch bautechnische Nachweise für die Baufreigabe. Welche weiteren Schritte seither unternommen wurden und weshalb die Eigentümer nicht selbst weiterbauen, geht aus dem Immobilienangebot nicht hervor.
Frings bedauerte, dass eine Nutzung der Gebäude ausbleibe. Für die Menschen im Quartier sei dies besonders ärgerlich. Die MWSP spreche zwar weiterhin mit den Eigentümern, könne sie aber nicht zur Entwicklung verpflichten. Frings erklärte außerdem, dass die GBG versucht habe, bei einer Zwangsversteigerung mitzubieten, allerdings nur bis zu einem bestimmten Preis. Der aktuell für die Reithalle verlangte Kaufpreis sei zu hoch, um eine wirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen.
Auch bei der MWSP stehen zentrale Projekte still
Die Probleme mit den eigenen Immobilien thematisierte Frings in diesem Teil des Podcasts nicht. Die Parkplatzfläche erwähnte er lediglich als eine der letzten noch bebaubaren Flächen auf Turley. Dabei befinden sich mit dem ehemaligen Casino, dem Gebäude Turleyplatz 7 und der Parkplatzfläche weitere Grundstücke im Verantwortungsbereich der MWSP. Auch dort geht es seit Jahren nicht oder nur schleppend voran. Die Gründe unterscheiden sich allerdings.
Das denkmalgeschützte Casino ist ein eigenes Bauprojekt der MWSP. Nach den ursprünglichen Plänen sollte es zu einem Begegnungsort des Quartiers werden. Vorgesehen waren unter anderem gastronomische Angebote. Auf einem großen Transparent am Bauzaun kündigte die MWSP an: „Hier entsteht das Herz TURLEYs“. Darunter versprach die Entwicklungsgesellschaft einen Treffpunkt des öffentlichen Lebens und einen Ort für Gäste und Nachbarschaft. Doch die Bauarbeiten ruhen inzwischen. Bereits im Oktober 2025 berichtete der Mannheimer Morgen über den Stillstand. Nach dem Baubeginn 2019 hatte die MWSP zunächst eine Fertigstellung für 2021 angekündigt. Später stellte die GBG Ende 2024 oder Frühjahr 2025 in Aussicht. Auch diese Termine verstrichen. Das von der MWSP selbst so bezeichnete Herz des Quartiers ist weiterhin eine Baustelle.
Planungsfehler verhindern den Weiterbau des Casinos
Auf Anfrage des Neckarstadtblogs erklärte die GBG im Sommer 2026, dass Planungs- und Ausführungsfehler den Weiterbau verhindern. Insbesondere gebe es Probleme beim Brandschutz der Geschossdecken. Die MWSP habe deshalb dem Planungsbüro und einigen ausführenden Firmen gekündigt. Zunächst müsse sie die Schäden vollständig erfassen und daraus eine Rückbauplanung sowie einen neuen Zeitplan entwickeln. Erst nach den notwendigen Rückbauarbeiten könne der Weiterbau beginnen. Einen neuen Fertigstellungstermin nennt die GBG nicht.
Turleyplatz 7 gehört der MWSP und steht leer
Anders liegen die Verhältnisse bei Turleyplatz 7 sowie den Grundstücken Turleyplatz 3 und 4. Für diese Immobilien hatte die MWSP bereits 2012 Verträge mit der Tom Bock Group geschlossen. Nach Angaben der GBG ging das Eigentum jedoch nie auf den privaten Investor über. Die MWSP blieb Eigentümerin, war aufgrund der Verträge aber an Verpflichtungen gebunden. Im Jahr 2019 trat sie nach eigenen Angaben von den Verträgen zurück. Welche Rechte der Tom Bock Group zuvor konkret bestanden hatten, erläuterte die GBG nicht. Auch nach dem Vertragsrücktritt seien rechtliche Fragen offengeblieben.
Das denkmalgeschützte Gebäude Turleyplatz 7 steht weiterhin leer. An seinem Bauzaun hängt seit Jahren ein Transparent der MWSP mit der Aufschrift „Selbst unser Baucontainer steht unter Denkmalschutz!“. Darunter steht: „Jetzt hier am Turleyplatz 7: Die Bauleitung für das Casino.“ Die Werbung erweckt den Eindruck, dass die MWSP das Gebäude als Baubüro nutzte. Ob dies bereits während der vertraglichen Bindung an die Tom Bock Group der Fall war, beantwortete die GBG nicht. Seit wann das Transparent dort hängt, konnte sie ebenfalls nicht sagen. Dies sei für den Sachverhalt irrelevant, es seien sicherlich schon viele Jahre. Aktuell werde das Gebäude wegen des Baustopps am Casino nicht genutzt.
