Zehn Straßen in der Neckarstadt-Ost von Aktivist*innen symbolisch umbenannt

Am Sonntagabend hat eine Gruppe von Aktivist*innen zehn Straßen in der Neckarstadt-Ost symbolisch nach den Mordopfern des NSU umbenannt.

Anlässlich der anstehenden Urteilsverkündung im NSU-Prozess erhielten die Straßen in der Neckarstadt-Ost symbolisch die Namen jener Menschen, die bei der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) Anfang der 2000er ermordet wurden.

Eine Sprecherin aus dem Umfeld der Interventionistischen Linken (IL) Rhein-Neckar in einem Facebook-Beitrag zur Aktion folgendermaßen zitiert:

Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter.

Zehn Namen. Zehn Tote. Sie sind die zehn Menschen, die der NSU ermordete. Sie und ihre Angehörigen sind diejenigen, die in diesen Tagen im Mittelpunkt stehen müssen. Ihrer wollen wir mit dieser Aktion gedenken.

In ihrer öffentlichen Bekanntmachung kritisieren die als linksradikal geltenden Aktivist*innen vollkommen zurecht, die mangelhafte juristische Aufarbeitung der Verstrickungen deutscher Behörden in die Mordserie. Am Mittwoch, 11. Juli 2018, soll in München nach fünfjährigem Prozess das Urteil gegen Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte  gesprochen werden. Das Urteil könne allerdings „kein Schlussstrich sein, sondern nur der Anfang einer Aufarbeitung.“ Bundesweit gibt es Protestaktionen zum Ende des NSU-Prozesses (s. Twitter-Hashtag #keinschlussstrich, s. Bericht des WDR).

#keinschlussstrich

Die Umbenennung der Straßen soll dem Wunsch der Aktivist*innen nach zu einer Auseinandersetzung mit der rassistischen Mordserie anregen.

Die Lange Rötterstraße wurde zur Enver-Şimşek-Straße umbenannt, dem ersten Ermordeten des NSU im Jahr 2000. Aus Richtung der Alten Feuerwache kommend bis zur Friedrich-Ebert-Straße sind die auf der rechten Straßenseite kreuzenden Straßen in der zeitlichen Abfolge der Morde bis zum Jahr 2007 umbenannt. Der Clignetplatz wurde zum Habil-Kılıç-Platz.

Eine Ausnahme bildet die Max-Joseph-Straße: „Wir haben diese nach Halit Yozgat in Halit-Allee umbenannt, da dessen Ermordung im Jahr 2006 in Anwesenheit eines deutschen Verfassungsschutzbeamten die Verstrickungen von Behörden und NSU sowie den weiteren Aufklärungsbedarf in besonderer Weise aufzeigt“, heißt es in der Erklärung der Aktivist*innen.

Unter jedem Schild ist eine Gedenktafel mit Informationen zu den Ermordeten zu finden.


Mit Material aus dem Facebook-Beitrag der Aktivist*innen.

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