Mietrebellen und Mieter-Verpreller

Der Miethai geht in Mannheim um | Foto: WGDS?
Der Miethai geht in Mannheim um | Foto: WGDS?

Das stadtpolitische und gentrifizierungskritische Bündnis „Wem gehört die Stadt? Mannheim“ (WGDS?) lud am Samstagabend, 7. März, zu einer Vorführung des Filmes „Mietrebellen“ mit anschließender Diskussion ins Jugendkulturzentrum FORUM ein.

Die knapp 100 Anwesenden wurden von Anne, einer Aktivistin des WGDS?-Bündnisses, begrüßt. Zusammen mit Matthias Coers, einem der beiden Regisseure des Films, gab sie eine kurze thematische Einführung in aktuelle wohnungspolitische Probleme deutscher Großstädte.

Der Film „Mietrebellen“, der bereits auf mehreren internationalen Filmfestivals vorgeführt wurde, handelt von verschiedenen wohnungspolitischen Bündnissen in Berlin, die ihr Haus bzw. ihr Wohnumfeld vor Umnutzung durch Großinvestoren bewahren möchten. Hierbei wird einerseits deutlich, wie stark der Zusammenhalt vieler Bewohner ist, und zum anderen, wie skrupellos manche Hauseigentümer und Investoren vorgehen. So erhielt beispielsweise eine gehbehinderte Frau mit kleiner Rente eine fristlose Kündigung aus ihrer Wohnung, weil der neue Eigentümer diese für mehr Geld vermieten wollte. In einem anderen Fall sollte ein Senioren-Gemeinschaftszentrum aus einem Haus ausziehen, weil die soziale Einrichtung nicht genug Geld bringt. Die zahlreichen Protestaktionen bewirkten zumindest teilweise kleine Erfolge, aber eben nicht immer. So wurde trotz mehrmaliger Sitzblockade eine Wohnung im Winter zwangsgeräumt, die betroffene Familie musste kurzerhand eine Notunterkunft suchen.

Während der Filmvorführung | Foto: WGDS?
Während der Filmvorführung | Foto: WGDS?

Diese Prozesse weisen im 3,5 Millionen Einwohner zählenden Berlin eine viel dramatischere Dynamik und Dimension auf als in Mannheim. Dennoch hat es einen Grund, dass sich auch hier innerhalb der letzten Jahre vermehrt wohnungspolitische Bürgerinitiativen und Protestgruppen gegründet haben.

Die Lage vor Ort wurde sodann mit einer Podiumsdiskussion verschiedener Bündnisvertreter und dem bunt gemischten Publikum erörtert. Neben jeweils zwei Bewohnern von Adolf-Damaschke-Ring (Feudenheim) und Carl-Benz-Straße (Neckarstadt-Ost) waren auch Vertreter von der Initiative „FairMieten – Gegen Mietwucher in Neckarstadt-Ost“, WGDS? und von SWK (Solidarischer Wohn- und Kulturraum) mit von der Partie.

Auch das Publikum hatte zu dem Thema Gentrifizierung beizutragen | Foto: WGDS?
Auch das Publikum hatte zu dem Thema Gentrifizierung beizutragen | Foto: WGDS?

Den Einstieg machten die Bewohner vom Adolf-Damaschke-Ring, die kurz ihre aktuelle Situation und Gefühlslage schilderten. Auch nach Überarbeiten der Pläne durch die GBG wird nicht für alle Bewohner eine neue preisgünstige Wohnung in der Siedlung zur Verfügung stehen. Sie zeigten sich enttäuscht vom Verhalten der Wohnungsbaugesellschaft und sahen die Bundesgartenschau auf dem benachbarten Areal als Auslöser für die Abriss- und Aufwertungspläne. Der Feudenheimer Bezirksbeirat Stephan Bordt (LINKE) versuchte dies abzuschwächen, indem er den dauerhaften Grünzug Nordost als möglichen Auslöser ins Spiel brachte. Ähnlich verzweifelt und verärgert waren die Vertreterinnen der Carl-Benz-Straße Ursula Minor und Elisabeth Warganz: Erst durch eine Transparent-Aktion von FairMieten Mitte Januar hätten sie von den GBG-Plänen erfahren, obwohl diese es bereits im November 2013 erstmals öffentlich im Bezirksbeirat angekündigt hatte. Auch hier soll die Miete der Neubauten etwa doppelt so hoch sein wie momentan, was sich die derzeitigen Bewohner nicht leisten können.

