Demo-Aufruf: Bündnis will unsoziale Wohnungspolitik stoppen

Für den ersten Wohnblock mit 32 Einheiten kommt jede Hilfe zu spät | Foto: Neckarstadtblog
Für den ersten Wohnblock mit 32 Einheiten kommt jede Hilfe zu spät | Foto: Neckarstadtblog

Für Samstag, den 23. Juli um 15 Uhr hat das Bündnis „Wem gehört die Stadt?“ (WGDS) eine Demonstration angemeldet, um auf das ihrer Meinung nach unsoziale Verhalten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBG aufmerksam zu machen.

Das Bündnis protestierte schon in der Vergangenheit mehrfach gegen das Neubauvorhaben der GBG in der Neckarstadt-Ost. So zum Beispiel mit einer 24-stündigen friedlichen Hausbesetzung leerstehender Wohnungen, über die auch Fernsehen und Zeitung berichteten. Mit kreativen, provokanten Slogans wie „GBG – Das F steht für Fairness“ oder dem Hashtag „GBGentrifizierung“ hat das Bündnis für mächtig Ärger in der Chefetage der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gesorgt. Es geht um viel Geld und um Prestige – da lagen offensichtlich bald die Nerven blank. Nach der Besetzung kam es in der GBG-Zentrale zu einem Protest, auf den die städtische Gesellschaft schließlich mit einem Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs antwortete und die Kriminalpolizei gegen die größtenteils minderjährigen Politaktivist/innen ermitteln lies. Wie das Bündnis WGDS auf seiner Webseite verkündet, wurden die Ermittlungen gegen alle beteiligten (und auch unbeteiligte!) Personen von der Staatsanwaltschaft eingestellt (Anm. d. Red.: Mehr hierzu später).

32 günstige Wohnungen sind bereits dem Abrissbagger der GBG zum Opfer gefallen, doch noch könnten fast 100 günstige Wohnungen für die Neckarstadt-Ost gerettet werden. Die Demonstration soll gegen 15 Uhr am Neumarkt in der Neckarstadt-West beginnen, über Mittelstraße und Alten Messplatz durch die Lange Rötter- und Uhlandstraße zum ehemals lange Zeit verhüllten Gentrifizierungsobjekt in der Kobellstraße führen. Dort soll eine Zwischenkundgebung stattfinden. Die Abschlusskundgebung ist in unmittelbarer Nähe des Abrissgebiets zwischen Carl-Benz-, Kinzig- und Mainstraße geplant.

Samstag, 23. Juli, 15 Uhr
Neumarkt, Neckarstadt-West (Demo-Beginn) / Carl-Benz-Straße, Neckarstadt-Ost (Abschlusskundgebung)

Die geplante Demo-Route | Karte: WGDS
Die geplante Demo-Route | Karte: WGDS

(Anm. d. Red.: Die Inhalte und Aussagen der folgenden Pressemitteilung machen wir uns nicht zu eigen. Unsere kritische Berichterstattung spricht für sich.)


Pressemitteilung des Stadtpolitischen Bündnisses „Wem gehört die Stadt?“: 

GBG – Das F steht für Fairness

Der offizielle Demo-Aufruf | Plakat: WGDS
Der offizielle Demo-Aufruf | Plakat: WGDS

Die städtische Wohnungsbaugenossenschaft GBG dreht die Preisspirale in Mannheim fleißig mit und lässt ihren sozialen Anspruch endgültig hinter sich. Mit ihren 19500 Mietwohnungen für 60000 Bewohnerinnen und Bewohnern in Mannheim spielt sie eine zentrale Rolle auf dem Wohnungsmarkt und gestaltet die Wohnungspolitik in der Stadt entscheidend mit – leider nicht zum Guten.
So hob die GBG 2014 in zahlreichen ihrer Wohnungen die Monatsmieten an, ohne dafür Verbesserungen zu bieten; als Grund genügte die „Anpassung an den Mietspiegel“. Für die Wohnblöcke in der Carl-Benz-Straße sowie am Adolf-Damaschke-Ring plant die GBG gleich den Abriss. Hier sollen moderne Quartiere mit gehobenem Komfort entstehen und Mietpreisen, die sich die bisherigen Mieter*innen nicht leisten können.

Am Adolf-Damaschke-Ring konnten sich die Mieter*innen wehren und haben und einen Teil der Abrisse verhindert sowie massive Mietsteigerungen gestoppt. Dass die GBG-Pläne in dieser Siedlung wenigstens nicht vollständig aufgehen, ist eine gute Nachricht. Mit Selbstorganisierung und koordiniertem Widerstand können wir Stadtpolitik sozialer machen!

Kurz ausquartieren!

Schizophrene Wohnungspolitik in Mannheim: Vorne wird bezahlbarer Wohnraum gefordert, hinten abgerissen | Foto: Neckarstadtblog
Schizophrene Wohnungspolitik in Mannheim: Vorne wird bezahlbarer Wohnraum gefordert, hinten abgerissen | Foto: Neckarstadtblog

Seinem sozialen Anspruch wird der Mannheimer Oberbürgermeister und Aufsichtsratvorsitzender der GBG so nicht gerecht. Unter seiner politischen Leitung werden die Probleme auf dem Wohnungsmarkt – steigende Preise und Verknappung – nicht gelöst, sondern im Sinne der „städtischen Aufwertung“ verschärft: Zahlungskräftige Kundschaft zieht in attraktive Wohnungen ein, andere werden verdrängt oder gezwungen, einen noch größeren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben.

Doch eine Wohnung in zentraler Lage darf kein Privileg für Wohlhabende sein, sie steht uns allen zu! Arbeiter*innen, Einwander*innen, Alleinerziehende, Student*innen, Familien, Frauen und Männer aus allen Schichten gehören zu dieser Stadt und dürfen nicht verdrängt werden!

Für eine Stadt für Alle!

Wir wehren uns gegen soziale Verdrängung und steigende Mieten. Doch wir wehren uns auch dagegen, dass Wohnraum wie eine Ware gehandelt wird, und nur dem Profitstreben dient. Denn genau das treibt die Mieten und Immobilienpreise in die Höhe. Dies geht zu Lasten der Menschen, die in dieser Stadt leben.
Als Mieter*innen ist es uns egal, ob die Banken in der Krise stecken oder die Stadt sich umgestalten will. Es geht um UNSERE Nachbarschaft, UNSERE Lebensbedingungen und UNSERE Stadt. Wohnraum gehört vergesellschaftet – besser heute als morgen!

Zusammen können wir uns wehren, lasst euch nichts gefallen!

Webseite von WGDS: wgds-mannheim.de
Veranstaltung bei Facebook: fb.com/events/1291078824243192/

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