Leserbrief einer Mieterin im Adolf-Damaschke-Ring

Folgenden Leserbrief zum Thema Adolf-Damaschke-Ring haben wir erhalten und veröffentlichen ihn hier gerne.

Ich bin betroffene Mieterin im Adolf-Damaschke-Ring (Feudenheim) und wohne dort nun schon seit fast 20 Jahren . Noch immer bin ich fassungslos über das skrupellose Verhalten der GBG und der Stadt Mannheim, langjährige MieterInnen um ihr bisheriges – noch bezahlbares – Zuhause bringen zu wollen.

Nicht nur dass wir unsere Wohnung verlieren – eine zukünftige Miete von 12 € pro Quadratmeter kann sich hier keiner mehr leisten. Nein, wir verlieren unseren Lebensmittelpunkt in Feudenheim – unsere Heimat! Und es betrifft nicht nur die inzwischen zum Teil seit Jahrzehnten ansässigen RenterInnen, sondern auch junge Familien, Alleinerziehende und Alleinstehende.

Gerade diese gemischte Anwohnerpopulation macht den Adolf-Damaschke-Ring zu etwas ganz Besonderem.

Feudenheim – ein noch bezahlbares Zuhause für alle Einkommensschichten. Gewachsene Beziehungen aller Generation untereinander und Nachbarschaftshilfe prägen das Leben im Adolf-Damaschke-Ring.

Leider hat die GBG in den letzten 50 Jahren durch fehlende Sanierungsmaßnahmen versäumt, die Wohnungen auf dem aktuellen Standard zu halten. Es wurden lediglich die Fenster ersetzt (und dies auch nur auf eine Initiative der damaligen MieterInnen) und in Fernwärme investiert.

Es darf nicht sein, dass die GBG dieses eigene Verschulden nun zu Lasten der jetzigen Mieter korrigieren will – durch Abriss und Neubau von Luxuswohnungen und damit die Vertreibung der jetzigen Anwohner des Adolf-Damaschke-Rings aus Feudenheim – zumal eine Sanierung der Häuser durchaus machbar wäre. Diese Gentrifizierung ist einer Stadt wie Mannheim unwürdig!

Ich fordere den Gemeinderat, die GBG, den Oberbürgermeister Herrn Dr. Peter Kurz und die Stadt Mannheim auf, Verantwortung für das Schicksal der Bewohner des Adolf-Damaschke-Rings zu übernehmen und sich dem Beschluss des Bezirksbeirates Feudenheim anzuschließen – die Sanierung des Adolf-Damaschke-Rings! Und dies als verbindliche Zusage an die betroffenen Mieter im Adolf-Damaschke-Ring (Feudenheim) – und zwar noch vor der OB- Wahl!

Conny Straub


Update: Ein weiterer Leserbrief:

Als betroffene Mieterin des Adolf-Damaschke-Rings fordere ich Herrn Oberbürgermeister Dr. Kurz und alle Parteien des Gemeinderates auf, sich gegen den geplanten Abriss am Adolf-Damaschke-Ring auszusprechen. Die Gelegenheit hierzu bietet sich in der nächsten Gemeinderatssitzung am 10.02.2015.
Außerdem fordere ich den Aufsichtsrat der GBG auf, bei der nächsten Sitzung verbindlich zu beschließen, dass die Pläne zum Abriss am Adolf-Damaschke-Ring aufgegeben werden. Darüber sollten die Bewohner dann umgehend offiziell informiert werden.

Das Vorhaben der GBG, die betroffenen Mieter noch 4 Jahre im Ungewissen zu lassen, ob die Wohnungen abgerissen werden oder nicht, ist in höchstem Maße unmenschlich. Ich weiß nicht, ob sich eines der Aufsichtsratsmitglieder vorstellen kann, unter welcher nervlichen Anspannung die Bewohner des Adolf-Damaschke-Rings seit Monaten leben.

Wo bleibt die politische Verantwortung für die Bürger von ganz Mannheim? Hört diese bei den Bewohnern des Adolf-Damaschke-Rings auf? Es handelt sich hier nicht um Mieter zweiter Klasse!

Durch diese Mieter hat die GBG in den letzten Jahrzehnten gutes Geld verdient.
Dass wir dafür, was Sanierungen angeht, bisher vernachlässigt wurden, ist nicht die Schuld der Mieter, sondern der Verantwortlichen der GBG.
Dass allerdings jetzt im Hauruck-Verfahren festgestellt wird, dass sich eine Sanierung nicht mehr rentiert, und man doch lieber besser verdienende Mieter in gehobenem Wohnraum haben möchte, ist eine Farce.

