Das Ida-Scipio-Heim in der Murgstraße | Foto: M. Schülke
Nach der Hitzewelle Ende Juni bleiben zum Ida-Scipio-Heim viele Fragen offen. Stadt und Betreiber widersprechen sich.
Die APH Altenpflegeheime Mannheim hat auf Anfrage des Neckarstadtblog bestätigt, dass während des heißesten Wochenendes der Hitzewelle Ende Juni sechs Bewohner*innen des Ida-Scipio-Heims starben. Bislang hatte die APH lediglich mitgeteilt, dass in ihren vier Einrichtungen insgesamt elf Menschen verstorben seien. Ein medizinischer Nachweis, dass die Todesfälle unmittelbar auf die Hitze zurückzuführen seien, liege nicht vor. Bereits gegenüber dem Mannheimer Morgen (€) hatte die APH erklärt, in mehreren Fällen sei ein Zusammenhang mit der Hitze zu vermuten. Gleichzeitig blieben in den Antworten auf die Presseanfragen des Neckarstadtblog zahlreiche Fragen offen oder wurden nur allgemein beantwortet.
Die Recherche geht auf eine Sitzung des Bezirksbeirats Neckarstadt-Ost Mitte Juli zurück. Dort hatte eine Einwohnerin die Hitzesituation im Ida-Scipio-Heim geschildert und eine schnelle Sanierung des Dachs gefordert. Auf die Frage, seit wann der Betreiber von einer erheblichen sommerlichen Wärmebelastung im Heim weiß, antwortete die APH nicht direkt. Stattdessen verwies sie auf ihr Hitzeschutzkonzept sowie bereits umgesetzte Maßnahmen wie Sonnenschutzfolien, Sonnenschutzvorhänge und Deckenventilatoren in Aufenthaltsbereichen. Bis zur Rekordhitzewelle Ende Juni hätten sich diese Maßnahmen als ausreichend erwiesen.
Keine Gutachten zur Wärmebelastung
Auf die Frage nach Untersuchungen zur Wärmeentwicklung oder zum baulichen Zustand des Gebäudes antwortete die APH mit einem knappen „Nein“. Gutachten oder Untersuchungen zur sommerlichen Wärmebelastung des Ida-Scipio-Heims wurden demnach bislang nicht erstellt. Auch zur Frage nach dokumentierten Beschwerden blieb die Antwort allgemein. Sommerliche Hitze sei selbstverständlich ein Thema, eine besondere Beschwerdesituation habe es jedoch nicht gegeben. Ob Beschwerden oder Hinweise tatsächlich dokumentiert wurden, beantwortete die APH nicht.
Besonders unkonkret fiel die Antwort auf die Frage nach den Raumtemperaturen während der Hitzewelle aus. Dokumentierte Temperaturmessungen habe es nicht gegeben. Gleichzeitig erklärte die APH, während der Hitzewelle seien „immer wieder an verschiedenen Stellen Temperaturen gemessen“ worden. Diese hätten bei Außentemperaturen von rund 40 Grad „jeweils bei über 30 Grad“ gelegen. Welche Temperaturen konkret in einzelnen Wohnbereichen oder Stockwerken erreicht wurden, teilte die APH ebenso wenig mit wie den Grund dafür, weshalb die Messungen nicht dokumentiert wurden.
Dach spielt nach Darstellung der APH keine entscheidende Rolle
In der Bezirksbeiratssitzung war von einem ungedämmten Flachdach die Rede gewesen. Die APH widerspricht dieser Darstellung und erklärt, das Dach sei nicht ungedämmt. Die oberen Stockwerke seien zwar aufgrund physikalischer Gegebenheiten stärker von Hitze betroffen, eine Fokussierung auf das Dach sei jedoch nicht sachgerecht. Angaben zum Aufbau oder Dämmstandard des Dachs machte die APH nicht.
Auch die Frage nach einer möglichen Dachsanierung beantwortete der Betreiber nicht unmittelbar. Stattdessen erklärte die APH, dauerhafte bauliche Maßnahmen seien derzeit nicht vorgesehen. Die Hitzebelastung lasse sich durch bauliche Maßnahmen „nicht wesentlich beeinflussen“. Deshalb würden derzeit Split-Klimaanlagen für Flure und Aufenthaltsbereiche eingebaut. Gleichzeitig erklärte die APH, für weitergehende Maßnahmen seien Förderprogramme erforderlich. Solche Förderprogramme gebe es derzeit jedoch nicht.
