Stadtentwicklung

Anwohnerparken kommt in Neckarstadt-Ost

Zehn Jahre nach dem ersten Anlauf kommt das Anwohnerparken. Gleichzeitig ordnet die Stadt das Gehwegparken neu.

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Das Anwohnerparken in der Neckarstadt-Ost kommt. Der Bezirksbeirat stimmte dem Parkraumkonzept am Mittwoch mit sieben zu drei Stimmen zu. Einen Tag später fasste der Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) den nötigen Planungsbeschluss.

Damit nimmt die Stadt nach fast genau zehn Jahren einen neuen Anlauf. Ein erstes Konzept war 2016 noch im Bezirksbeirat gescheitert. Damals stimmten SPD und CDU dagegen. Nur die Grünen unterstützten das Anwohnerparken.

Das Ende des Gratis-Parkens in der Neckarstadt?

Die Argumente haben sich seitdem kaum verändert. Kritiker*innen verweisen weiterhin auf Gebühren und fehlende Parkplätze. Denn auch ein Anwohnerparkausweis garantiert keinen freien Stellplatz. Dieses Mal überwog jedoch der Wunsch, ortsfremde Fahrzeuge aus den Wohnstraßen fernzuhalten.

Jan-Eric Rauch vom Fachbereich Geoinformation und Stadtplanung stellte das umfangreiche Konzept gewohnt sachlich vor. Anschließend beantwortete er zahlreiche Nachfragen aus dem Gremium und dem Publikum.

Anwohnerparken und Gehwegparken kommen gemeinsam

Mit dem Vorhaben will die Stadt das Parken in einem großen Teil der Neckarstadt-Ost neu ordnen. Neben Anwohnerparken und Parkgebühren gehört auch die Neuordnung des Gehwegparkens dazu.

Diese Neuordnung war ursprünglich früher vorgesehen. Noch im Juli 2025 stellte die Verwaltung einen Beginn ab 2026 in Aussicht. Nun sollen beide Vorhaben gemeinsam vorbereitet werden. Deshalb beginnt die Umsetzung nach aktueller Planung erst 2028.

Gehwegparken: Parkdruck trifft Realität im Bezirksbeirat

Das Gebiet reicht bis zum Neuen Messplatz

Das bisherige Konzept zum Gehwegparken betrifft den Kernbereich der Neckarstadt-Ost. Er liegt zwischen Waldhofstraße, Käfertaler Straße, Friedrich-Ebert-Straße und Carl-Benz-Straße.

Für das Parkraumkonzept wird dieses Gebiet nach Norden erweitert. Entlang der Max-Joseph-Straße reicht es bis zum Neuen Messplatz. Die nördliche Grenze bilden die August-Kuhn-Straße und ihre östliche Verlängerung, die Jakob-Trumpfheller-Straße.

Die Stadt teilt das Gesamtgebiet in die Parkzonen 3.1 und 3.3. Ihre gemeinsame Grenze verläuft vom westlichen Abschnitt der Langen Rötterstraße über den Melanchthonweg. Hinter dem Ida-Scipio-Heim führt sie durch die Grünanlage nach Norden. Dort endet sie zwischen August-Kuhn-Straße und Jakob-Trumpfheller-Straße.

Zwei Zonen mit unterschiedlichen Schwerpunkten

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Die Stadt teilt das Gesamtgebiet in die Parkzonen 3.1 und 3.3 | Bild: Stadt Mannheim

Die Zone 3.1 umfasst vor allem den südöstlichen und flussnahen Teil. Dazu gehören auch die Flussstraßen, jedoch nicht die Murgstraße. Die bestehende kleinere Zone 3.1 wird in das neue Gebiet aufgenommen.

Die Zone 3.3 liegt größtenteils nördlich und westlich davon. Sie grenzt an der Waldhofstraße an die neue Bewirtschaftung in der Neckarstadt-West. Außerdem umfasst sie das Umfeld des Herzogenriedparks und den Bereich entlang der Max-Joseph-Straße bis zum Neuen Messplatz.

Mit der Zone 3.3 will die Stadt beginnen. Dort erwartet sie zusätzlichen Parkdruck durch die Bewirtschaftung in der Neckarstadt-West. Auch das neue Kombibad spielt bei der Reihenfolge eine Rolle.

