Fontagnier dankt der Neckarstadt für die Unterstützung

Gerhard Fontagnier, der im Mannheimer Norden für die Landtagswahl kandidierte und in beiden Teilen der Neckarstadt eindeutiger Spitzenreiter wurde, hat unserer Redaktion die nachfolgende Erklärung zukommen lassen.

Erklärung von Gerhard Fontagnier zum Wahlausgang in Mannheim-Nord:

Gerhard Fontagnier | Foto: Grüne Fraktion Mannheim
Gerhard Fontagnier | Foto: Grüne Fraktion Mannheim

Liebe Menschen in der Neckarstadt,

ich bedanke mich ganz herzlich für das große Vertrauen und 4.490 Stimmen in den beiden Teilen der Neckarstadt (38% aller Stimmen die ich im Mannheimer Norden erhielt). Das ehrt mich und gibt mir zugleich Aufgaben. Der Rest an Nachrichten und Zahlen, die die Landtagswahl im Wahlkreis hinterlässt ist eher schrecklich, beunruhigend und macht sehr nachdenklich.

Die gute Nachricht aber noch zuvor: 39.748 von 53.998 und damit ca. 75% aller Wählerinnen und Wählern im Wahlkreis haben keine NPD, REP, AFD oder ALFA gewählt. In der Neckarstadt-West waren dies 82,5% und in der Neckarstadt-Ost 80,7%.

Die schlechte Nachricht ist bekannt: Stefan Fulst-Blei lag 403 Stimmen hinter Herrn Klos von der AfD, ich selbst 163 Stimmen hinter Stefan Fulst-Blei und 566 Stimmen hinter Herrn Klos.

Zahlenspiele, die auch ein bisschen beruhigen, um besser nachdenken und sich Fragen stellen zu können. Was ist der Grund, warum haben 12.259 Menschen im Wahlkreis die AfD gewählt? Was hätte man anders machen können? Was kann man tun, um diese Menschen wenigstens größtenteils wieder für das demokratische Spektrum zurück zu gewinnen?

12.259 Menschen im Mannheim oberhalb des Neckars sind sicher nicht alle Rassisten. 2011 haben im Wahlkreis bei der Landtagswahl 1.344 NPD oder REP gewählt. Das waren dieses Mal noch 491. Nichtwählerinnen und Nichtwähler?

Schauen wir doch mal auf die Wähler/innenzahlen:

Gesamt CDU SPD GRÜNE
2011 47.970 13.007 16.405 10.187
2016 53.998 09.185 11.856 11.693
+/- +6.028 –3.822 –4.549 +1.506

Es waren also insgesamt 6.028 Wähler mehr als bei der letzten Landtagswahl, dazu kommt die Abwanderung von 3.822 Stimmen von der CDU und 4.549 Stimmen von der SPD. Damit waren insgesamt 14.399 Wählerinnen und Wähler „unterwegs“. Davon gingen 1.506 an mich und 12.259 an die AfD. 85% der Wählerbewegung ging also an die AfD. Das ist erschreckend. Die Strategie der AfD ist bekannt aus „Funk und Fernsehen“. Ich traf Menschen im Wahlkampf die sagten: „Die sind gar nicht so, wie sie von euch dargestellt werden“. Auch in den Talkshows treten sie in der Regel im Schafspelz auf.

Es gibt also vermutlich eine Art Solidarisierungseffekt: Alle sind gegen die AfD und damit schließen und vergrößern sich die Reihen derer, die unzufrieden sind, die den „Altparteien“ eins auswischen wollen, die sozial abgehängt sind, die rassistisch sind, die fremdenfeindlich sind, die hassen oder die unzufrieden sind. Vielleicht sollte man eine Umfrage unter den AfD-Wählerinnen und Wählern im Mannheimer Norden machen: „Warum haben Sie die AfD gewählt“, ganz ohne Vorwürfe zu machen – um zu besseren Antworten zu kommen.

Was nun tun? Die klare Kante darf weiterhin nicht gebrochen oder rund geschliffen werden. Da bin ich sicher. Vielfalt statt Einfalt ist und bleibt das Motto. Aber vielleicht müssen Angebote für die oben genannten Menschen dazu kommen. Es können, wie gesagt, nicht alles Rassisten oder Dummköpfe sein.

Vielleicht brauchen wir Veranstaltungsformen, in denen wir gezielt jene ansprechen, bei denen Begegnungen mit Flüchtlingen und Zuwanderern angeboten werden. Oder eine Art „Speakers‘ Corner“, bei der alles raus kann und die Grenze nur der mögliche Rassismus und die Volksverhetzung sind.

Vielleicht sollten wir Herrn Klos von der AfD herausfordern und in eine Bürgerversammlung einladen. Mal schauen, was vom Glanz des Direktmandats dann übrig bleiben würde. Wäre vielleicht keine schlechte Idee.

Und vielleicht müssen wir jetzt noch mehr zusammenhalten – über Parteigrenzen hinweg – und mit all den Parteilosen, die bereit sind, sich antirassistisch und demokratisch zu organisieren. Die Anständigen dürfen jetzt auf keinen Fall schweigen und darauf warten, was passiert. Unser „Ja zu Vielfalt statt Hass und Angst“ muss nicht nur lauter, es muss verständlicher werden. Letzteres geht nur, wenn wir das „Nein“ besser studieren.


Anm. d. Red.: Die oben genannten Zahlen basieren noch auf dem vorläufigen Endergebnis. Die Stadt Mannheim hat inzwischen das amtliche Endergebnis veröffentlicht.

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2 Kommentare

  1. abe gerade den Bericht auf Neckarstadt Blog gelesen. Wohne nach dem Tode von Vater in Neckarstadt-Ost. Bei dem Namen AFD bekomme ich schon einen dicken Klos in den Hals. Am 21. März gibt es die Internationale Wochen gegen Rassismus. Hier der Link dafür: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Wochen_gegen_Rassismus – ich finde Aktionen wie Nazis stoppen oder MA gegen Rechts einen Unsinn. Seine ganze Kraft für Flüchtlinge oder Migranten zu verwenden sinnvoller, Die anderen „Rechten“ kann man sowieso nicht umstimmen. Aktionen für Flüchtlinge z.B. Sprachkurse geben, Kleiderausgabe oder Essenausgabe 1000 mal besser, als gegen die Rechten zu demonstrieren.

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