Widersprüchliche Angaben zum Präventionsteam
Nicht zusammen passen die Antworten von Stadt und Betreiber zur Entscheidung, Bewohner*innen der obersten Etage während der Hitzewelle in tiefere Geschosse zu verlegen. Nach Angaben der APH fiel diese Entscheidung am Sonntag „zusammen mit dem Präventionsteam der Stadt Mannheim“. Die Stadt Mannheim erklärte dagegen auf Anfrage des Neckarstadtblog, städtische Mitarbeitende seien nicht vor Ort gewesen. Außerdem teilte die Verwaltung mit, ihr sei nicht bekannt, wer das Präventionsteam beauftragt habe. Welche Empfehlungen dieses Team ausgesprochen habe, beantwortete die Stadt nicht.
Auch an anderer Stelle verweisen beide Seiten auf unterschiedliche Zuständigkeiten. Nach Angaben der Stadt wurden bei Begehungen der Heimaufsicht in den vergangenen Jahren im Ida-Scipio-Heim keine entsprechenden Feststellungen zur Hitzesituation getroffen. Die Stadt verweist darauf, sie berate Pflegeeinrichtungen bei der Erstellung von Hitzeschutzkonzepten. Die Umsetzung liege jedoch in der Verantwortung der jeweiligen Einrichtung. Ob der Stadt hitzebedingte Todesfälle im Ida-Scipio-Heim bekannt sind, beantwortete sie nicht direkt. Stattdessen erklärte die Verwaltung, sie führe keine Daten zu Todesursachen.
Eine der Fragen beantwortete die APH hingegen eindeutig. Nach Angaben des Betreibers waren die sechs während des betreffenden Zeitraums verstorbenen Bewohner*innen nicht überwiegend in den obersten Geschossen beziehungsweise unmittelbar unter dem Dach untergebracht.
Quellen: Auskunft der Stadt Mannheim und der APH (GBG Gruppe)
Diese Webseite verwendet Cookies, um die Funktionalität zu ermöglichen, Inhalte darzustellen sowie für Statistiken und Werbung.
Funktionale Cookies
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
Das Neckarstadtblog finanziert sich überwiegend durch freiwillige Daueraufträge. Schon 1 Euro im Monat hilft, 3 oder 5 Euro helfen mehr.
Empfänger
Manuel Schülke
IBAN
DE84 1001 1001 2620 4945 27
BIC
NTSBDEB1XXX
Zweck
Neckarstadtblog finanzieren
Empfänger: Manuel Schülke
IBAN: DE84 1001 1001 2620 4945 27
BIC: NTSBDEB1XXX
Verwendungszweck
Neckarstadtblog finanzieren
Andere Zahlungswege, etwa PayPal, stehen auf unserer Finanzierungsseite.
Der Girocode kann direkt mit vielen Banking-Apps gescannt werden.
Danke fürs Mitfinanzieren ♥
Die finanzielle Lage ist angespannt.
Ohne zusätzliche Mittel drohen Einschränkungen.
Was wir leisten können, hängt von euch ab.
Ab 1 Euro pro Monat finanziert ihr unabhängigen Lokaljournalismus in der Neckarstadt. Mit 3 oder 5 Euro können wir unsere Arbeit ausbauen und zusätzliche Mitarbeit ermöglichen.
Nach der Hitzewelle Ende Juni bleiben zum Ida-Scipio-Heim viele Fragen offen. Stadt und Betreiber widersprechen sich.
Die APH Altenpflegeheime Mannheim hat auf Anfrage des Neckarstadtblog bestätigt, dass während des heißesten Wochenendes der Hitzewelle Ende Juni sechs Bewohner*innen des Ida-Scipio-Heims starben. Bislang hatte die APH lediglich mitgeteilt, dass in ihren vier Einrichtungen insgesamt elf Menschen verstorben seien. Ein medizinischer Nachweis, dass die Todesfälle unmittelbar auf die Hitze zurückzuführen seien, liege nicht vor. Bereits gegenüber dem Mannheimer Morgen (€) hatte die APH erklärt, in mehreren Fällen sei ein Zusammenhang mit der Hitze zu vermuten. Gleichzeitig blieben in den Antworten auf die Presseanfragen des Neckarstadtblog zahlreiche Fragen offen oder wurden nur allgemein beantwortet.
Die Recherche geht auf eine Sitzung des Bezirksbeirats Neckarstadt-Ost Mitte Juli zurück. Dort hatte eine Einwohnerin die Hitzesituation im Ida-Scipio-Heim geschildert und eine schnelle Sanierung des Dachs gefordert. Auf die Frage, seit wann der Betreiber von einer erheblichen sommerlichen Wärmebelastung im Heim weiß, antwortete die APH nicht direkt. Stattdessen verwies sie auf ihr Hitzeschutzkonzept sowie bereits umgesetzte Maßnahmen wie Sonnenschutzfolien, Sonnenschutzvorhänge und Deckenventilatoren in Aufenthaltsbereichen. Bis zur Rekordhitzewelle Ende Juni hätten sich diese Maßnahmen als ausreichend erwiesen.
