Nachbarschaft

Plattenschätze aus Fernost

Seit Herbst 2017 gibt es für Vinyl-Liebhaber in der Langen Rötterstraße mit „zabbermusic“ eine Fundgrube für importierte Spezialitäten.

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Thomas Matuszek ist mit seinem Plattenladen in den Nebenraum vom Café COHRS eingezogen. Auf dem Schaufenster wird für „Vinyl from Japan and other exotic records“ geworben.

„zabbermusic“ ist auf japanisches Vinyl spezialisiert, dazu kommen „Soundtracks, Funk, Soul – alles was Groove hat“, beschreibt Tom sein Sortiment. Daneben gibt es auch Abteilungen für Folk/Country, Pop/Rock und Jazz, die aber durch die wachsende Spezialisierung immer kleiner werden. Tom war schon mehrfach in Japan auf der Suche nach Neuentdeckungen für sein exotisches Sortiment. Die Kunden kommen teilweise von weit her, sogar aus Frankreich oder aus der Schweiz.

Thomas Matuszek vor seinem Plattenladen "zabbermusic" in der Langen Rötterstraße | Foto: M. Schülke
Thomas Matuszek vor seinem Plattenladen „zabbermusic“ in der Langen Rötterstraße | Foto: M. Schülke

Die Idee zum eigenen Laden entstand eher zufällig. Auf einer dreimonatigen Japanreise im Winter 2016/17 kaufte er so viele Platten, dass er noch während der Reise entschied, die Sammelleidenschaft zum Beruf zu machen. Zurück in Deutschland war er im März 2017 das erste Mal auf einer Plattenbörse. Der Entschluss, einen eigenen Plattenladen zu eröffnen, entstand nach einer weiteren Japanreise wenige Monate später.

Dabei stand von vornherein fest, dass der Laden in Mannheim sein sollte und nicht in Heidelberg, wo Tom selbst lebt. Dass es ausgerechnet die Neckarstadt wurde, war Zufall. Bei einem Plattenstammtisch lernte Tom das Café COHRS und Inhaberin Daniela kennen. Dem bleibenden Eindruck, den dieser Tag hinterlassen hat, verdankt die Lange Rötterstraße jetzt das Vinyl-Geschäft.

Rundum und in der Raummitte laden die Plattenkisten zum Stöbern ein | Foto: M. Schülke
Rundum und in der Raummitte laden die Plattenkisten zum Stöbern ein | Foto: M. Schülke

Kaffee und Vinyl

Als er begann nach einem Raum für den eigenen Laden zu suchen, fiel ihm das COHRS wieder ein. „Ich hatte das noch so dunkel in Erinnerung, dass das ja ein schönes Café ist, das offen für solche Dinge ist“, erzählt Tom. Daniela suchte zum gleichen Zeitpunkt einen Mieter für den Nebenraum ihres Cafés und so fand sich alles zusammen. Im August 2017 wurde der Nebenraum renoviert und im September 2017 eröffnete „zabbermusic“ erstmals seine Türen.

Die Tür, die das „zabbermusic“ vom COHRS trennt, hat Tom selbst gebaut und mit japanischem Shōji-Papier bespannt. Der kleine Raum wirkt hell und offen. Dielenboden, die Wand mit Naturstein und einer beleuchteten Shōjiwand verblendet, unter der Decke hängen große, schlichte Lampen aus Bambusgeflecht, in der Ecke links hinter der Tür steht ein Sessel. Rundum und in der Raummitte laden die Plattenkisten zum Stöbern ein. Auf der Theke steht ein Plattenspieler zum Probehören bereit, dahinter ein Barhocker für Besitzer Tom. Vor der Theke stapeln sich Kisten mit neu eingetroffenen Platten.

Es hat eine Weile gedauert, bis der Laden gut angelaufen ist. „Es ist etwas träge hier.“ berichtet der gebürtige Norddeutsche – die Leute hier bräuchten eine gewisse Zeit, um in Kontakt zu kommen.

