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Mit Abstand und Anstand: Demo der Seebrücke für Evakuierung der Sammellager

Einem Aufruf der Mannheimer Gruppe der bundesweiten Initiative Seebrücke waren nach Zählungen der Veranstalter*innen mehr als 300 Menschen gefolgt.

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Sie forderten besseren Gesundheitsschutz für Geflüchtete, die Evakuierung der überfüllten Lager auf den griechischen Inseln und konkret die Evakuierung der Sammelunterkunft des Landes in der Mannheimer Industriestraße. Eben dort fand die Aktion statt.

Markierungen auf dem Boden sorgten für den gebotenen Abstand beim demonstrieren | Foto: Christian Ratz
Markierungen auf dem Boden sorgten für den gebotenen Abstand beim demonstrieren | Foto: Christian Ratz

Die Veranstalter*innen setzten auf strenge Hygienemaßnahmen, um ein Anstreckungsrisiko zwischen den Teilnehmer*innen zu minimieren: Mundschutz und Abstand halten, auf dem Boden waren Standpunkte aufgezeichnet, das Mikrofon für die Redner*innen wurde mit immer neuen Plastiktüten geschützt. Ein großer, aber notwendiger Aufwand. Die Versammlungsbehörde hatte die Veranstaltung genehmigt. Eine Versammlung dieser Größe dürfte in Corona-Zeiten bisher einmalig in Mannheim gewesen sein.

Bewohner berichten von ihrer Situation

„Es ist unglaublich, wie viele Leute ihre Solidarität ausgedrückt haben“, freute sich Elena von der Initiative Seebrücke. „Deswegen Danke an alle, die da waren.“ Es sei wichtig, auch in solchen Zeiten seine Meinung auf der Straße zu äußern. Man habe gezeigt, dass das auch mit Abstand möglich ist.

Ans Mikrofon kamen neben den Initiator*innen auch zahlreiche Bewohner*innen der Unterkunft, die von schlimmen Zuständen in der Einrichtung berichteten. Bis zu sechs Personen wohnten in einem Zimmer, vergitterte Fenster, die sich teil noch nicht einmal zum Lüften öffnen ließen. Den Kindern sei das Spielen im Hof untersagt. Privatsphäre werde durch das Personal nicht respektiert und sei durch die Belegung sowieso kaum möglich. Es wurde auch von Übergriffen durch die Polizei und den Sicherheitsdienst berichtet.

Beengte Verhältnisse in der Landeserstaufnahme in der Industriestraße | Foto: Christian Ratz
Beengte Verhältnisse in der Landeserstaufnahme in der Industriestraße | Foto: Christian Ratz

Unter den Bewohner*innen gehe die Angst vor einer Ausbreitung des Virus um. In Sammelunterkünften in Ellwangen oder Ludwigshafen hatte sich Covid-19 rasend schnell in Unterkünften verbreitet. „Wir sollen zu Hause bleiben, uns die Hände waschen, für die Menschen da drin ist das nicht so einfach möglich“, erklärte die Sprecherin der Seebrücke.

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Flüchtlingsaktivist*innen vom Verein „Mannheim sagt Ja!“ haben der Unterkunft vor einigen Tagen mehrere hundert Stoffmasken gespendet, um zumindest ein bisschen zu helfen. Die Forderung nach einer Evakuierung der Sammellager bleibt aber weiter bestehen.

Pressemitteilung der Initiative Seebrücke:

Wir sind zufrieden, wie unsere Menschenkette gestern vor der LEA stattfinden konnte. Es haben sich weitaus mehr Menschen, wie erwartete beteiligt. Die Auflagen zum Abstand halten und Mundschutz tragen wurden problemlos befolgt. Die Kommunikation mit der Polizei lief gut.

Wir konnten rund 300-350 Menschen zählen, die sich gemeinsam gegen die Zustände in den Sammelunterkünften in Deutschland und die Situation in den griechischen Lagern aussprachen. Die Bewohner*innen der LEA beteiligten sich mit zahlreichen Wortbeiträgen und berichteten ergreifend von ihrer Situation. Sie fühlen sich wie im Gefängnis und erzählten von Übergriffen von Polizei und Sicherheitskräften.

Wir haben gezeigt, dass wir auch in der Corona-Krise die Straße zur politischen Meinungsäußerung nutzen können! Wir werden weiter laut sein! #leavenoonebehind

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Dieser Artikel erschien auch bei Kommunalinfo Mannheim. Dort wurde auch ein Videobetrag veröffentlicht.

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