Für beide Grundstücke fehlt weiterhin ein Zeitplan
Die MWSP habe eine Konzeptausschreibung für den Verkauf von Turleyplatz 7 vorbereitet, könne diese aber erst veröffentlichen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür vorlägen. Bereits im Oktober 2025 hatte die GBG gegenüber dem Mannheimer Morgen eine baldige Ausschreibung angekündigt. Im März 2026 berichtete die Rhein-Neckar-Zeitung dann, die juristischen Auseinandersetzungen nach der Insolvenz der Tom Bock Group seien abgeschlossen. Zugleich zitierte sie die GBG mit der Aussage: „Wir bereiten eine Konzeptausschreibung vor.“ Gegenüber dem Neckarstadtblog verwies die GBG im Sommer dagegen weiterhin auf fehlende Rechtssicherheit. Welche rechtlichen Hindernisse nach den laut RNZ abgeschlossenen Verfahren noch bestanden, erläuterte sie nicht.
Auf dem Grundstück Turleyplatz 3 und 4 befindet sich derzeit ein Parkplatz. Frings hatte diese Fläche im Podcast als eine der letzten Entwicklungsmöglichkeiten auf Turley bezeichnet. Nach Angaben der GBG war dort schon immer eine Bebauung vorgesehen. Die Nutzung als Parkplatz werde lediglich vorübergehend geduldet. Auch für diese Fläche komme eine Konzeptausschreibung zum Verkauf infrage. Einen Zeitplan nennt die GBG nicht, rund 14 Jahre nach Beginn der Konversion auf Turley und sieben Jahre nach dem Vertragsrücktritt.
Die MWSP führt für den Stillstand ihrer Immobilien verschiedene Gründe an. Beim Casino seien es zunächst Schwierigkeiten mit der historischen Bausubstanz gewesen, später Planungs- und Ausführungsfehler. Bei den anderen Grundstücken verweist sie auf die rechtlichen Folgen der Verträge mit der Tom Bock Group. Auch die privaten Eigentümer von Hotel und Reithalle könnten Gründe für die ausbleibende Entwicklung haben, die über Verkaufsabsichten hinausgehen. Welche das gegebenenfalls sind, ist nicht geklärt. Frings ging im Podcast auf mögliche Hindernisse bei den privaten Projekten nicht näher ein, sondern bewertete deren Entwicklung als Spekulationsgeschäft. Für die Verzögerungen bei den eigenen Immobilien nennt die GBG dagegen verschiedene Ursachen. Wie die MWSP mit diesen Schwierigkeiten umgeht, lässt sich allerdings ebenfalls nur begrenzt nachvollziehen.
Was die GBG auf unsere Fragen antwortete
Das Neckarstadtblog wollte wissen, was die MWSP in den vergangenen Jahren unternommen hatte, um ihre Immobilien zu entwickeln. Die ersten Antworten beschrieben vor allem den aktuellen Stand: Bauprobleme am Casino, geplante Konzeptausschreibungen und fehlende Rechtssicherheit bei den anderen Grundstücken. Erst auf weitere Nachfragen erläuterte die GBG den Vertragsrücktritt von 2019 und die Eigentumsverhältnisse. Zunächst hatte sie noch geschrieben, Turleyplatz 7 sei nach dem Verkauf an den Investor wieder an die MWSP zurückgegangen. Später stellte sie klar, dass das Eigentum nie übertragen worden war.
Welche konkreten Schritte die MWSP seit 2019 unternommen hat, blieb dagegen unbeantwortet. Am 20. August 2026 erklärte der Leiter der GBG-Unternehmenskommunikation, Heiko Brohm: „Wie bereits mehrfach mitgeteilt, äußern wir uns nicht zu konkreten Schritten und Maßnahmen in unseren rechtlichen Auseinandersetzungen.“ Welche rechtlichen Hindernisse noch bestehen und was zu ihrer Beseitigung bislang unternommen wurde, erläuterte die GBG nicht. Einen möglichen Zeitpunkt für neue Ausschreibungen nannte sie ebenfalls nicht.
