Die Multihalle in Venedig

Das charakteristische Planendach der Multihalle (Archivbild) | Foto: M. Schülke
Das charakteristische Planendach der Multihalle (Archivbild) | Foto: M. Schülke

„Sleeping Beauty – Reinventing Frei Otto’s Multihalle“ ist der Titel der Ausstellung zur Multihalle, die aus ihrem „Dornröschenschlaf“ wieder erwachen soll.

Pressemitteilung der Stadt Mannheim:

Anlässlich der 16. Internationalen Architektur-Biennale Venedig, die vom 26. Mai bis zum 25. November 2018 stattfindet, stellt das saai am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Kooperation mit der Stadt Mannheim die Multihalle Mannheim mit einer Ausstellung in den Kontext des diesjährigen Biennale-Themas „Freespace“. „Sleeping Beauty – Reinventing Frei Otto’s Multihalle“ ist der Titel der Ausstellung zur Multihalle, die aus ihrem „Dornröschenschlaf“ wieder erwachen soll. Die Ausstellung in Venedig stellt die Multihalle und die Idee ihrer Zukunft einer internationalen Szene vor – oder erzählt denjenigen, die schon von ihr wissen, mehr. Als Ausstellungsraum dient ein Hafengebäude auf der Guidecca, ein authentischer venezianischer Ort.

Die Ausstellung

„Sleeping Beauty“ knüpft an die erfolgreiche Ausstellung „Frei Otto – Denken in Modellen“ an, die von November 2016 bis März 2017 im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe zu sehen war. Die Ausstellung in Venedig konzentriert sich nun auf die Multihalle. Es ist damit die weltweit erste Ausstellung über dieses faszinierende Bauwerk. Das Konzept eröffnet den Besuchern einen doppelten Blick auf die Multihalle: Einerseits wird anhand von wertvollem Archivmaterial die experimentelle Entstehungsgeschichte des Bauwerks gezeigt. Andererseits wird anlässlich der aktuellen Debatten um den Erhalt auch ein Blick in die Zukunft geworfen und neue Ideen, Programme und Konzepte der Nachnutzung werden vorgestellt – und damit auch die Entwicklung vom Bau-Objekt zum Diskurs-Objekt.

Neues und nachhaltiges Konzept für die Multihalle

Heute, 40 Jahre nach dem Bau der ursprünglich als temporäres Bauwerk geplanten Multihalle und einigen Jahren Leerstand, arbeitet die Stadt Mannheim zusammen mit einer engagierten Gruppe aus Kulturschaffenden, Architekten, Nachbarn, Bürgern, Ingenieuren und Universitäten an einem neuen und nachhaltigen Konzept für die Halle im Herzogenriedpark, um damit den langfristigen Erhalt sicherzustellen. Dieser offene und kollektiv gestaltete Prozess ist einmalig in Deutschland.

„Die Multihalle ist ein ingenieurtechnisches Meisterwerk, das uns aber auch vor Herausforderungen stellt. Die geplante ‚Neu-Erfindung‘ der Multihalle steht zugleich symbolisch für die Transformation unserer Stadt, denn Mannheim befindet sich in einem umfassenden Erneuerungsprozess. An einer Zukunftskonzeption für die Multihalle besteht sowohl ein wissenschaftliches und künstlerisches aber auch ein öffentliches Interesse“, erläutert Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, der zur Eröffnung der Biennale die Stadt in Venedig vertreten wird.

Das Thema „Freespace“ der diesjährigen Biennale basiert auf der These der Kuratorinnen, dass Humanität im Mittelpunkt der Architekturagenda steht. Das Werk Frei Ottos und damit die Multihalle als Dach für die offene Gesellschaft („democratic umbrella“) korrespondiert mit diesem Thema: Frei Otto, der den Pritzker-Preis nicht nur als Ingenieur und Architekt erhalten hat sondern als Humanist.

Projektinitiatoren und Kuratoren der Ausstellung sind die Berliner Urbanistin und Kuratorin Sally Below und Georg Vrachliotis, Professor für Architekturtheorie und Leiter des Archivs für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der auch die Frei Otto-Ausstellung als Kurator verantwortete. Beide beraten die Stadt Mannheim seit längerem bei der aktuellen Projektentwicklung zur Neuprogrammierung der Multihalle. Ausstellungsarchitekt ist Marc Frohn vom Büro FAR frohn&rojas, ebenfalls Professor am KIT.

Die Multihalle in Mannheim

Die von Frei Otto und Carlfried Mutschler für die Bundesgartenschau 1975 in Mannheim gebaute Mehrzweckhalle gilt weltweit als die größte Holzgitterschalenkonstruktion. Mit ihrer experimentellen Entstehungsgeschichte, ihren offenen Raumqualitäten und ihrer Einbettung in die urbane Topographie von Stadt und Landschaft verkörpert die Multihalle einen „offenen Raum“ für eine „offene Gesellschaft“.

Frei Ottos Hinwendung zum Experiment basierte nicht auf einer Systematisierung von Architektur im engen Sinne der Naturwissenschaften, sondern auf der künstlerischen Interpretation. Das unermüdliche Experimentieren am Modell diente der Erforschung von räumlichen Qualitäten und Wirkungsweisen. Frei Otto legte damit die „Grundlage für eine schöpferische Experimentalkultur, bei der es um eine fortwährende Kalibrierung von Auge und Hand, wissenschaftlicher Beobachtung und technischem Geschick geht, eine handwerklich­intellektuelle Selbstjustierung, in der das Entwerfen interdisziplinäre Erkenntnisproduktion, aber eben auch Ausgangspunkt für einen kollektiven Diskurs über die Zukunft der Gesellschaft bedeuten kann“, schreibt Prof. Dr. Georg Vrachliotis in seinem Buch „Frei Otto Carlfried Mutschler MULTIHALLE“ und ist überzeugt, dass „die Multihalle diese Haltung wie kein zweites Gebäude des 20. Jahrhunderts verkörpert.“

Die Architektur-Biennale in Venedig

Die Architektur-Biennale in Venedig ist die bedeutendste internationale Ausstellung für Architektur und Städtebau. Alle zwei Jahre bietet sie einen Überblick über aktuelle Strömungen und stellt in den Länderpavillons nationale Tendenzen und Leistungen vor.

Das diesjährige Thema der Architektur-Biennale 2018 ist „Freespace“. Die Kuratorinnen Farrell und McNamara erklären ihre Themenwahl folgendermaßen: „Freespace beschreibt eine Großzügigkeit des Geistes. Humanität steht im Mittelpunkt einer Architektur-Agenda, die sich auf die Qualität des Raumes konzentriert.“ Den beiden Architektinnen geht es um die Fähigkeit der Architektur, den Raum als eine Gabe für die künftigen Nutzer zu begreifen.

Webseite: mannheim-multihalle.de

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