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100 Jahre GBG: Ein Erfolgsweg mit fiesen Schlaglöchern

Schon früher gegen den Abriss

Auch beim Ludwig-Frank-Block zeigte sich die GBG nicht gerade im besten Licht. Das Gebäudeensemble entstand 1948 und 1949 und stand damals für den Wiederaufbau Mannheims. Vierzig Jahre später wollte die GBG die Häuser in der Neckarstadt-Ost abreißen, weil eine Sanierung als unwirtschaftlich galt und Abriss samt Neubau günstiger erschien.

Der Aufsichtsrat genehmigte 1988 den Abriss von 280 Wohnungen. Den Vorsitz führte der damalige Oberbürgermeister Gerhard Widder von der SPD. Früh regte sich jedoch Widerstand. Mietende erhielten Unterstützung aus dem Gemeinderat, während Walter Pahl 1989 gemeinsam mit rund 100 GBG-Mieter*innen die Vermietungsgenossenschaft Ludwig-Frank gründete.

Die Genossenschaft wollte die Wohnungen übernehmen und sanieren, damit die Menschen in ihrem vertrauten Umfeld bleiben konnten. Ein Abrissantrag der SPD scheiterte im Gemeinderat. Im Februar 1990 beschloss das Gremium schließlich mit großer Mehrheit, die Wohnungen samt Grundstücken an die Genossenschaft zu übertragen. Die Stadt stellte erhebliche Mittel für die Sanierung bereit, wodurch der Bestand erhalten blieb.

Schon früh musste günstiger Wohnraum also gegen die GBG verteidigt werden.

Das ist eine harte Feststellung. Sie ergibt sich aber direkt aus der Geschichte, welche die GBG selbst erzählt. Kritische Stimmen bezeichnen die GBG deshalb gelegentlich als „Abrissunternehmen“. Das ist eine pauschale Zuspitzung, denn die Gesellschaft hat zugleich unzählige Gebäude saniert und modernisiert. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Vorwurf dennoch nicht. Mehrfach erklärte die Gesellschaft bestehende Wohnungen für unwirtschaftlich. Mehrfach mussten andere zeigen, dass Erhalt und Sanierung möglich waren.

Das Tor zur Neckarstadt

Beim Laurentiusblock geht es noch stärker um die Macht über Stadtentwicklung. Das Buch bezeichnet die Auseinandersetzung als Sonderfall. Der Konflikt dauerte mindestens 37 Jahre, eigentlich begann er noch früher, heißt es.

Die entscheidende Frage formuliert das Buch selbst: „Wie soll sich die Neckarstadt entwickeln. Oder: Wie soll sie entwickelt werden?“

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Der neue Laurentiusblock (links) wurde der Öffentlichkeit als „Tor zur Neckarstadt“ vermarktet | Foto: M. Schülke

Es ging um die Waldhofstraße und die Stadtbahn, aber auch um Denkmalschutz und Wohnraum. Die Stadt wollte die Straße verbreitern und das damalige Nadelöhr für die Stadtbahn beseitigen. Dafür mussten mehrere Gebäude verschwinden. Die Entscheidung traf der Gemeinderat.

Die GBG spielte dennoch eine zentrale Rolle, weil ihr Mitte der 1990er Jahre fast alle betroffenen Häuser gehörten. Der letzten dort lebenden Familie wurde 1995 gekündigt. Lange leerstehende Wohnungen wurden zwischenzeitlich besetzt, während Gerichte den Bebauungsplan prüften und die Öffentlichkeit über den Abriss denkmalgeschützter Gebäude stritt.

Schließlich begann der Abriss. Im Sommer 1998 startete der Bau des Laurentiusblocks, der zwei Jahre später als „Tor zur Neckarstadt“ eingeweiht wurde. Das Gebäude umfasst 58 Wohnungen und neun Gewerbeeinheiten. Der Bau kostete 24,7 Millionen Mark.

Schön finden muss man den Laurentiusblock nicht. Über Architektur lässt sich bekanntlich streiten. Die Backsteinfassade soll Bezug auf das gegenüberliegende Capitol nehmen.

