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100 Jahre GBG: Ein Erfolgsweg mit fiesen Schlaglöchern

Auch die Ersatzwohnungen wurden teurer

Die GBG betonte damals, verbliebene Mietparteien könnten Ersatzwohnungen in der Nähe erhalten. Einige sollten in die bereits sanierten Häuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite ziehen. Diese Gebäude waren ähnlich alt und zuvor ebenfalls schlecht ausgestattet. Trotzdem hatte die GBG sie saniert, statt sie abzureißen.

Dass ein solcher Weg auch beim Main-Kinzig-Quartier möglich gewesen wäre, stellte Geschäftsführer Karl-Heinz Frings selbst nicht grundsätzlich infrage. In einer Sitzung des Bezirksbeirats erklärte er sinngemäß, die GBG könne die Häuser ebenso sanieren wie jene gegenüber in der Mainstraße. Sie wolle das jedoch nicht.

Für Umzugswillige aus dem Abrissgebiet sollten die Wohnungen in der Mainstraße zunächst 6,50 Euro pro Quadratmeter kosten. Bei einer Neuvermietung waren 7,50 Euro vorgesehen. Auch diese Mieten stiegen danach weiter.

Allerdings gab es auf der anderen Straßenseite nicht für alle Betroffenen Platz. Einige wollten zudem ihr unmittelbares Umfeld nicht verlassen, in dem gerade ältere Menschen seit Jahrzehnten gelebt hatten.

Damals verbreitete Geschäftsführer Frings im Mannheimer Morgen außerdem, die alten Wohnungen würden mit Kohle beheizt (€). Das traf nach unseren damaligen Gesprächen mit den Bewohnenden so nicht zu. Die Wohnungen verfügten über Gasanschlüsse und -öfen, wobei Gas im Jahr 2016 noch als vernünftige Möglichkeit zum Heizen und Kochen galt.

Ein Gespräch mit den Betroffenen hätte diese Information leicht geklärt.

Auch dieser kleine Vorgang sagt viel über den Konflikt und die damalige Kommunikationsstrategie der GBG aus. Die Häuser mussten als hoffnungslos überaltert erscheinen. Sonst hätte die Forderung nach Sanierung zu überzeugend gewirkt.

Sanieren konnte die GBG schon einmal

Dabei kannte die GBG einen anderen Weg längst. Die Ludwig-Jolly-Blocks in der Neckarstadt-West galten Anfang der 1990er Jahre als sozialer Brennpunkt. Die lokale Presse verwendete drastische Begriffe. Das Buch zitiert unter anderem „Bronx von Mannem“, „Schandfleck“ und „Bruchbuden“. Die Wohnungen waren klein, die Gebäude wiesen erhebliche Mängel auf und viele Menschen lebten unter schwierigen Bedingungen.

Auch dort sollten zunächst die Abrissbagger rollen. Einige Bewohnende wehrten sich jedoch, weil sie ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen wollten. Der Gemeinderat entschied sich schließlich für einen anderen Weg. Die vier Wohnblocks wurden für 8,3 Millionen Mark saniert. Die GBG vergrößerte Wohnungen und ergänzte die baulichen Maßnahmen durch Sozialarbeit.

Damals war die Kunst der Wohnungsvergrößerung offenbar noch bekannt.

Der Widerstand der Mietenden hatte Erfolg. Die Gebäude blieben erhalten, während aus dem Projekt später ein wichtiger Teil des Sozialen Managements der GBG entstand. Die Unterschiede zum Main-Kinzig-Quartier liegen deshalb auf der Hand. In der Neckarstadt-West führte Widerstand zu Sanierung und sozialer Begleitung. In der Neckarstadt-Ost führte er knapp 15 Jahre später nicht zum Erhalt. Dort setzte die GBG ihre Abrisspläne vollständig durch.

Das Buch nennt sogar einen weiteren Gegenfall. Am Adolf-Damaschke-Ring in Feudenheim verhinderte ein breites Bündnis einen Teil der geplanten Abrisse. Vier Wohnblocks wurden saniert. In der Neckarstadt fehlte dagegen diese breite politische Unterstützung. Also rollten die Bagger.

Der Abriss war damit nicht nur eine technische oder wirtschaftliche Entscheidung. Er war auch das Ergebnis politischer Kräfteverhältnisse.

Hilfe aus einer Machtposition

Das Soziale Management gehört zu den guten Entwicklungen der GBG. Daran besteht wenig Zweifel. Das Team schlichtet Streit, unterstützt ältere Menschen und begleitet schwierige Sanierungen. Es hilft bei Behördenangelegenheiten, vermittelt weitere Angebote und schafft mit Quartierstreffs Räume für Nachbarschaften.

Solche Arbeit kann verhindern, dass Konflikte eskalieren. Sie kann Menschen vor dem Verlust ihrer Wohnung bewahren, Einsamkeit lindern und ganz praktische Hilfe leisten. Trotzdem muss nicht jede*r das Soziale Management uneingeschränkt positiv erleben.

Stellen Sie sich vor, Ihr Vermieter mischt sich plötzlich in private Belange ein. Vielleicht gibt es Beschwerden aus der Nachbarschaft. Vielleicht geht es um Ordnung, Gerüche oder den Zustand einer Wohnung. Die Absicht kann gut sein und die Hilfe durchaus nützlich. Trotzdem kann man sie ablehnen.

Das Angebot kommt schließlich nicht von einer unabhängigen Beratungsstelle, sondern vom eigenen Vermieter. Damit besteht ein klares Machtgefälle, denn die GBG entscheidet über Mietverhältnisse, Modernisierungen und mögliche Konsequenzen. Aus dieser Position kann selbst gut gemeinte Unterstützung als übergriffig erscheinen. Betroffene können deshalb den Eindruck bekommen, keine wirkliche Wahl zu haben. Sie müssen die Hilfe dann nicht als Hilfe erleben.

Das macht das Soziale Management nicht schlecht. Es zeigt aber einen Widerspruch, den eine Festschrift naturgemäß weniger ausführlich behandelt.