Inzwischen funktioniert das Format „Kaffee & Vinyl“ gut – einen Laden ohne Anschluss an ein Café könne er sich nicht mehr vorstellen. „Das würde ich auch nie wieder anders machen. Mit Gastronomie nebendran, ein Plattenladen – das passt gut.“ Donnerstag- und Freitagnachmittag öffnet „zabbermusic“ um 16 Uhr seine Tür und das COHRS hat an diesen Tagen länger offen.

Crêpes auf dem Plattenteller

Samstags gibt es im Café seit einigen Wochen frische, von „zabbermusic“ inspirierte, Crêpes in den Sorten Jazz, Heavy Metal, Oriental, Funk, Afrobeat und Disco. Serviert werden sie auf buntem Vinyl. Tom hat zu diesem Zweck eine große Sammlung Maxis aufgekauft. Bevor eine Platte als Crêpe-Teller zweckentfremdet wird, hört er rein um sicherzustellen, dass keine unentdeckten Schätze beschädigt werden. Unter den Crêpe kommen vor allem Techno- und House-Promos aus den 90er Jahren.

„Vor allem viele Musiker finden zu mir.“

Neben den Platten aus Fernost stehen auch solche, die ganz lokal entstanden sind. Denn „zabbermusic“ ist nicht nur ein Laden, in den letzten eineinhalb Jahren hat es sich zu einem Treffpunkt für Musikhörende wie auch -schaffende entwickelt. „Es kommen viele Musiker und tauschen sich aus und inspirieren sich gegenseitig hier.“

Tom zeigt eine Serie von 10″-Platten, die teilweise im Laden entstanden sind: Moshusss & Hanses ([f]), zwei Odenwälder, die inzwischen in Mannheim leben, haben viele Samples für ihr Album „Poltergeist“ im „zabbermusic“ entdeckt.

Eine andere Platte aus der Region stammt von Ys Ten Pacho. Der Musiker hat aus aus der Sammlung seiner eigenen Aufnahmen 99 zufällig herausgegriffen und jeweils die ersten 20 Sekunden aneinander gehängt. „Das funktioniert nicht? – Funktioniert phantastisch!“ findet Tom. Das entstandene 180g Vinyl ist auf 99 durchnummerierte Exemplare limitiert, wurde Mitte Februar veröffentlicht und ist jetzt bei „zabbermusic“ verfügbar.

Das eigene Plattenlabel

Direkt neben dem Eingang zu "zabbermusic" wird die erste Platte des Neckarstädter Quartetts Jazzabella präsentiert | Foto: M. Schülke
Direkt neben dem Eingang zu „zabbermusic“ wird die erste Platte des Neckarstädter Quartetts Jazzabella präsentiert | Foto: M. Schülke

Direkt neben dem Eingang zu „zabbermusic“ ist ein ganz besonderes Projekt präsentiert. Hier hängt die erste Platte des Neckarstädter Quartetts Jazzabella ([f]). Die vier Musikerinnen, von denen drei in der Neckarstadt wohnen, haben auf ihrem Debüt „Jazzabella No.01“ eigene Kompositionen und Arrangements aufgenommen. Der Mannheimer Morgen schrieb über das Album: „…reizvolle Mischung zwischen hitzig-expressiven Jazzimprovisationen und kühl konstruierter, klassisch geprägter Kammermusik.“ Die auf 100 Stück limitierte Debütplatte umfasst sechs Stücke mit einer Gesamtspielzeit von 28 Minuten (Hörprobe:  https://youtu.be/2_QoO5TCCb0) und ist verlegt vom „zabbermusic“-Label. Tom verkauft die Platten „eins zu eins, alle Einnahmen gehen an die Band.“

Das eigene Label entstand zu einer Zeit, in der Tom noch selbst als Musiker tätig war. Später lag es, wie Tom erzählt, viele Jahre brach. Für Jazzabella hat er das Label wiederbelebt und plant weitere Projekte damit, welche dann, wie das Jazzabella-Debüt, bei „zabbermusic“ erhältlich sein werden.

Weitere Informationen:

Webseite: www.zabbermusic.com
Facebook: fb.com/zabbermusic

Öffnungszeiten: Do + Fr 16 – 22 Uhr, Sa 12 – 18 Uhr

Kontakt: info@zabbermusic.com


Der SWR hatte letztes Jahr auch einen Bericht über „zabbermusic“ ausgestrahlt.

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