Aktuelles Politik Stadtentwicklung

Bislang größte „Fridays for Future“-Demo in Mannheim

Mit mehr als 8000 Menschen protestierte die bisher mit Abstand größte „Fridays for Future“-Demo in Mannheim vom Hauptbahnhof bis zum Alten Messplatz.

„Wir wollen, dass alle teilnehmen können“ begründeten die „Fridays for Future“-Aktivist*innen ihre Entscheidung, das erste mal eine Demo in den späten Nachmittag zu verlegen. Tatsächlich ist ihnen gelungen, was sie vor hatten: Es kamen viel mehr Menschen als bisher und zwar aus den unterschiedlichsten Bereichen. Während in den vergangenen Monaten vor allem Schüler*innen das Bild prägten, waren nun alle Altersgruppen vertreten: Senioren, Eltern mit ihren Kindern, Jugendliche, junge Erwachsene… Hinter dem Banner „Parents for Future“ versammelte sich die ältere Generation, um der Jugend den Rücken zu stärken. „Wir sind stolz auf euch“ schrieben die Eltern und Großeltern in einer Erklärung. Erstmals hatten neben „Fridays for Future“ auch große Organisationen, wie Kirchen und Gewerkschaften zum Klimaprotest aufgerufen.

Die "Parents for Future" sind stolz auf ihren Nachwuchs | Foto: CKI
Die „Parents for Future“ sind stolz auf ihren Nachwuchs | Foto: CKI

Aktionen den ganzen Tag, Großdemo am frühen Abend

Ivan von der Mannheimer „Fridays for Future“-Gruppe berichtete vom globalen Aktionstag. Trotz Verlagerung des Demobeginns in den späten Nachmittag seien Leute schon seit dem Vormittag in Mannheim auf den Beinen gewesen, hätten Die-Ins (i) in den Planken und Gesprächsrunden am Hauptbahnhof organisiert, wo ein Streikposten den ganzen Tag als Anlaufstelle und Informationspunkt aufgebaut war.

Foto: CKI
Foto: CKI

Zum globalen Earth Strike seien Menschen in über 500 Städten auf die Straße gegangen. Neben dem Klima Gipfel in New York sei auch die heutige Veröffentlichung der Bundesregierung zum Klimapaket ein Anlass zu demonstrieren, da man mit den Ergebnissen alles andere als zufrieden sein könne. „Das ist #NotMyKlimapaket!“ kommentierte „Fridays for Future“ bei Twitter.

Die Demonstration zog vom Hauptbahnhof über die Planken zum Marktplatz, wo es eine Zwischenkundgebung gab. Von dort ging es weiter zum Abschluss auf dem Alten Messplatz. Auf einem riesigen Banner, das über die Demo gespannt wurde, war zu lesen: „Defend Solidarity! Klimakatastrophe verhindern! Kapitalismus überwinden!“

„Fridays for Future“ in Mannheim wächst enorm

Foto: CKI
Foto: CKI

Anfangs sprach die Polizei von etwa 5000 Teilnehmer*innen, korrigierte ihre Schätzung am Ende nach oben auf mehr als 8000. Die Veranstalter*innen sprachen von geschätzten 10.000 Menschen, die sich der Demo angeschlossen hatten. Auf jeden Fall war es die bisher mit Abstand größte „Fridays for Future“-Demo in Mannheim.

Auch in anderen Städten gingen tausende auf die Straße. Aus Heidelberg wurde von ca. 10 000 berichtet, in Ludwigshafen immerhin einige hundert, in Stuttgart waren es 30.000, in Hamburg sogar 70.000 und die größte Demo in Deutschland fand in Berlin mit rund 100.000 Menschen statt. Weltweit sollen es Millionen gewesen sein, die sich am globalen Aktionstag beteiligten.

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Alten Messplatz drückte Ralph Hartmann, Dekan der evangelischen Kirche, den Teilnehmer*innen seinen Respekt aus. Doch um wirklich etwas zu erreichen, müsse man noch viel mehr Menschen überzeugen. Kiyen aus Chile von der indigenen Volksgruppe der Mapuche erinnerte daran, welche Auswirkungen klimaschädliche Verhaltensweisen global haben. Der Kapitalismus zerstöre die Lebensgrundlagen vieler indigener Völker. Eine Sprecherin des Bündnis für gerechten Welthandel erklärte, wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz seien durchaus umsetzbar. Man müsse sie nur wollen und sie müssten nicht einmal etwas kosten, so zum Beispiel die längst überfällige Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen.

… doch die Politik drückt nur die Schlummertaste | Foto: CKI
… doch die Politik drückt nur die Schlummertaste | Foto: CKI

„Fridays for Future“ macht weiter

Politiker*innen verschiedener Parteien solidarisierten sich mit der Demo. Einige nahmen teil, Parteifahnen waren aber seitens der Organisator*innen unerwünscht. Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Gökay Akbulut, versicherte den Teilnehmer*innen ihre Unterstützung: „Das Mindeste, das wir beitragen können, ist die schnellstmögliche Stilllegung des Großkraftwerks hier in Mannheim. Die Zeit der schönen Worte ist längst abgelaufen, nun sind Taten gefragt.“

Die Mannheimer „Fridays for Future“-Gruppe lud die Demonstrierenden zum Mitmachen ein. „Als Teil der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung kämpfen wir weiter für eine gute Zukunft für alle und sind so viele wie noch nie!“ Die regelmäßigen Treffen im Jungbusch seien offen, Mitmachen ist erwünscht. Am 27. September ist eine nächste Aktion geplant und auch danach werde es weitergehen. Wenn es bei der Bundesregierung kein wirkliches Umdenken gäbe – und das habe sich am gerade veröffentlichen Klimapaket deutlich gezeigt – müsse es auf jeden Fall mit den Demos weitergehen. „Dann schaffen wir die Klimagerechtigkeit eben von unten.“

Fridays for Future:
Treffen jeden Sonntag um 13 Uhr im Jungbusch, Infos über fffma@riseup.net

Parents for Future:
Treffen am ersten Montag des Monats um 19 Uhr, Infos über parentsforfuture-mannheim@web.de

Dieser Bericht erschien auch bei Kommunalinfo Mannheim. Bilder von CKI und M. Schülke

Werbung

Das Neckarstadtblog dankt für die Unterstützung von:

Café COHRS, Buchbinderei Annette Schrimpf
Mannheim sagt Ja! (Kommende Veranstaltungen in 2019)

Werbung
Hannibal im Ländle – Rechte Schattennetzwerke in Polizei und Bundeswehr, Referentin: taz-Reporterin Christina Schmidt Mittwoch, 23. Oktober 2019 um 19 Uhr Veranstaltungsort: Eintanzhaus in G 4,4, Mannheim

1 Kommentar zu “Bislang größte „Fridays for Future“-Demo in Mannheim

  1. Es wäre für die Zukunft wünschenswert, dass die Planungsverantwortlichen der Demonstrationen nicht den Komplettausfall des öffentlichen Nahverkehrs in Kauf nehmen würden. Berufstätige (ja, Freitag 17 Uhr arbeiten durchaus noch eine Menge Leute, es kann genau so eben NICHT jeder teilnehmen) die ihren Arbeitsweg täglich ohne Pkw bewältigen schauten in die Röhre, während der Fahrzeugstrom sich halt einfach einen Weg um die Demo herum bahnt. In dieser Hinsicht ein in sich nicht schlüssiges Konzept.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.