Der Adolf-Damaschke-Ring ist eine gewachsene Wohngegend, in der manche Mieter schon seit 30 Jahren leben. Es hat sich ein gutes soziales Umfeld entwickelt. Es werden Freundschaften und Nachbarschaften gepflegt.
Für Familien mit Kindern ergibt sich durch den in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Kindergarten und die parkähnliche Gestaltung des Umfeldes ein idealer Lebensmittelpunkt. Und dies soll alles zerstört werden, nur weil die GBG eine andere Mieterschaft am Adolf-Damaschke-Ring bevorzugen würde? Auch wenn die GBG das „gemeinnützige“ zwar noch im Namen führt, seit Jahren aber nicht mehr „gemeinnützig“ ist, sollte sie sich doch auf die eigentliche Aufgabe besinnen.
Gerade in Feudenheim gibt es mehr Wohnungsangebote für gut bis sehr gut verdienende Menschen als für Normalverdiener. Sollte die Gruppe der Normalverdiener nun auch noch aus Feudenheim verdrängt werden, kann man nur festhalten, dass die GBG dafür gesorgt hat, dass Feudenheim ein elitärer Vorort von Mannheim geworden ist. Ob das sinnvoll ist, bleibt die Frage!

Ich spreche mich ganz deutlich für eine komplette Sanierung des Adolf-Damaschke-Rings aus und fordere die Zusicherung, dass alle Bewohner nach der Sanierung wieder in ihre Wohnung zurückkehren können.

Bettina Schott


In der Neckarstadt-Ost hat die GBG ähnliche Pläne und hat die Häuser in der Carl-Benz-Straße schon gut zur Hälfte erfolgreich entmietet, wie im Mannheimer Morgen nachzulesen war.

Werbung
Spenden für unabhängigen Journalismus aus der Neckarstadt

Zum Beispiel ab 1 Euro monatlich.

Andere Möglichkeiten zu spenden findet Ihr hier.


Das Neckarstadtblog dankt für die Unterstützung von:
Café Cohrs, Buchbinderei Annette Schrimpf

1 Kommentar

  1. Sehr gut. Ich kann mich beiden Frauen nur anschliessen. Es ist nicht die Schuld der Mieter, sondern der GBG. Es geht hier nur um PROFIT: Seit 6 Jahren stehen in der C-B-Straße die Wohnungen leer, es wurde nichts getan, trotz immer und immer wieder nachgefragt wurde. Auf die Mieter kommen erhebliche Kosten zu. Angefangen von dem ganzen Papierkram-Ummeldung, Personalausweiss, Führerschein etc. Viele können dann ihre Möbel nicht mehr stellen, da die Wohnungen umgebaut werden sollen. Ich koche sehr gerne mit Gas und würde mich nur ungern von meinen teuren Gasofen verabschieden müssen. So ein Induktionsfeld kostet ca. 1000.-€ und viele der Mieter können sich diese Ausgaben nicht leisten. Es ist ein Unverschämtheit wie die GBG IHRE MIETER behandelt. Wirt sind Menschen zweiter Klasse, nur weil wir kein monatliches Gehalt von 10.000.-€ beziehen. Es wird keine Rücksicht auf die Mieter genommen. Ich wohne seit meiner Geburt hier-mein ganzes Leben, 60 Jahre und jetzt soll ich mein soziales Umfeld, meine Freunde verlieren, nur weil die GBG nur aufs Geld aus ist. Selbst wenn die Häuser saniert werden, die Kosten bleiben. Die GBG zahlt nur einen Umzug. Und in die neuen Wohnungen kommen nur die billigsten Materialien. Ich habe mir die WHG. in der Mainstr. angesehen und ich muss sagen, sie sind nicht schön. Überall ein billiger dunkler Boden verlegt, keine Badewanne mehr, nur eine häßliche Nasszelle, eine winzige Küche. Ich möchte da nicht hinziehen. Aber die GBG nimmt keinerlei Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse der Mieter. In meine Wohnung habe ich sehr viel Geld gesteckt, das gibt mir auch niemand zurück. Die GBG sollte sich schämen.

Schreibe einen Kommentar

Alle Kommentare werden manuell freigeschaltet. Wir bitten um etwas Geduld.

Durch Abschicken des Formulars erteile ich die Genehmigung zur Veröffentlichung und Verarbeitung der eingegeben Daten. Weitere Informationen hierzu in unserer Datenschutzerklärung.