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Nachbarschaft Stadtentwicklung

Pavillon am Neumarkt: Kritik an Abstimmungsprozess

Bürgerbeteiligung nach Mannheimer Art: 222 Stimmzettel entscheiden über fertige Konzepte. Doch es hagelt harsche Kritik.

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Die MWSP hat Anfang Februar bekannt gegeben, dass die Entscheidung über den Pavillon am Neumarkt in der Neckarstadt-West gefallen sei. Laut MWSP sollen vermeintlich alle Haushalte in der Neckarstadt-West einen Abstimmzettel zur Wahl des Pavillons per Postwurf erhalten haben. Dies bestreiten jedoch mehrere Bürgerinitiativen, die in der Neckarstadt-West aktiv sind. Das Offene Stadtteiltreffen Neckarstadt kritisiert das Vorgehen der MWSP und bewertet es als eine Pseudo-Beteiligung. Auch das Netzwerk Wohnumfeld der Bürgerinitiative Neckarstadt sieht das ähnlich.

Abstimmzettel nicht für alle Haushalte

Dem Offenen Stadtteiltreffen Neckarstadt sei auf den letzten beiden Online-Treffen von einigen Anwohnenden zugetragen worden, dass sie einen Abstimmzettel nie erhalten hätten. Andere berichten, dass diese Zettel in hohen Mengen frei in Hauseingängen oder am Neumarkt rumlägen. „Die Rückmeldungen aus der Nachbarschaft und die marginale „Wahlbeteiligung“ von 222 Stimmen (Einwohner*innen Neckarstadt-West: über 22.000) zeigen deutlich, dass das Vorhaben der MWSP alles andere als eine echte Beteiligung der Mehrheit der Menschen in unserem Stadtteil darstellt. Wir fordern verlässlichere Rahmenbedingungen in der Durchführung solcher Beteiligungsprozesse“, so Imre Uysal, aktiver Anwohner und einer der Sprecher*innen des Offenen Stadtteiltreffens.

Die MWSP hat aus ihren Fehlern nicht gelernt

„Der intransparente und nicht barrierefreie Entstehungs- und Beteiligungsprozess der Lokalen Stadterneuerung (LOS) geht auch in der Umsetzung der darin enthaltenen Maßnahmen weiter. Die MWSP hat aus ihren Fehlern nicht gelernt und verkauft stattdessen eine Pseudo-Abstimmung als großes Beteiligungsprojekt für den Stadtteil. Doch die Menschen im Stadtteil werden sich nicht weiter für blöd verkaufen lassen“, so Uysal weiter. Weiterhin wird kritisiert, dass die Anwohnenden bisher keine Gelegenheit bekommen, sich mit eigenen Projekten und Ideen an der Gestaltung des Neumarktes aktiv zu beteiligen. Außerdem ist die abschließende Frage der Nutzungsrechte der einzelnen LOS-Projekte ebenfalls immer noch nicht geklärt.

Zum Offenen Stadtteiltreffen Neckarstadt

Das Offene Stadtteiltreffen Neckarstadt hat sich 2018 gegründet und ist eine unabhängige Initiative der Anwohnenden im Stadtteil Neckarstadt. Seit ihrer Gründung begleitet die Initiative die steigenden Mietpreise und den Ausverkauf des Stadtteils an Privatinvestoren kritisch. Das Offene Stadtteiltreffen findet jeden zweiten Freitag im Monat statt. Während des Lockdowns finden Online-Meetings statt, zu der alle Menschen aus dem Stadtteil eingeladen sind.