Interessanter als die Frage des Geschmacks ist jedoch, wie das Jubiläumsbuch den jahrzehntelangen Konflikt erzählt. Verkehrsplanung, politische Entscheidungen, Kündigungen, Leerstand, Besetzungen und Abrisse werden zur Vorgeschichte eines städtebaulichen Ergebnisses. Was damals umstritten war, erscheint im Rückblick beinahe zwangsläufig. Im Buch führt die lange Auseinandersetzung schließlich zum „städtebaulichen Höhepunkt“.

Wieder endet der Konflikt im Erfolg.

Die zentrale Frage bleibt trotzdem bestehen. Wer entwickelt die Neckarstadt und wer muss dafür weichen?

Das alte Problem mit kritischen Medien

Das Kapitel zum Jahr 1986 zeigt, dass das schwierige Verhältnis der GBG zu kritischen Medien keine neue Erscheinung ist. Es beginnt mit negativen Schlagzeilen über Mieterhöhungen, Gerichtsverfahren und neue Betriebskosten. Viele GBG-Mieter*innen fühlten sich damals schlecht behandelt. Geschäftsführer Kurt Holler hatte Journalist*innen bereits im Dezember 1985 von einer Informationsveranstaltung ausgeschlossen, woraufhin sich das Verhältnis zur regionalen Presse weiter abkühlte.

Das Jubiläumsbuch berichtet darüber erstaunlich offen. Es beschreibt auch, wie sich die Berichterstattung seit Mitte der 1970er Jahre veränderte. Die Nachkriegsbauten wurden älter, Sanierungen kosteten Geld und die Mieten stiegen. Zugleich wuchs der Protest der Mietenden. Die GBG reagierte mit Gegendarstellungen und Berichtigungen. Das ist ihr gutes Recht, denn auch ein städtisches Unternehmen muss falsche Berichte nicht hinnehmen.

Fragwürdig wird es dort, wo die Reaktion nicht mehr nur dem Inhalt gilt, sondern das Medium selbst trifft.

Diese Unternehmenskultur begegnete auch uns Jahrzehnte später erneut. Kritische Berichterstattung konnte spürbare Konsequenzen haben, während genehmere Töne bisweilen belohnt zu werden schienen. Ein Internetportal berichtete nach unserer Beobachtung auffällig wohlwollend über die GBG, nachdem es einen Werbevertrag mit dem Unternehmen geschlossen hatte. Die Gesellschaft bekam dort viel Raum für ihre Sicht, während exklusive Interviews weitgehend ohne Widerspruch erschienen.

Beim Neckarstadtblog verlief es anders. Der Mannheimer Morgen () erhielt einmal versehentlich eine interne E-Mail der GBG, in der es um Medienstrategie und Krisenkommunikation ging. Die Zeitung berichtete darüber, und das Neckarstadtblog griff denselben Vorgang auf. Danach entfernte die GBG unser Medium für mehrere Monate aus ihrem Presseverteiler. Der damalige Pressesprecher erklärte offen, das Unternehmen habe sich über den Artikel geärgert.

Eins muss man der GBG lassen. Sie steht erstaunlich oft zu ihrem Fehlverhalten.

Bis zur Arbeit an diesem Text blieb das Verhältnis angespannt. Presseanfragen wurden mehrfach verschleppt oder nur unzureichend beantwortet, wobei das nicht für jede Anfrage und nicht für jede zuständige Person gilt. Es gab auch gute Phasen. Als der damalige Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel eigene Mietparteien in sogenannten Drehscheibenwohnungen der GBG unterbrachte, begrüßte das Unternehmen unsere Berichterstattung. Zudem gab es wiederholt Annäherungsversuche, zu denen auch Anzeigenschaltungen trotz unserer kritischen Artikel gehörten.

Die Beziehung zwischen GBG und Neckarstadtblog war deshalb nie einfach, bestand aber auch nicht nur aus Konflikten. Gerade vor diesem Hintergrund irritiert die Festschrift. Heute kann die GBG den früheren Ausschluss von Journalist*innen selbstkritisch dokumentieren. Im laufenden Konflikt fiel ihr diese Gelassenheit deutlich schwerer.