100 Geschichten, wie sie die GBG erzählt | Foto: M. Schülke
Plötzlich hieß es „Mieten war gestern“
Das Kapitel zum Centro Verde erzählt vom Wiederbeginn des Wohnungsneubaus. Gleichzeitig zeigt es die GBG in einer ungewohnten Rolle. Plötzlich baute die städtische Wohnungsbaugesellschaft Häuser zum Verkauf, obwohl solche Projekte zuvor weitgehend der private Markt übernommen hatte.
Das hätte auch so bleiben können.
Mit Ruhm bekleckerte sich die GBG beim Centro Verde jedenfalls nicht. Es gab Baumängel und Probleme bei der Vermarktung. Viele Menschen empfanden das Wohngebiet als steril. Die Käufer*innen der Häuser sehen das naturgemäß teilweise anders. Viele leben gerne dort, und das Gebiet hat sich mit den Jahren entwickelt.
Bemerkenswert bleibt dennoch die damalige Werbung. Die GBG warb mit dem Satz „Mieten war gestern!“. Aus dem Mietgeschäft ist die Gesellschaft zum Glück nicht ausgestiegen.
Früher war Vermieten alles für die GBG – dann plötzlich nicht mehr | Foto: M. Schülke
Das Gelände der früheren Ludwig-Frank-Kaserne galt als erstes Projekt der innerstädtischen Konversion. Die Entwicklung zog sich lange hin. Die GBG hatte die Fläche bereits 1998 gekauft, doch zunächst mussten belastete Böden aufbereitet werden. Danach entstanden erste Mehrfamilienhäuser, ohne dass das Projekt richtig vorankam.
Erst ab 2012 beschleunigte sich die Entwicklung. Im Geschäftsbericht 2015 erklärte die GBG das Centro Verde schließlich für nahezu vollendet. Das Jubiläumsbuch behandelt die Probleme vor allem als Vorboten des späteren Erfolgs. Das Centro Verde wird zum Zeichen eines wieder erwachenden Wohnungsbaus, dem Franklin und weitere Neubauprojekte folgen. Auf Turley baute die GBG lieber nicht selbst.
Anfang 2026 überschritt die GBG nach eigener Darstellung wieder die Marke von 20.000 Wohnungen. Das ist ein Erfolg und zugleich eine sehr passende Erzählweise für dieses Buch. Was unterwegs schiefging, wird nicht verschwiegen. Es bleibt aber Randnotiz auf dem Weg zur nächsten runden Zahl.
Wenn der Mannheimer Weg ein Holzweg ist
Noch deutlicher zeigt sich dieses Muster im Kapitel über die MWSP. Die Projektentwicklungsgesellschaft sollte die früheren Militärflächen entwickeln. Sie arbeitete privatwirtschaftlich und blieb dennoch Teil der städtischen Unternehmenswelt.
Aus unserer Sicht war diese Konstruktion von Beginn an problematisch. Die MWSP trat teilweise neben bestehende Strukturen des Baudezernats, wodurch politische und öffentliche Kontrolle nicht einfacher wurde. Über die Jahre sprach unsere Redaktion mit vielen Menschen aus der Stadtgesellschaft, die mit der Gesellschaft zusammenarbeiteten. Manche waren finanziell von Fördermitteln oder Aufträgen abhängig. Ein gutes Wort über die Zusammenarbeit war selten zu hören. Mehrere Beteiligte erklärten, sie hätten lieber darauf verzichtet, konnten das wegen dieser Abhängigkeiten aber kaum.
Vielleicht haben wir nur mit den Falschen gesprochen.
Beim Thema Bürgerbeteiligung hinterließ die Konversion jedenfalls viel verbrannte Erde. Viele Mannheimer*innen investierten Zeit und Hoffnung, fühlten sich später jedoch übergangen oder entmutigt. Als maßgeblich verantwortlich erlebten sie häufig die MWSP.
Trotzdem spricht das Buch vom „Mannheimer Weg“. Die Stadt verwendet diese Formulierung gerne. Mannheim geht demnach nicht irgendeinen Weg, sondern seinen eigenen.