E-Mail: neckarstadt@stadtteiltreffen.de
Facebook: fb.com/offenes.stadtteiltreffen.neckarstadt
Instagram: @OST_Neckarstadt

Quelle: Pressemitteilung des Offenen Stadtteiltreffens Neckarstadt

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Pressemitteilung der MWSP:

Die Neckarstadt-West stimmte ab – Ergebnis Bürgerbeteiligung „Pavillon Neumarkt“

Um die Aufenthaltsqualität zu steigern, wird der Neumarkt als öffentlicher zentraler Platz der Neckarstadt-West seit 2019 auf Initiative der Lokalen Stadterneuerung (LOS) punktuell umgestaltet. Der Gewinnerentwurf von ‘Greenbox Landschaftsarchitekten’ aus einem in 2018 durchgeführten Wettbewerb soll das Nutzungsangebot am Neumarkt optimieren, um einen qualitativen Mehrwert für den Stadtteil zu erzielen. Nachdem in den letzten zwei Jahren schon einige Maßnahmen umgesetzt wurden, soll ein Pavillon auf der Stadtbühne neue Nutzungsmöglichkeiten für die Bewohner*innen schaffen.

In diesem Zusammenhang wurde in Kooperation mit der Hochschule Darmstadt für die Studenten*innen des Fachbereichs Architektur unter der Leitung von Prof. Kerstin Schultz ein Wettbewerb ausgelobt. Neben öffentlichen Toiletten und einer Trinkwasserstation soll der eingeschossige Pavillon auch Sitzmöglichkeiten und überdachte, wettergeschützte Bereiche vorhalten. Insbesondere aber liegt dem Pavillon die Idee zugrunde, Kindern und Jugendlichen als Bildungsstätte im öffentlichen Raum zu dienen. Hier sind Angebote des Projektes „Campus Neckarstadt-West“, der Neckarstadt-Kids oder der angrenzenden Schulen sowie weiterer Akteure denkbar.

Im Dezember 2020 hingen drei durch die Steuerungsgruppe LOS vorausgewählte Entwürfe für einen möglichen Pavillon zwei Wochen lang am Neumarkt zur Abstimmung aus. Alle Bewohner*innen des Stadtteils wurden per Postwurfsendung und Plakate über die Beteiligung informiert und waren eingeladen, ihre Stimme abzugeben.

Für Detailinformationen und Erläuterungen standen online Erklärvideos zu den Entwürfen in drei weiteren Sprachen zur Verfügung.

Die offizielle Auszählung durch Larissa Mikulasch, Bezirksleiterin ‘Bürgerservice Zentrum Mitte’ des Fachbereichs Bürgerdienste der Stadt Mannheim, ergab, dass der Entwurf der Studentin Julia Heinz „Adaption“ die meisten Stimmen erhalten hat. Den zweiten Platz belegte To-To Tran mit ihrer Idee „Strukturelle Vielfalt“. Der dritte Platz ging an Louisa Rehm mit „Vorhang auf“.

Mit dem Titel „Adaption“ beschreibt Julia Heinz zugleich die Besonderheit ihres Entwurfes: „Ich wollte mit einer einfachen Architektur komplexe Nutzungsszenarien entwickeln. Das heißt, der Pavillon ist mit wenigen Handgriffen komplett umbaubar. Ob Kinoabend, Sommerfest, Workshop oder Lesestunde – alles ist umsetzbar.“

Auch Achim Judt, Geschäftsführer der städtischen Entwicklungsgesellschaft MWSP, freut sich über den Wahlausgang und ergänzt: „Eine flexible umbaubare Raumstruktur, die unterschiedlichste Nutzungsmöglichkeiten bietet, ist eine gelungene Antwort für die gestellte Aufgabe. Das Einbeziehen der Bodenmarkierung und das Mitdenken von Bepflanzung und Bäumen kann dem Ort eine tolle Atmosphäre verleihen. Nun gilt es, diesen Entwurf auf Machbarkeit, Genehmigungsfähigkeit und Akzeptanz zu prüfen.“

Die nächsten Schritte werden die konzeptionelle Entwicklung sowie die Prüfung der baulichen Rahmenbedingungen am Neumarkt sein. Gespräche mit möglichen Akteuren, die sich zur Bespielung eines Pavillons eignen, werden aufgenommen. Viele Akteure aus dem Quartier sollen miteinbezogen werden, um einen attraktiven Ort der Begegnung für den Stadtteil zu schaffen. Deshalb werden auch die kritischen Stimmen, die es während des Abstimmungsprozesses im Dezember gegeben hat, in die weiteren Überlegungen einfließen.

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