Gut besucht | Foto: WGDS?
Gut besucht | Foto: WGDS?

Zu Lösungsansätzen machte Walter Günderoth von FairMieten einen Vorschlag, der eher typisch für Berlin ist: „Wenn eine Wohnung mindestens drei Monate aus Spekulationsgründen leer steht, soll sie bezogen und die Miete auf ein Sperrkonto überwiesen werden.“ Einen weiteren Lösungsansatz, um sich vor Luxussanierung und Verdrängung zu schützen, bot der Vertreter vom SWK: Hier wird mittels Direkt- und Bankkrediten ein Haus für gemeinschaftliches Wohnen errichtet. Die Mieten sollen stabil bei etwa 7 € liegen und keiner müsse Angst haben, von einem Investor vertrieben zu werden. Elmar von WGDS? betonte , dass der Abbau günstigen Wohnraums in Mannheim kein Zufall sei, sondern politisch gewollt. Die verschiedenen Initiativen müssten sich solidarisch aufeinander beziehen und gemeinsam Druck aufbauen, wenn sie eine Änderung der kommunalen Wohnungspolitik erreichen wollten. Aus dem Publikum wurde daraufhin auf eine Sitzung des Aufsichtsrates der GBG am 19. März als Ort des Protestes hingewiesen, ein Vorschlag der spontan auf positive Resonanz stoß.

Das Wortspiel „GBGentrifizierung“ fand an diesem Abend besonderen Anklang – auch wenn Privatinvestoren radikaler mit Bestandsmietern umgehen als es die GBG tut. Doch mit ihrem derzeitigen Kurs – Abriss und höherwertiger Neubau – stößt die kommunale Wohnungsbaugesellschaft zunehmend auf Unverständnis bei ihren Mietern, die auf preisgünstigen Wohnraum angewiesen sind.


Ein Gastartikel von Bezirksbeirat Dennis Ulas (LINKE).

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3 Kommentare

  1. Danke für Ihren Bericht.
    Leider hat uns Herr Gerhard Fontagnier auf unsere Anfrage, am 30.03.2015., wie es in der Carl-Benz-Straße weitergeht, am 31.03.2015. per E-Mail geantwortet daß Mitte 2016 mit dem Abriss begonnen wird. Mitte 2015 will man sich die Baugenehmigung holen.
    Es verbleiben nur noch 6 Mietparteien die noch weiteren Klärungsbedarf für Neuverträge haben. Abriss und Neubau sind im Aufsichtsrat schon beschlossen.
    Gruß Elisabeth Warganz

  2. die gbg war schon immer ein wirtschaftskrimineller drecksladen und der bezriks, als auch gemeinderat ist für die gbg, williges stimmvieh und nickt alles ab

    1. Auch wenn wir die Arbeit der GBG kritisch begleiten, können wir uns diesem Kommentar nicht anschließen. Ein solches Urteil lässt unsere Berichterstattung auch nicht zu. Es fallen vielleicht sozialpolitisch äußerst bedauernswerte Entscheidungen, kriminell sind sie unseres Wissens nach aber nicht.

      Der Meinung, dass Mehrheiten in Bezirks- und Gemeinderat äußerst unkritisch auf die Präsentationen der GBG reagieren, kann man sein. Wir würden Sie allerdings bitten, von weiteren Beschimpfungen abzusehen.

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