Fremde Fahrzeuge belegen tagsüber viele Plätze

Rauch begründete das Konzept mit dem hohen Parkdruck im Quartier. Die dicht bebaute Neckarstadt-Ost besitzt nur wenige private Stellplätze. Gleichzeitig liegen hier zahlreiche Einrichtungen mit Bedeutung für die gesamte Stadt. Dazu gehören das Universitätsklinikum, mehrere Berufsschulen, das Capitol und die Alte Feuerwache. Auch Herzogenriedpark, GBG-Halle, Eissportzentrum und das künftige Kombibad ziehen viele Menschen an.

Die Stadt zählt im untersuchten Gebiet 3.443 öffentliche Stellplätze. Rund 90 Prozent davon können bisher ohne Gebühr genutzt werden. Bereits frühere Untersuchungen zeigten eine Auslastung von mehr als 100 Prozent. Dieser Wert entsteht, weil viele Fahrzeuge außerhalb legaler Stellplätze stehen. Nachts erreichte die Auslastung in Teilen des Gebiets sogar mehr als 120 Prozent. Tagsüber belegten gebietsfremde Dauerparker zeitweise bis zu 50 Prozent des Parkraums. Zwischen 9 und 13 Uhr waren das laut Untersuchung etwa 1.400 bis 1.500 Fahrzeuge.

Kennzeichen wurden mehrfach anonymisiert erfasst

Die Stadt ermittelte diese Gruppe nicht anhand auswärtiger Kennzeichen. Die Kennzeichen wurden anonymisiert und mehrmals am Tag erfasst. Daraus ließ sich ableiten, wie lange Fahrzeuge im Gebiet standen. Fahrzeuge, die auch nachts erfasst wurden, ordnete die Untersuchung den Bewohner*innen zu. Nur tagsüber auftauchende Fahrzeuge galten dagegen als Hinweise auf Pendler- oder anderen gebietsfremden Verkehr. Das ist wichtig, weil ein auswärtiges Kennzeichen nichts über den Wohnort aussagt. Umgekehrt können auch Fahrzeuge mit Mannheimer Kennzeichen von außerhalb des Quartiers stammen. Diese Methode erläuterte die Verwaltung am folgenden Tag im Ausschuss für Umwelt und Technik genauer. Im Bezirksbeirat war die Frage aufgekommen, wie Studierende mit auswärtigen Kennzeichen berücksichtigt wurden.

Fast die Hälfte wird nur für Bewohner*innen reserviert

In den Wohnstraßen sollen künftig große Bereiche den Bewohner*innen vorbehalten sein. Nach der bisherigen Planung werden 48 Prozent aller Stellplätze zu reinen Bewohnerparkplätzen. Auf weiteren 42 Prozent gilt eine Gebührenpflicht. Bewohner*innen mit gültigem Ausweis dürfen dort ohne zusätzlichen Parkschein stehen. Weitere acht Prozent sollen tagsüber kostenpflichtig sein. Nachts sind diese Plätze für Bewohner*innen mit Parkausweis vorgesehen.

Damit wären fast alle Stellplätze im Gebiet bewirtschaftet. Lediglich Lieferzonen, Behindertenparkplätze und vergleichbare Flächen bleiben gesondert geregelt. Für Besucher*innen und Kundschaft sind zwei Euro je Stunde vorgesehen. Ein Tagesticket soll acht Euro kosten. Der Bewohnerparkausweis kostet nach aktuellem Stand 127,50 Euro im Jahr.

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Für die Umsetzung rechnet die Stadt mit Kosten von rund 500.000 Euro. Die Mittel sind im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Stadtraumservice enthalten. Dem stehen erwartete jährliche Einnahmen von rund 300.000 Euro aus der Parkraumbewirtschaftung gegenüber.

Der Ausweis verspricht keinen Parkplatz

Gerade der Preis des Bewohnerparkausweises sorgte erneut für Kritik. Für manche Haushalte sei das eine spürbare zusätzliche Belastung. Schwerer wiegt für viele jedoch ein anderer Punkt: Der Ausweis erlaubt zwar das Parken, verspricht aber keinen Platz.

Auch Rauch machte daraus keinen Hehl. Besonders nachts bleiben nach Einschätzung der Stadt mehr Fahrzeuge als legale Stellplätze vorhanden. Die Stadt erwartet deshalb vor allem tagsüber eine Verbesserung. Dann sollen weniger Pendler*innen und andere Gebietsfremde ihre Fahrzeuge kostenlos in den Wohnstraßen abstellen.