Keine Auskunft über mögliche Schäden und Kosten
Auch nach finanziellen Folgen des Leerstands von Turleyplatz 7 fragten wir die GBG. Wir wollten wissen, ob Schäden oder Kosten entstanden waren und gegebenenfalls in welcher Höhe. Nachdem die erste Anfrage unbeantwortet geblieben war, wiederholten wir die Frage. Dabei wiesen wir darauf hin, dass auch eine Antwort hilfreich wäre, wonach keine Kosten entstanden oder diese derzeit nicht bezifferbar seien.
Die GBG erklärte schließlich: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu Schadenshöhen und Kosten nicht äußern.“ Als größten Schaden bezeichnete sie stattdessen den Stillstand bei der Entwicklung der Gebäude seit der Insolvenz des ursprünglichen Investors. Dies bedauere die MWSP sehr. Ob durch den Leerstand tatsächlich zusätzliche Kosten entstanden sind, beantwortete die GBG nicht.
GBG verweigert eine Chronologie der Turley-Projekte
Besonders deutlich wurde die begrenzte Auskunftsbereitschaft bei unserer Bitte um eine Chronologie. Ursprünglich wollten wir eine grobe Übersicht über die wichtigsten Entwicklungsschritte bei Casino und Turleyplatz 7 seit 2012. Die GBG lehnte ab: „Die Erstellung einer solchen Chronologie über 14 Jahre ist für uns weder leistbar noch verhältnismäßig.“
Dabei veröffentlicht die MWSP auf ihrer eigenen Webseite bereits einen Zeitstrahl zur Entwicklung Turleys. Für das Casino nennt sie darin allerdings nur den Baubeginn 2019. In einer weiteren Nachfrage verdeutlichten wir den gewünschten Umfang anhand des vom MARCHIVUM herausgegebenen Jubiläumsbandes zur Geschichte der GBG. Uns würden im Grunde „14 Jahre MWSP in 14 Geschichten“ genügen. Die GBG blieb bei ihrer Ablehnung und beschränkte sich auf wenige bekannte Eckpunkte.
Selbst eine kurze Übersicht zum Casino sei zu aufwendig
Daraufhin reduzierten wir unsere Bitte auf das Casino, nach Darstellung der GBG das einzige noch nicht fertiggestellte eigene Bauprojekt auf Turley. Wir fragten nach den wesentlichen Entwicklungsschritten und Rückschlägen seit Projektbeginn, beispielsweise Bauabschnitten, Planänderungen, Verzögerungen und dem Baustopp. Eine stichwortartige Darstellung hätte genügt.
Am 20. August lehnte die GBG erneut ab: „Ihrer Bitte eines chronologischen Projektverlaufs für das Casino können wir leider nicht nachkommen.“ Als Gründe nannte sie den hohen Zeitaufwand und die inzwischen bestehenden juristischen Auseinandersetzungen. Zu diesen könne sich die Unternehmensgruppe ohnehin nicht äußern. Auch in der Vergangenheit hatte die GBG auf Nachfrage keine Termine zu Gerichtsverhandlungen mitgeteilt.
Die erbetene Casino-Chronologie hätte allerdings auch Vorgänge umfasst, die nicht unmittelbar Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen sein müssen. Dazu zählen frühere Planungen, Bauabschnitte und öffentlich angekündigte Fertigstellungstermine. Weshalb die GBG auch diese Informationen nicht zusammenstellt, erläuterte sie nicht. In ihrer letzten Antwort bot die GBG dem Neckarstadtblog erneut einen direkten Austausch über verschiedene Themen an. Die konkreten schriftlichen Fragen zur Entwicklungsgeschichte des Casinos beantwortete sie jedoch nicht.
Auch im Jubiläumsband „100 Jahre GBG in 100 Geschichten“, der während unserer Recherche erschien, bleibt Turley trotz der ausdrücklich erwähnten Rückschläge eine Erfolgsgeschichte. Und ist das Ende nicht gut, ist es eben noch nicht das Ende.
Quellen: „Mensch Mannheim“-Podcast des Mannheimer Morgens vom 11. Juni 2026, Auskünfte der GBG, eigene Recherchen
Auch interessant…