Nachts immer wach an der Radrennbahn

Seit Jahren eine wahre Rennstrecke durch das Wohngebiet Centro Verde (Archivbild 2015) | Foto: Neckarstadtblog
Seit Jahren eine wahre Rennstrecke durch das Wohngebiet Centro Verde (Archivbild 2015) | Foto: Neckarstadtblog

Nachts mit 80 km/h durch die Tem­po-30-Zo­ne in unmittelbarer Nähe zur Verkehrsüberwachung. Aber nicht nur der Autolärm nervt die Anwohner.

Ein Kommentar von Martin Wiegand,
Co-Sprecher der Bürgerinitiative „Stammtisch Centro Verde“.
Er erschien zuerst in der Stadtteilzeitung herzog.

„Zieh ins Grüne in eine ruhige stadtnahe Lage“, versprach die GBG vollmundig den Käufern der Wohnungen mit Schlafzimmern auf die Straße An der Radrennbahn. Nun nach rund vier Jahren wissen wir, dass der Erwerb einer Wohnung hier sicher in keinem Punkt außer der Stadtnähe der Wahrheit entsprach. Die Straße An der Radrennbahn wurde durch den langen Umbau des Ulmenwegs zur beliebten Hauptverkehrsstraße und verlor ganz den Flair und die Bedeutung einer Anliegerstraße, die sie immer war. Trotz Einrichtung einer Tem­po-30-Zo­ne, für die unsere Bürgerinitiative „Stammtisch Centro Verde“ lange kämpfte, der 30er-Bodenmarkierungen und auch einer, wenn doch völlig unzureichenden aber vorhandenen Beschilderung, rasen hier die Autos mit 80 km/h und oft mehr zwischen 20 Uhr abends und 8 Uhr morgens durch die Straße. Ja, die Straße lädt eben ohne künstliche Hindernisse wie Blumenkübel, Bodenschwellen usw. zum Rasen ein. Offensichtlich können die Raser, die zwar einen Führerschein bestanden haben, Schilder nicht lesen.

Im Februar 2015 hatte sich fast die komplette Stadtspitze – alle vier Bürgermeister und der OB vor Ort versammelt und sich die Nöte der Anwohner angehört (Archivbild 2015) | Foto: Neckarstadtblog
Im Februar 2015 hatte sich fast die komplette Stadtspitze – alle vier Bürgermeister und der OB vor Ort versammelt und sich die Nöte der Anwohner angehört (Archivbild 2015) | Foto: Neckarstadtblog

Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Bett (nachts um 23:30 Uhr werktags) und versuchen zu schlafen. Das mag zwar woanders möglich sein, hier aber seit 2 Jahren sicher nicht. Erst beginnen die Raser und die frisierten Motoren mit lautem Geheule durch die Straße zu donnern. Sie waren gerade eingeschlafen und sind dann natürlich wieder wach. Sie schlafen wieder ein, dann gehen Gäste der umliegenden Kneipen laut schreiend nach Hause oder warten auf der Straße auf ein Taxi, das erst 20 Minuten später kommt und Sie sind nicht nur wieder wach, sondern kennen langsam auch die Lebensgeschichten, die Namen der Kinder, Hunde, Freundinnen, von denen die Frau nichts erfahren darf usw. Davon erwachen Hunde, die alleine in Gärten liegen und liefern sich ein Dauergebell von bis zu 1½ Stunden im längsten Fall. Sie waren gerade eingeschlafen – doch das erweckt Tote. Im Anschluss ziehen dann Gäste der Bowlingbahn, des Maxims usw. quer durch die Radrennbahn – wieder sich morgens nach 1 Uhr laut unterhaltend und wieder sind Sie wach. Sie versuchen also nochmals einzuschlafen, denn Sie müssen um 5 Uhr raus zur Arbeit. Dann wieder Hundegebell und Raser, was die Hühner der Kleintierzüchtervereine nicht wie normal erst gegen 6 Uhr weckt, sondern bereits gegen 3 Uhr in der Nacht und diese dann munter durchgackern lässt, bis Sie doch aufstehen müssen. Sie schlafen ein letztes Mal ein und kurz nach 5 Uhr hören Sie dann vom Hundeplatz auf der Herzogenriedstraße erneutes Gebell absolut rücksichtsloser Hundebesitzer, die vor der Arbeit (in der Nacht) den Hund rennen lassen, davon wieder aufgeschreckte Hühner, gleichzeitig die Raser. Aber dann ist es ja egal, Sie müssen eh zur Arbeit und das Recht auf eine Nachtruhe für die, die ihre Wohnungen in diesem „Paradies“ noch abbezahlen müssen, setzt niemand durch. Rücksichtslosigkeit ist hier oberste Lebensform. Wenn Sie hier wohnen wollen, müssen Sie taub sein oder dürfen keine frische Luft brauchen und müssen Ihre Fenster immer geschlossen halten.