Breite Gehwege „retten“ viele Stellplätze

Huckepack mit dem Anwohnerparken kommt die Neuordnung des Gehwegparkens. Die Stadt will damit festlegen, wo Autos legal stehen dürfen. Gleichzeitig sollen die Gehwege ausreichend breit bleiben.

Der Kernbereich hat dabei nach Rauchs Darstellung einen Vorteil. Viele Gehwege sind breit genug, um weiterhin beidseitiges Gehwegparken zu erlauben. Dabei müssen mindestens 1,50 Meter frei bleiben. Auf ausgewiesenen Schulwegen sind es 1,80 Meter. Nur in Teilen weniger Straßen sind größere Änderungen nötig. Rauch nannte in der Sitzung unter anderem die Pozzistraße und die Melchiorstraße. Nach seiner Aussage sinkt die Zahl der Stellplätze im Gesamtgebiet durch die Neuordnung um rund elf Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die Neuordnung des Parkraums und nicht auf eine erwartete Wirkung des Anwohnerparkens.

Illegale Plätze zählen nicht als Verlust

Im Straßenbild können dennoch mehr abgestellte Fahrzeuge verschwinden. Der Grund liegt in den bisher regelwidrig genutzten Flächen. Dazu gehören Kreuzungsbereiche, Einfahrten und Gehwege ohne ausreichende Restbreite. Diese Flächen gelten schon heute nicht als legale Stellplätze. Sie können deshalb auch nicht als wegfallende Parkplätze gezählt werden. Die Neuordnung soll klare Verhältnisse schaffen. Markierungen und Schilder sollen künftig zeigen, wo Fahrzeuge stehen dürfen. Zugleich müssen Rettungsfahrzeuge durch die Straßen kommen können.

Der Neue Messplatz bietet rund 500 freie Plätze

Eine zentrale Rolle spielt erneut der Neue Messplatz. Die Verwaltung nennt ihn als kostenlose Ausweichfläche. Nach ihrer Darstellung bietet er derzeit rund 500 freie Kapazitäten. Das ist nicht die Gesamtkapazität der Fläche. Die Zahl beschreibt die nach Einschätzung der Verwaltung zusätzlich nutzbaren Plätze. Tatsächlich bleibt ein großer Teil des Neuen Messplatzes außerhalb größerer Veranstaltungen häufig ungenutzt. Das Neckarstadtblog hat mehrfach darüber berichtet. Viele Besucher*innen erkennen die Fläche nicht ausreichend als öffentlichen Parkplatz. Selbst für Ortskundige ist die Zufahrt schwer zu finden.

Der Platz der ungenutzten Möglichkeiten

Veranstaltungen blockieren den Platz oft nur auf dem Papier

Allerdings gilt die Fläche an vielen Tagen wegen Veranstaltungen als belegt. Das kann auch gelten, wenn auf dem Neuen Messplatz noch viel Raum frei bleibt. Genau daran entzündete sich erneut Kritik im Bezirksbeirat. Während dort Flächen ungenutzt bleiben, suchen Besucher*innen in den umliegenden Wohnstraßen nach Parkplätzen. Besonders betroffen sind die Flussstraßen und das Umfeld des Herzogenriedparks. Mehrere Wortmeldungen forderten deshalb eine deutlich bessere Wegweisung. Wer zum Herzogenriedpark, zum Eissportzentrum oder später zum Kombibad fährt, müsse frühzeitig zum Neuen Messplatz geleitet werden.

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Trotz Zirkus ist der Neue Messplatz fast komplett leer – für die städtische Vermarktungsgesellschaft VTM gilt das als „belegt“ | Foto: M. Schülke

Die Verwaltung sieht dort ebenfalls ein großes Angebot. Eine konkrete Lösung für die schlechte Erkennbarkeit enthält der Planungsbeschluss jedoch noch nicht. Rauch nahm die Forderung nach einer besseren Wegweisung erneut mit.

Parkhäuser bleiben teilweise leer

Daneben verweist die Stadt auf das Parkhaus im Lortzingblock (Waldhofstraße) und die Garage der Neckaruferbebauung. Im Parkhaus Lortzingblock gibt es 228 Stellplätze. In den Obergeschossen der Neckaruferbebauung stehen 443 Plätze zur Dauervermietung. Sie kosten seit November 2025 monatlich 55 Euro. In den Untergeschossen befinden sich weitere 222 öffentlich zugängliche Kurzzeitplätze. Diese sind nach Angaben der Verwaltung derzeit nicht ausgelastet. Das Tagesticket kostet dort fünf Euro. Damit ist es drei Euro günstiger als das künftig geplante Tagesticket auf der Straße.