Keine Gutachten zur Wärmebelastung
Auf die Frage nach Untersuchungen zur Wärmeentwicklung oder zum baulichen Zustand des Gebäudes antwortete die APH mit einem knappen „Nein“. Gutachten oder Untersuchungen zur sommerlichen Wärmebelastung des Ida-Scipio-Heims wurden demnach bislang nicht erstellt. Auch zur Frage nach dokumentierten Beschwerden blieb die Antwort allgemein. Sommerliche Hitze sei selbstverständlich ein Thema, eine besondere Beschwerdesituation habe es jedoch nicht gegeben. Ob Beschwerden oder Hinweise tatsächlich dokumentiert wurden, beantwortete die APH nicht.
Besonders unkonkret fiel die Antwort auf die Frage nach den Raumtemperaturen während der Hitzewelle aus. Dokumentierte Temperaturmessungen habe es nicht gegeben. Gleichzeitig erklärte die APH, während der Hitzewelle seien „immer wieder an verschiedenen Stellen Temperaturen gemessen“ worden. Diese hätten bei Außentemperaturen von rund 40 Grad „jeweils bei über 30 Grad“ gelegen. Welche Temperaturen konkret in einzelnen Wohnbereichen oder Stockwerken erreicht wurden, teilte die APH ebenso wenig mit wie den Grund dafür, weshalb die Messungen nicht dokumentiert wurden.
Dach spielt nach Darstellung der APH keine entscheidende Rolle
In der Bezirksbeiratssitzung war von einem ungedämmten Flachdach die Rede gewesen. Die APH widerspricht dieser Darstellung und erklärt, das Dach sei nicht ungedämmt. Die oberen Stockwerke seien zwar aufgrund physikalischer Gegebenheiten stärker von Hitze betroffen, eine Fokussierung auf das Dach sei jedoch nicht sachgerecht. Angaben zum Aufbau oder Dämmstandard des Dachs machte die APH nicht.
Auch die Frage nach einer möglichen Dachsanierung beantwortete der Betreiber nicht unmittelbar. Stattdessen erklärte die APH, dauerhafte bauliche Maßnahmen seien derzeit nicht vorgesehen. Die Hitzebelastung lasse sich durch bauliche Maßnahmen „nicht wesentlich beeinflussen“. Deshalb würden derzeit Split-Klimaanlagen für Flure und Aufenthaltsbereiche eingebaut. Gleichzeitig erklärte die APH, für weitergehende Maßnahmen seien Förderprogramme erforderlich. Solche Förderprogramme gebe es derzeit jedoch nicht.
Widersprüchliche Angaben zum Präventionsteam
Nicht zusammen passen die Antworten von Stadt und Betreiber zur Entscheidung, Bewohner*innen der obersten Etage während der Hitzewelle in tiefere Geschosse zu verlegen. Nach Angaben der APH fiel diese Entscheidung am Sonntag „zusammen mit dem Präventionsteam der Stadt Mannheim“. Die Stadt Mannheim erklärte dagegen auf Anfrage des Neckarstadtblog, städtische Mitarbeitende seien nicht vor Ort gewesen. Außerdem teilte die Verwaltung mit, ihr sei nicht bekannt, wer das Präventionsteam beauftragt habe. Welche Empfehlungen dieses Team ausgesprochen habe, beantwortete die Stadt nicht.
Auch an anderer Stelle verweisen beide Seiten auf unterschiedliche Zuständigkeiten. Nach Angaben der Stadt wurden bei Begehungen der Heimaufsicht in den vergangenen Jahren im Ida-Scipio-Heim keine entsprechenden Feststellungen zur Hitzesituation getroffen. Die Stadt verweist darauf, sie berate Pflegeeinrichtungen bei der Erstellung von Hitzeschutzkonzepten. Die Umsetzung liege jedoch in der Verantwortung der jeweiligen Einrichtung. Ob der Stadt hitzebedingte Todesfälle im Ida-Scipio-Heim bekannt sind, beantwortete sie nicht direkt. Stattdessen erklärte die Verwaltung, sie führe keine Daten zu Todesursachen.
Eine der Fragen beantwortete die APH hingegen eindeutig. Nach Angaben des Betreibers waren die sechs während des betreffenden Zeitraums verstorbenen Bewohner*innen nicht überwiegend in den obersten Geschossen beziehungsweise unmittelbar unter dem Dach untergebracht.
Quellen: Auskunft der Stadt Mannheim und der APH (GBG Gruppe)
Auch interessant…