Zum Wochenende kommen dann türkische Hochzeiten in der Nachbarschaft, bei denen die Musik so laut aufgedreht ist, dass Sie bis morgens um 4 Uhr auch nicht zum schlafen kommen. Sonntags mähen die Kleintierzüchtervereine plötzlich den Rasen oder es werden Minigolfbahnen mit Laubgebläsen sauber gemacht.

Also auch bei jedem Verständnis für Andere, wer hat denn noch Verständnis für die Anwohner? Das Recht auf eine Nachtruhe zwischen 22 und 7 Uhr steht uns zu, doch wen interessiert es?

Da kommt es uns doch gelegen, dass wir durch Baumängel in unseren Gebäuden über Wochen unsere Wohnungen nicht nutzen können, weil Wasserschäden getrocknet und Dächer repariert werden müssen. Wir müssen uns also woanders einquartieren und sehen dann – es ist überall in Mannheim ruhiger als An der Radrennbahn (Anm. d. Red.: Einige Anwohner der Neckarstadt-West wären für Tipps dankbar) und dass sonst Menschen auf andere Menschen Rücksicht nehmen – besonders nachts.


Nachtrag des Verfassers:

Mein Artikel im letzten herzog (Anm. d. Red.: und eben hier) stellt natürlich nicht die Meinung oder die Bedürfnisse aller Anwohner der Häuser An der Radrennbahn dar, viele haben auch einen besonders tiefen Schlaf und nehmen diese dauerhaften Ruhestörungen und die Rücksichtslosigkeit Fremder, ihren Nachbarn gegenüber gar nicht war. Ich wurde darauf von einigen Seiten aufmerksam gemacht. Es handelt sich dabei also um meinen privaten und persönlichen Artikel zu der Lärmsituation vor unseren Schlafzimmern, bei der wir schon seit über zwei Jahren krampfhaft Hilfe und Unterstützung in der Nachbarschaft suchen, um eine Nachtruhe für uns zu gewährleisten – es war dies auch nie anders gedacht und verfasst und daher nur mit meinem Namen unterschrieben. Da wir hier kaum Unterstützung finden, die Nachbarn sich aus Angst vor Konflikten oder der eigenen Ruhe willen lieber gar nicht äußern, und sich schon gar nicht für Mitbewohner und Nachbarn engagieren wollen, sind wir „Wenige“ eben auf uns alleine gestellt. Auch wenn wir „Wenige“, uns für die Belange und Nöte unserer Nachbarn immer engagiert, eingesetzt und diese damit immer unterstützt haben, unterstützen die Nutznießer unserer Hilfe uns leider nicht. Das nehmen wir zur Kenntnis. Unsere Unterstützung kommt eben dann aus dem Herrenried und von neu Zugezogenen, wo man die gleiche Problematik hat und all das hört, was wir auch hören müssen. Man darf aber dann sicher auch keine Unterstützung mehr von uns, in egal welchem Punkt, erwarten. Nachbarschaft und Zusammenhalt sind eben keine rein einseitige Nehmerkultur. Da dies offensichtlich bei Einigen nicht oder falsch verstanden wurde, möchte ich dies hier kurz klarstellen. Künftig also jeder für sich – so wie es heute leider allgemein üblich ist.

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3 Kommentare

  1. Herr Wiegand, Sie haben, mit Verlaub, ein Rad ab! Die Vereine und ihre, diversen Lokalitäten, der Hundeplatz, das Maxims und das Bowlingcenter waren, lange bevor das Centro Verde errichtet wurde, da. Wenn ich mir eine Wohnung, ein Haus neben einem Kinderspielplatz kauft, darf sich nicht beschweren, dass dort Kinder Spielen.

  2. Centro-Verde Bewohner/ innen hatten sich auch darüber aufgeregt, als in der Zielstrasse -angrenzend an unser Wohngebiet Exerzierplatz – ein Bordell eröffnet wurde.
    Centro-Verde endet an der Herzogenriedstraße. Am deren Ende liegt das Seniorenheim, der Übergang Ulmenweg, der Autohandel,die Farbenfirma und ein Reifengeschäft.
    Alles „Meilenweit“ von Centro-Verde entfernt.
    Selbst unser kleines Wohngebiet war nicht unmittelbar davon betroffen, da es kein Durchgang gibt.
    Ich ärgere mich auch über Leser/innen, die sich über Störungen beschweren, obwohl alles schon da war, bevor sie zugezogen sind.
    Im übrigen habe ich weder von Centro-Verde, noch vom Herzogenried, geschweige denn von Turley Bewohner/ innen gehört, dass sie Kontakt zum Exerzierplatz aufgenommen hätte. Vielleicht ist mir das ja entgangen.

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