Nicht alle Stellplätze in der Neckarpromenade belegt

Ohne Kontrollen droht neuer Frust

Breite Zustimmung gab es für das Ziel, ortsfremde Dauerparker aus den Wohnstraßen zu drängen. Zugleich bezweifelten mehrere Gremienmitglieder, dass dies ohne regelmäßige Kontrollen gelingt. Diese Sorge verband Befürworter*innen und Gegner*innen des Konzepts. Wer jährlich für einen Parkausweis zahlt, dürfte wenig Verständnis für unberechtigt abgestellte Fahrzeuge haben.

Die Kontrolle liegt beim zuständigen Fachbereich Sicherheit und Ordnung. Rauch räumte ein, dass dafür ausreichende Kapazitäten nötig sind. Ein Scan-Fahrzeug könnte die Überwachung später unterstützen. Aus dem Publikum kam zusätzlich die Forderung, falsch abgestellte Fahrzeuge nicht nur mit Bußgeldern zu belegen. Besonders in Zufahrten, Kreuzungsbereichen und Lieferzonen müsse die Stadt notfalls abschleppen.

Große Einrichtungen bleiben ein Problem

Das Anwohnerparken löst nicht alle Schwierigkeiten. Besonders an gut besuchten Tagen bleibt der Parkdruck rund um den Herzogenriedpark hoch. Auch das Kombibad, die GBG-Halle und das Eissportzentrum ziehen Menschen aus anderen Stadtteilen an. Hinzu kommen Beschäftigte und Besucher*innen des Universitätsklinikums sowie der Berufsschulen.

Im Zuge des Baus des Kombibads soll künftig auch der Parkplatz an der GBG-Halle bewirtschaftet werden. Nach Angaben der Verwaltung sollen dabei ehrenamtlich Tätige möglichst berücksichtigt werden. Für Einsatzkräfte der DLRG im rettungsdienstlichen Einsatz will die Stadt gemeinsam mit der DLRG eine kostenfreie Regelung entwickeln.

Rauch wies außerdem darauf hin, dass der ursprünglich auf den Plänen vorgesehene Parkplatz auf der Wiese am Herzogenriedbad inzwischen entfallen ist. Über die Hintergründe hatte das Neckarstadtblog bereits berichtet. Nach dem Protest einer Bürgerinitiative prüfte die Stadt den Stellplatzbedarf erneut und konnte die erforderlichen Parkplätze entlang der Max-Joseph-Straße nachweisen. Dadurch blieb die Wiese als Erholungsort am Herzogenriedbad erhalten.

Grüne Wiese am Herzogenriedbad bleibt

Rauch stellte klar, dass das Parkraumkonzept insgesamt keine zusätzlichen Stellplätze schafft. Es soll den vorhandenen Parkraum anders verteilen und ortsfremdes Dauerparken eindämmen. Damit hängt viel davon ab, ob Besucher*innen vorhandene Alternativen tatsächlich nutzen. Dazu gehören vor allem die vorhandenen Parkhäuser und der Neue Messplatz.

Alte Argumente führen diesmal zu anderem Ergebnis

Die Einwände erinnern stark an die Debatte von 2016. Schon damals wurde gewarnt, dass Gebühren keine neuen Stellplätze schaffen. Auch damals blieb offen, ob ein Ausweis die Parkplatzsuche wirklich erleichtert. Dieses Mal setzte sich jedoch die andere Sicht durch. Kostenfreies Dauerparken durch Pendler*innen und andere Gebietsfremde soll nicht länger Vorrang haben. Die knappen Stellplätze sollen zuerst den Menschen im Quartier zugutekommen. Der Bezirksbeirat empfahl das Konzept mit sieben zu drei Stimmen. Der Ausschuss für Umwelt und Technik beschloss es am folgenden Tag bei zwei Gegenstimmen.

Umsetzung soll 2028 beginnen

Nun beginnt die Detailplanung. Im Herbst will die Stadt zunächst mit Gewerbetreibenden sprechen. Im vierten Quartal ist ein offener Bürgerdialog vorgesehen. Danach folgen die weitere Planung und die Ausschreibung. Die ersten Arbeiten sollen Anfang 2028 in der Zone 3.3 beginnen. Anschließend folgt die Zone 3.1.

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