Manchmal handelt es sich dabei allerdings um einen Holzweg.
Was macht Turley zu einer Erfolgsgeschichte?
Beim Turley-Gelände erzählt das Buch zunächst von einem frühen Erfolg. Bereits einen Monat nach der Übernahme präsentierte die MWSP die Tom Bock Group als „Anker-Investor“. Das Unternehmen kaufte elf historische Gebäude und kündigte Investitionen von rund 100 Millionen Euro an. Geplant waren Wohnungen, Büros, Gewerbe, Geschäfte und Ateliers.
Natürlich ist nicht alles gescheitert. Der Ankauf der Flächen durch die öffentliche Hand war grundsätzlich richtig, denn eine vollständige Veräußerung an private Investor*innen hätte der Stadt noch weniger Einfluss gelassen. Auf Turley entstanden Wohnungen und neue Nutzungen, historische Gebäude blieben erhalten und kleinere Wohnprojekte schufen besondere Formen des Zusammenlebens. Auch Franklin, Taylor und Spinelli entwickelten sich weiter. Auf ehemaligen Kasernenflächen leben heute tausende Menschen.
Es hätte viel schlimmer kommen können. Die Stadt hätte die Flächen vollständig dem Markt überlassen können.
Für die Öffentlichkeit wirkte die Konversion dennoch immer wieder wie ein Kontrollverlust. Verantwortliche vertrauten auf großes Kapital und hochfliegende Versprechen, während häufig eher bürgerschaftliches Engagement und kleinere Projekte funktionierten. Vieles pendelte sich am Ende ein, allerdings nicht immer wegen des städtischen Einflusses. Manches gelang trotz dieses Einflusses.
Diese Spannung löst das Buch mit einem einzigen Satz auf. Insgesamt war es eben eine Erfolgsgeschichte.
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Plötzlich hieß es „Mieten war gestern“
Das Kapitel zum Centro Verde erzählt vom Wiederbeginn des Wohnungsneubaus. Gleichzeitig zeigt es die GBG in einer ungewohnten Rolle. Plötzlich baute die städtische Wohnungsbaugesellschaft Häuser zum Verkauf, obwohl solche Projekte zuvor weitgehend der private Markt übernommen hatte.
Das hätte auch so bleiben können.
Mit Ruhm bekleckerte sich die GBG beim Centro Verde jedenfalls nicht. Es gab Baumängel und Probleme bei der Vermarktung. Viele Menschen empfanden das Wohngebiet als steril. Die Käufer*innen der Häuser sehen das naturgemäß teilweise anders. Viele leben gerne dort, und das Gebiet hat sich mit den Jahren entwickelt.
Bemerkenswert bleibt dennoch die damalige Werbung. Die GBG warb mit dem Satz „Mieten war gestern!“. Aus dem Mietgeschäft ist die Gesellschaft zum Glück nicht ausgestiegen.
Das Gelände der früheren Ludwig-Frank-Kaserne galt als erstes Projekt der innerstädtischen Konversion. Die Entwicklung zog sich lange hin. Die GBG hatte die Fläche bereits 1998 gekauft, doch zunächst mussten belastete Böden aufbereitet werden. Danach entstanden erste Mehrfamilienhäuser, ohne dass das Projekt richtig vorankam.
Erst ab 2012 beschleunigte sich die Entwicklung. Im Geschäftsbericht 2015 erklärte die GBG das Centro Verde schließlich für nahezu vollendet. Das Jubiläumsbuch behandelt die Probleme vor allem als Vorboten des späteren Erfolgs. Das Centro Verde wird zum Zeichen eines wieder erwachenden Wohnungsbaus, dem Franklin und weitere Neubauprojekte folgen. Auf Turley baute die GBG lieber nicht selbst.
Anfang 2026 überschritt die GBG nach eigener Darstellung wieder die Marke von 20.000 Wohnungen. Das ist ein Erfolg und zugleich eine sehr passende Erzählweise für dieses Buch. Was unterwegs schiefging, wird nicht verschwiegen. Es bleibt aber Randnotiz auf dem Weg zur nächsten runden Zahl.
