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100 Jahre GBG: Ein Erfolgsweg mit fiesen Schlaglöchern

Die GBG prägt Mannheim seit hundert Jahren. Ihr Jubiläumsbuch zeigt große Leistungen, alte Konflikte und einen auffällig glatten Rückblick.

Die GBG ist ein durch und durch Neckarstädter Unternehmen. Das zeigt ihr Jubiläumsbuch an vielen Stellen. Mit dem Erlenhof begann die Bautätigkeit der GBG. Später folgten zahlreiche weitere Bauten in beiden Stadtteilen. Auch ihre Unternehmenszentrale hat seit 1939 ihren Sitz in der Neckarstadt.

Die GBG hat Mannheim geprägt. Sie baute Wohnungen, ganze Siedlungen und später auch öffentliche Gebäude. Sie kümmerte sich um Nachbarschaften und entwickelte ehemalige Militärflächen. Ohne die GBG sähe Mannheim heute anders aus.

Das gilt auch für den Wohnungsmarkt. Die städtische Gesellschaft hält noch immer einen großen Bestand in öffentlicher Hand. Sie ist trotz aller Kritik ein Garant gegen noch schlimmere Mietsteigerungen. Private Immobilienunternehmen hätten viele Chancen zur Gewinnsteigerung wohl entschlossener genutzt.

Das muss am Anfang stehen. Nicht als Pflichtübung und nicht als Feigenblatt. Es gehört zur Geschichte der GBG.

Doch das Unternehmen kann Gutes wollen und trotzdem Schlechtes tun. Es kann Menschen helfen und andere gleichzeitig überfahren. Es kann günstige Wohnungen erhalten und an anderer Stelle vernichten. Es kann mit jahrzehntelangem Abstand erstaunlich kritisch auf eigene Fehler blicken. In der akuten Situation reagiert es auf Kritik bisweilen völlig anders.

Genau davon erzählt das Jubiläumsbuch. Manchmal freiwillig. Manchmal eher zwischen den Zeilen.

Das Neckarstadtblog ist bei einem zentralen Konflikt selbst Teil dieser Geschichte. Wir benennen das offen. Unsere Erfahrungen mit der GBG prägen die Betrachtung des Buchs. Sie liefern zugleich einen Maßstab für dessen Selbstdarstellung.

Hundert Jahre in hundert Kapiteln

Das Buch folgt einem einfachen und durchaus reizvollen Konzept. Jedes Jahr der Unternehmensgeschichte bekommt ein eigenes Kapitel. Die Reise beginnt 1926 mit der Gründung. Sie endet 2025 mit einem Blick auf Wohnungsbau und soziale Aufgaben. Auf dem Weg geht es um Wohnungsnot, Nationalsozialismus, Krieg und Wiederaufbau. Es geht um Mieten, Modernisierung, Abriss und Neubau. Später kommen Sozialarbeit, Konversion, Sportförderung, Street-Art und die Bundesgartenschau hinzu.

Diese Breite ist eine Stärke. Das Buch beschränkt sich nicht auf eine Aufzählung gebauter Häuser. Es zeigt politische Konflikte und gesellschaftliche Veränderungen. Es nennt Proteste und gescheiterte Projekte. Selbst das schwierige Verhältnis zu den Medien bekommt ein eigenes Kapitel. Eine unabhängige Unternehmensgeschichte ist das Buch trotzdem nicht. Das will es auch gar nicht sein. Es ist eine Festschrift. Die GBG feiert ihren hundertsten Geburtstag und erzählt dabei ihre eigene Geschichte.

Das Vorwort stammt von MARCHIVUM-Leiter Harald Stockert und GBG-Kommunikator Heiko Brohm. Geschäftsführer Karl-Heinz Frings und Oberbürgermeister Christian Specht steuern Grußworte bei. Die Perspektive ist damit klar. Fast jeder Konflikt wird am Ende Teil einer Erfolgserzählung. Fehler werden eingeräumt. Rückschläge werden erwähnt. Doch sie führen im Buch erstaunlich zuverlässig zum richtigen Ergebnis. Aus Krisen werden Lernprozesse. Aus Widerstand wird Beteiligung. Aus einem gescheiterten Investor wird eine insgesamt erfolgreiche Konversion. Aus dem Abriss von 128 günstigen Wohnungen wird ein modernes Quartier ohne nachweisbare Gentrifizierung.

So funktioniert die Dramaturgie des Buchs.

Besonders in der neueren Geschichte liegen viele Erfolge abseits des eigentlichen Mietgeschäfts. Das Technische Rathaus bekommt ein Kapitel. Das MARCHIVUM bekommt ein Kapitel. Hinzu kommen Street-Art, Sportförderung, BUGA und Markthaus. Das alles zeigt die enorme Reichweite der heutigen GBG-Unternehmensgruppe. Es zeigt aber auch deren Selbstverständnis. Die Gesellschaft sieht sich längst nicht mehr nur als Vermieterin. Sie versteht sich als umfassende Stadtgestalterin.

Damit wächst nicht nur ihr Aufgabenbereich. Es wächst auch ihre Macht.

Eine alte Adresse mitten im Stadtteil

Wer weiß noch, dass die GBG ihre Zentrale einmal noch zentraler in der Neckarstadt hatte?

Bevor sie in den Ulmenweg zog, residierte sie direkt am Alten Messplatz. Das Gebäude steht in der Max-Joseph-Straße 1. Gegenüber liegt die Adria. Ab März 1939 nutzte die GBG diese Adresse. Dort blieb sie bis 1977. Fast vier Jahrzehnte saß die Wohnungsbaugesellschaft damit im Herzen der Neckarstadt. Das entsprechende Kapitel erzählt eigentlich vom späteren Umzug an den Leoniweg. Die frühere Adresse erscheint nur als historische Station. Für ein Stadtteilblog ist sie mehr.

Die GBG ist nicht nur wegen ihrer vielen Wohnungen hier ein Neckarstädter Unternehmen. Ihre Verwaltung war hier über Jahrzehnte zu Hause. Ihre Entscheidungen veränderten die Neckarstadt-Ost und die Neckarstadt-West immer wieder. Das zeigt sich am Ludwig-Frank-Block. Es zeigt sich am Laurentiusblock und an den Ludwig-Jolly-Blocks. Es zeigt sich auf Turley und im Centro Verde. Besonders deutlich zeigt es sich beim Main-Kinzig-Quartier.