Kaffee und Literatur für den täglichen Aufstand

Eine Tasse zapatistischer Kaffee war ein entspannter Einstieg in die Anarchistische Buchmesse, die vom 21. bis 23. April bereits zum vierten Mal in der Neckarstadt weilte.

Der Kaffee stammte von mexikanischen Zapatistas, sowie weiteren widerständigen südamerikanischen Kaffeeanbauern in Selbstorganisation. Ein sehr willkommenes Genusserlebnis ohne schlechtes Gewissen und ohne preistreibenden Zwischenhandel, angeboten vom Hamburger Café Libertad Kollektiv.

Die Organisatoren haben wie schon letztes Jahr und die Jahre zuvor ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt | Foto: Isabel Dehmelt
Die Organisatoren haben wie schon letztes Jahr und die Jahre zuvor ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt | Foto: Isabel Dehmelt

Präsentiert wurde im Jugendkulturzentrum forum eine große Vielfalt politischer Publikationen von circa 30 Ausstellern aus ganz Deutschland. Die anarchistische und antiautoritäre Grundhaltung war das verbindende Element aller Aussteller. Während sich das inhaltliche Spektrum von Anarchie über sozialistische und kommunistische Literatur, von Themen wie Feminismus, queerer Literatur, Antifaschismus, Antikapitalismus bis zu Antikriegsliteratur spannte, um nur einige Strömungen zu nennen.

Auch die Schweizerische Anarchistische Buchmesse, die im Mai in Bern stattfindet, war mit einem kleinen Stand und Schweizer Publikationen vertreten.
Die Vielfalt anarchistischer und links-libertärer Publikationen war zu ausufernd, um sie hier komplett abbilden zu können. Unter den Ausstellern fanden sich auch Zeitungen und Zeitschriften, wie die links-libertäre Contraste-Zeitung oder die Graswurzelrevolution. Ein besonderes Highlight war der Alibri Verlag, in dessen Programm unter anderem tiefgründige und aufmüpfige Kinderbücher erscheinen, die sich mit viel Humor und Verstand dem Mainstream entgegen setzen.

Überdosis GRAU

Das musikalische Programm war wie zu erwarten gehaltvoll und unbequem. Was klingt wie ein Mannheimer Mantra – Überdosis Grau, ist eine Frankenthaler Punkband, zwischen energieauslösendem Punkrock und anschmiegsamen Balladen.

Im schrillen musikalischen Kontrast dazu stand die trans*female Rapperin FaulenzA. Ihr gelang die Provokation, die sie auslöst, wenn die hübsche junge Frau auf der Bühne plötzlich anfängt mit tief maskuliner Stimme zu rappen. Ihre Texte drehen sich um Schönheitsideale, um das Anderssein, die Vorurteile und Beleidigungen, die sie mit ihrer Erscheinung auslöst. Trotz des sichtbaren Widerspruchs zieht sie mit ihrer Authentizität in den Bann.

Sehen und Gesehen werden

Bei der Buchmesse waren viele Mannheimer zu sehen. Nicht wenige kamen, um zu sehen, wer noch da war und man traf neben Gleichgesinnten und Weitgereisten auch allerhand bekannte Vertreter Mannheimer Initiativen.

Vom Flyer über informative Reader bis zur gebundenen Ausgabe gab es viel Gedrucktes | Foto: Isabel Dehmelt
Vom Flyer über informative Reader bis zur gebundenen Ausgabe gab es viel Gedrucktes | Foto: Isabel Dehmelt

So war mit SOMA („Selbstorganisiert in Mannheim“) eine junge Mannheimer Initiative vertreten, die Raum für kollektive Strukturen und Projekte sowie für Toleranz und Vielfalt schaffen will. Die Solidarische Landwirtschaft Mannheim/Ludwigshafen hatte in diesem Jahr keinen eigenen Stand.

Für gute Stimmung sorgte die mobile Mitmach-Küche Le Sabot im Vorhof des Jugendkulturzentrums forum. Hier gab es dreimal täglich leckere vegane Köstlichkeiten und ein bisschen Ferienfreizeitstimmung.

Die Anarchistische Gruppe Mannheim unterstützt solidarisch die Seifenfabrik VIO.Me in Griechenland. Die ArbeiterInnen der Fabrik haben diese seit Mai 2011 besetzt und organisieren die Produktion ohne Chefs selbst. Dabei haben sie die Produktion auf umweltfreundliche Seifen und Reinigungsmittel umgestellt. Nicht wenige dürften sich hier mit ausreichend Seifen und Putzmitteln eingedeckt haben.

Ein neuer Besucherrekord

Seife und Selbstorganisation verbindet man allgemein nicht unbedingt mit Anarchie | Foto: Isabel Dehmelt
Seife und Selbstorganisation verbindet man allgemein nicht unbedingt mit Anarchie | Foto: Isabel Dehmelt

Viele Besucher wurden durch das vielseitige Vortragsprogramm angezogen. Auch hier war ein enormes Spektrum anzutreffen. Brisant waren die Schilderungen in  einem Vortrag über Rojava, eine überwiegend kurdisch bewohnte Region im Norden Syriens, die auf dem Weg ist, in Selbstverwaltung basisdemokratische Strukturen aufzubauen.

Zahlreiche weitere Vorträge befassten sich mit Antikapitalismus, Umweltaktivismus oder Technologiekritik, um nur einige wenige Themen zu nennen.

Die Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden mit dem Erfolg der Buchmesse. In diesem Jahr konnten deutlich mehr Besucher erreicht werden als im Vorjahr. Es sei die bestbesuchte Messe bisher gewesen, konnte am Sonntag von zufriedenen Ausstellern und Veranstaltern vernommen werden.

Die Anarchistische Buchmesse ist ein lebender Beweis dafür, dass der politische Diskurs sowie linke und antiautoritäre Ideale für viele Menschen nach wie vor wichtig sind. Mit einer toleranten Grundhaltung hat die Buchmesse es geschafft, Gegensätze wie pro-israelische Publikationen und pro-palästinensische Bands in friedlicher Ko­exis­tenz zu vereinen.

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