Wenn der Mannheimer Weg ein Holzweg ist
Noch deutlicher zeigt sich dieses Muster im Kapitel über die MWSP. Die Projektentwicklungsgesellschaft sollte die früheren Militärflächen entwickeln. Sie arbeitete privatwirtschaftlich und blieb dennoch Teil der städtischen Unternehmenswelt.
Aus unserer Sicht war diese Konstruktion von Beginn an problematisch. Die MWSP trat teilweise neben bestehende Strukturen des Baudezernats, wodurch politische und öffentliche Kontrolle nicht einfacher wurde. Über die Jahre sprach unsere Redaktion mit vielen Menschen aus der Stadtgesellschaft, die mit der Gesellschaft zusammenarbeiteten. Manche waren finanziell von Fördermitteln oder Aufträgen abhängig. Ein gutes Wort über die Zusammenarbeit war selten zu hören. Mehrere Beteiligte erklärten, sie hätten lieber darauf verzichtet, konnten das wegen dieser Abhängigkeiten aber kaum.
Vielleicht haben wir nur mit den Falschen gesprochen.
Beim Thema Bürgerbeteiligung hinterließ die Konversion jedenfalls viel verbrannte Erde. Viele Mannheimer*innen investierten Zeit und Hoffnung, fühlten sich später jedoch übergangen oder entmutigt. Als maßgeblich verantwortlich erlebten sie häufig die MWSP.
Trotzdem spricht das Buch vom „Mannheimer Weg“. Die Stadt verwendet diese Formulierung gerne. Mannheim geht demnach nicht irgendeinen Weg, sondern seinen eigenen.
Manchmal handelt es sich dabei allerdings um einen Holzweg.
Was macht Turley zu einer Erfolgsgeschichte?
Beim Turley-Gelände erzählt das Buch zunächst von einem frühen Erfolg. Bereits einen Monat nach der Übernahme präsentierte die MWSP die Tom Bock Group als „Anker-Investor“. Das Unternehmen kaufte elf historische Gebäude und kündigte Investitionen von rund 100 Millionen Euro an. Geplant waren Wohnungen, Büros, Gewerbe, Geschäfte und Ateliers.
Einige Seiten später räumt das Buch das Scheitern ein. Die Zusammenarbeit mit der Tom Bock Group endete, Gerichtsverfahren dauerten Jahre und mehrere Immobilien wurden 2022 zwangsversteigert. Direkt darauf folgt der Satz: „Doch insgesamt ist der ‚Mannheimer Weg‘ mit der MWSP im Zentrum eine Erfolgsgeschichte.“
Da dann!
Natürlich ist nicht alles gescheitert. Der Ankauf der Flächen durch die öffentliche Hand war grundsätzlich richtig, denn eine vollständige Veräußerung an private Investor*innen hätte der Stadt noch weniger Einfluss gelassen. Auf Turley entstanden Wohnungen und neue Nutzungen, historische Gebäude blieben erhalten und kleinere Wohnprojekte schufen besondere Formen des Zusammenlebens. Auch Franklin, Taylor und Spinelli entwickelten sich weiter. Auf ehemaligen Kasernenflächen leben heute tausende Menschen.
Es hätte viel schlimmer kommen können. Die Stadt hätte die Flächen vollständig dem Markt überlassen können.
Für die Öffentlichkeit wirkte die Konversion dennoch immer wieder wie ein Kontrollverlust. Verantwortliche vertrauten auf großes Kapital und hochfliegende Versprechen, während häufig eher bürgerschaftliches Engagement und kleinere Projekte funktionierten. Vieles pendelte sich am Ende ein, allerdings nicht immer wegen des städtischen Einflusses. Manches gelang trotz dieses Einflusses.
Diese Spannung löst das Buch mit einem einzigen Satz auf. Insgesamt war es eben eine Erfolgsgeschichte.
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